Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1914.
Ist z. B. @ = 0.5° pro 100 m, Ty = 273° und T, = 288°, so folgt z, = 1930 m.
Ein zehngradiger Temperaturüberschuß hätte nach der gewöhnlich gebrauchten
kurzen Rechnungsweise diese Höhe zu 2000 m ergeben. Für isotherme Schichtung
(@ = 0) wird die Ruhelage in der Höhe
= I lo (a
2 yloge 5 7%
eintreten. Sinkt z. B. relativ kalte Luft in einer solchen Atmosphäre, so wird
bei 10° Temperaturdifferenz und T,y = 260° das Gleichgewicht in 1020 m Tiefe
erreicht, gegen 1000 m, den aus der gewöhnlichen Rechnung folgenden Wert.
Es sei gestattet, bei dieser Gelegenheit noch auf den vertikalen Temperatur-
gradienten aufmerksam zu machen, welcher in einer als Ganzes vertikal ver-
schobenen Luftmasse vor und nach der Verschiebung herrscht. Margules!) hat
denselben berechnet, und zwar mit der Komplikation, daß die Luftmasse während
ihrer vertikalen Verlagerung auch ihren Querschnitt ändere. A, Wegener hat die
Rechnung von Margules für die Querschnittsänderung auf bedeutend einfachere ®)
Weise wiederholt, hierbei aber das andere Ergebnis von Margules nicht be-
achtet, daß nämlich allein die vertikale Verlagerung auch ohne Querschnitts-
änderung schon genügt, um den vertikalen Temperaturgradienten in einer Luft-
masse zu verändern. Obwohl Margules (l. c.) sogar ein Beispiel für diese Art
Änderung des Temperaturgradienten gebracht hat, scheint es nach Wegeners Dar-
stellung doch nicht unnötig, auf diese Sache nochmals hinzuweisen, Der Temperatur-
gradient in einer dünnen Luftschichte sei A nach der Verschiebung der-
selben in vertikaler Richtung 1 Ist der Querschnitt der Schichte der gleiche
geblieben, so ist nun a
T’ p /(dT Ag Ag
AT
wenn p und p’ der Druck der Luftschichte vor und nach der Verschiebung
sind. Ist z, B. zu Anfang 1. = —0.5° pro 100 m, so wird 4. = 0 für K=2
Wird also eine Luftmasse, in welcher obiger Gradient besteht, z. B. aus 5500 m
auf das Meeresniveau herabgedrückt, so herrscht nun Isothermie in ihr. In auf-
steigenden Massen nähert sich der Temperaturgradient immer mehr dem adia-
batischen Wert von 1° pro 100 m, in absteigenden kann er 0 werden und auch
sein Vorzeichen verkehren, so daß nach der Verlagerung nach abwärts Temperatur-
umkehr besteht.
Diese Veränderung des Temperaturgradienten in vertikal verlagerten
Luftmassen besteht immer, auch bei konstantem Querschnitt, und spielt daher
eine viel größere Rolle, als man gewöhnlich — trotz der Abhandlung von
Margules — noch meint.
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Graphische Lösung nautischer Aufgaben.
Von Dr. Hänert, Marine-Oberlehrer in Flensburg.
(Hierzu Tafel 5.}
Mit Hilfe der im folgenden beschriebenen instrumentellen Hilfsmittel und
Methoden soll eine graphische Lösung der wichtigsten nautischen Aufgaben
(Orts- und Zeitbestimmung, Bestimmung des Namens eines unbekannten Sternes,
Segeln im größten Kreise, Koppeln der Kurse, Mittagsverbesserung u. a.) versucht
werden. Die Lösung soll rein graphisch sein, d. h. die Sätze der sphärischen
‘) »Meteorol, Ztschr.« 1906, 8. 241.
?) »Thermodynamik der Atmosphäre«, Leipzig 1911, und »Beitr. z. Physik d. freicn Atmo-
sphäre«, Bd. 4, 8. 55. Die Rechnung von Wegener ist insofern ungenau, als nur für unendlich
dünne Schichten wirklich der lineare Temperaturgradient gilt, den Wegener angibt: in Schichten
von endlicher Dicke bleibt die Temperaturverteilung bei Ausbreitung nicht linear, Die Margulessche
Rechnung ist daher nicht unnötig kompliziert, sondern vollkommen korrekt.