Schott, G.: Plan einer internationalen Erforschung des Atlantischen Ozeans usw. 149
Bei der Wahl der Einzelstationen sollte man, soweit es tunlich ist, die von
früheren Expeditionen aufgesuchten Positionen bevorzugen; gestattet es der
Zeitpunkt der Panamakanal-Eröffnung, so wären Reisen im Winter am vorteil-
haftesten, da unsere Kenntnisse vom Zustand des Nordatlantischen Meeres in den
Wintermonaten ganz besonders dürftig sind.
Was endlich die äußere Gelegenheit, eine derartige erstmalige, synop-
tische internationale Erkundung des Ozeans in das Werk zu setzen, betrifft, so
liegt es nahe, eben die Einweihung des Panamakanals zu benutzen und die Hilfe
der Kriegsmarine der verschiedenen Staaten zu erbitten, weil sicher zu erwarten
steht, daß alle wichtigen seefahrenden Nationen der Einladung der Vereinigten
Staaten von Nordamerika zur Feier der Einweihung des Panamakanales!) Folge
leisten und Kriegsschiffe zu dem Zwecke über das Meer senden werden. Diese
Kriegsschiffe müßten mit einer vollständigen Ausrüstung für ozeanische Tief-
lotungen versehen werden; in mancher Marine dürfte sehr gutes, mit den tech-
nischen Einzelheiten solcher Arbeit vertrautes Personal bereits vorhanden sein,
Dazu kämen einige möglichst schon auf Seereisen praktisch erprobte ozeano-
graphische Fachgelehrte, an denen es heute auch nicht mehr mangelt. Neben
den durch die internationale Korporation vereinten nordeuropäischen Staaten
kommen noch Spanien und besonders Österreich und Italien in Betracht, die
über das geschulte Personal der Adria-Forschung verfügen und deren Mitwirkung
durch Reisen, die von Gibraltar aus den Ozean schneiden könnten, überaus wert-
voll sein würde.
Soweit einige Angaben aus der Denkschrift der Herren Pettersson und
Drechsel.
B. Das Ergebnis der Kopenhagener Beratungen
in den Tagen vom 18. bis 21. September 1913 führte zu der nachstehenden
Resolution des Zentralausschusses®):
»Es ist sehr wünschenswert, daß diejenigen Nationen,
die Marineschiffe gelegentlich der Eröffnung des Panama-
kanales über den Nordatlantischen Ozean entsenden, dabei
Gelegenheit geben sollten, durch Einschiffung von drei
Fachgelehrten und bei einer Reiseverlängerung um rund
sieben Tage moderne hydrographische Querschnitte durch
den ganzen Nordatlantischen Ozean zu gewinnen.« |
Diese Resolution soll auf diplomatischem Wege den an der internationalen
Meeresforschung beteiligten Regierungen zur Kenntnis gebracht werden, voll-
inhaltlich auch den Regierungen von Frankreich, Italien, Österreich, Portugal
und Spanien, sowie S, A, S. dem Fürsten Albert von Monaco mitgeteilt werden,
Die Begründung lautet:
1. Es sind schon mehrere Male durch Schiffe der internationalen Meeres-
forschung kleinere Teile des Nordatlantischen Ozeans untersucht worden; die
reichen Ergebnisse haben aber gezeigt, daß viele wichtige Probleme sowohl in
biologischer wie in physikalischer Hinsicht nur durch Untersuchungen im offenen
Ozean ihrer Lösung näher gebracht werden können. (Vgl. hierzu'das M6moire
der Herren Pettersson und Drechsel.)
2. Der Beitritt der Vereinigten Staaten von Nordamerika zur internatio-
nalen Meeresforschung läßt es unerläßlich erscheinen, die Beobachtungen an der
westlichen Seite des Ozeans mit denjenigen an der östlichen Seite durch Quer-
schnitte zu verbinden.
In folgendem werden die technischen Einzelheiten der auf den trans-
atlantischen Untersuchungslinien gewünschten Arbeiten erörtert.
IL. Beobachtungen, Gewünscht werden von jedem Schiffe während der
Fahrt quer über den Ozean: etwa 15 bis 20 Stationen mit Arbeit bis auf 1000 m
Tiefe, etwa 3 Stationen mit Arbeit bis zum Boden, und fortlaufende Oberflächen-
beobachtungen.
‘) Es verlautet neuerdings, daß das Frühjahr 1915 hierfür in Aussicht genommen werden kann.
2?) Vgl. Conseil permanent international pour l’exploration de la mer, Rapports et proc&es
verbaux des Reunions, vol, XIX. Copenhague 1913. Appendix A. S. 49 ff.