Schott, G.: Plan einer internationalen Erforschung des Atlantischen Ozeans usw. 147
A. Denkschrift über atlantische Meeresuntersuchungen.
Man muß — und hierin sind die auf den Geographenkongressen erörterten
Programme durchaus zu ergänzen — auch die Küstenmeere des Atlantischen
Ozeans gleichzeitig mit etwaigen internationalen Aufnahmen auf dem offenen
Ozean untersuchen, und zwar nach denselben für den freien Ozean festzusetzenden
Gesichtspunkten und Methoden, soweit nicht durch die üblichen sogenannten
»Terminfahrten« noch weitergehende Aufgaben den vorhandenen Forschungs-
dampfern erwachsen,
[. Synoptische Untersuchung der atlantischen Küstenmeere. In dieser Hin-
sicht kommen in Betracht: 1, Der nordöstliche Teil des atlantischen Wassersystems
von Island und dem Färöer-—Shetland-Rücken bis Spitzbergen und Nowaja Semlja,
einschließlich Nordsee, Skagerrak, Kattegat und Ostsee, Insbesondere wird auf
die Untersuchung des Barentsmeeres Wert gelegt, 2, Die Südseite des Island—
Färöer- und Wyville Thomson-Rückens, die Rockallrinne und die Mündung des
Englischen Kanales. Hier wäre in erster Linie auf die Tätigkeit Großbritanniens
und Irlands zu rechnen‘). 3, Das Meer östlich und westlich von Grönland, wo
besonders an eine genaue Aufnahme der grade vorliegenden Eisverhältnisse zu
St Johns
* 73 22
CF
7 _ 70
37° 12W.
48°30W,
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Golfstrom
denken wäre, und genaue moderne ozeanographische (hydrographische) Schnitte
an der Eiskante im Polarstrom von dänischer Seite erhofft werden. 4. Der
Labradorstrom. »Wir besitzen keinen einzigen hydrographischen Schnitt durch
diesen Strom, welcher eine so große Rolle in der Wasserzirkulation des Atlan-
tischen Ozeans spielt.« Dabei ist seine Bedeutung als Verfrachter der polaren
Eisberge und des Feldeises nach Süden bis in die Wege der transatlantischen
Großschiffahrt auch in rein nautischer Hinsicht enorm, 5. Die Neufundlandbank
und die nach Südwesten und Südosten angrenzenden Meeresteile. Hier, wo das
Zusammentreffen des eben erwähnten Labradorstromes mit dem Golfstrom statt-
findet, liegt vielleicht die interessanteste, aber auch schwierigste und mit hydro-
graphischen KRätseln erfüllte Strecke des Atlantischen Meeres. Zwar hat die
»Michael Sars«-Expedition 1910 diese Gegend durchschnitten.und in einem be-
rühmten Profil, (s. Figur) die auch nach der Tiefe zu vorhandenen überaus großen
Gegensätze in der Wasserbeschaffenheit neu nachgewiesen, aber zugleich eigentlich
mehr Rätsel und Probleme dadurch gestellt, als bisher ersichtlich waren. Auf
eine Fortführung und Vertiefung der hydrographischen Aufnahmen in dieser
kritischen Meeresgegend sollte um so mehr gedrungen‘ werden, weil hier eine
der großartigsten Fischereien der Welt statthat, die an eine bestimmte Saison
gebundene Dorschfischerei, Offenbar kommt hierbei eine starke jährliche
Periodizität der physikalisch-chemischen Verhältnisse mit in. das Spiel; man
weiß, daß das Laichen der Dorsche nicht überall oder auf einmal‘ auf der Großen
Bank stattfindet, sondern daß im Laufe der Saison verschiedene Teile davon von
') Durch den ganz neuerdings erfolgten Beitritt Frankreichs zur internationalen Vereinigung
könnte auch wohl die gesamte Biskaya in die Untersuchungen einbezogen werden. (Anm, des Be-
richterstatters.)