142 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1914.
zwischen dem Ober- und Unterstrom im Großen Belt nachgewiesen, richtete ich
die Aufmerksamkeit auf die internen Wasserbewegungen in dem Gullmarfjord,
welche seit Februar 1909 täglich durch hydrographische Tieflotungen und durch
automatisch registrierende Instrumente studiert!) werden,
Das Tiefenwasser unserer Fjorde, ebenso wie dasjenige vom Kattegat und
Skagerrak befindet sich in immerwährender Unruhe. In den Niveauschwankungen
der unteren Wasserlagen von 35, 34, 33, 32° Salzgehalt findet man eine jährliche
Periode, verbunden mit einer kürzeren Schwankung, deren Charakter als
unterseeische Grenzwelle ich in einem Falle konstatieren konnte*). Dieselbe
bewegte sich im Oktober 1898 durch das ganze Kattegat von Norden nach Süden.
Ich konnte nachweisen, daß die Welle mit der Geschwindigkeit von 11.8 cm pro
Sekunde die Distanz zwischen den Leuchtschiffen Skagen und Laesö Rende
zurücklegte, was mit der Berechnung nach den Formeln von Stokes und Comoy
beinahe vollständig übereinstimmt. Übrigens stellte es sich heraus, daß diese
Wellenbewegung sowohl an der schwedischen wie an der dänischen Küste und
an sämtlichen Leuchtschiffen des Kattegats von Skagen bis Lappegrund im Öresund
beobachtet worden war. Es war also keine lokale Erscheinung, kein Auftrieb
von Tiefenwasser gegen die schwedische Küste, sondern eine mächtige
Aufschwellung des Tiefenwassers in ganzen Skagerrak, welche einige Tage dauerte
und sich langsam, wie ein von der Nordsee eindringendes unterseeisches
Flußgeschwelle durch das Kattegat fortpflanzte. Dies bezeichnete zugleich
einen Wendepunkt in der Heringfischerei, was ich am anderen Ort beschrieben,
Die 4'/,jährigen täglichen Beobachtungen an der Station Bornö zeigen,
daß dieses Phänomen keineswegs vereinzelt steht, sondern daß solche internen
Flußgeschwelle oder Solitärwellen in der Grenzschicht des Meeres jeden Monat
zwei- oder viermal sowohl in dem Gullmarfjord als in dem äußeren nördlichen
Teile des Skagerraks auftreten mit Amplituden von 15 bis 25 m und im nahen
Zusammenhange stehen mit den Störungen in der Schwerkraft, welche von den
Gestirnen, von Sonne und Mond, verursacht werden, und also wesentlich als
Gezeitenerscheinungen aufzufassen sind,
Das Erscheinen dieser Wellen steht im Zusammenhange mit der Deklination
des Mondes und mit seiner Erdnähe und Erdferne.
Vor allem galt es festzustellen, ob diese sogenannten »Mondwellen«, welche
wir an der Station Bornö in der Mitte des Gullmarfjords seit Anfang 1909 täglich
beobachten), ihren Ursprung in dem Fjord selbst haben oder von außen kommen.
Dr. N. Zeilon, der frühere erste Assistent unserer Kommission, hat sich zwei
Jahre mit eingehenden Studien über die internen Wasserbewegungen des Gullmar-Hords
theoretisch und experimentell beschäftigt*). Es wurde festgestellt: 1. daß
das Tidephänomen gut ausgebildet zum Vorschein kommt auch in dem Tiefenwasser
des Fjords, obschon die halbtägige Tide dort sehr oft verdeckt wird von
der internen Seiche, welche eine Periode von zwei bis drei Tagen hat. Das ist
die längste periodische Bewegung des Tiefenwassers, welche in dem Fjord selbst
entstehen kann. Die uninodale Seiche im Oberwasser hat eine Periode von
1 Stunde 49 Minuten. Diese uninodale Seiche wird gewöhnlich durch atmosphärische
Einflüsse in Gang gesetzt. Das ist aber nicht der Fall mit den großen
internen Wellen, welche unabhängig von Wind, Wetter und Luftdruckschwankungen
') A. Studien über die Bewegungen des Tiefenwassers und ihren Einfluß auf die Wanderung
der Heringe. Der Fischerbote, 1911, Nr. 7, 8, 9. B. The connection between hydrographical and
meteorological phenomene, Quarterly Journ, R. Met. Soc. XXXVIII, Nr. 163, July 1912.
” Svenska Hydrografisk Biologiska Kommissionens Skrifter, Heft I und III.
%) Die nähere Diskussion des Phänomens ist enthalten in der Arbeit: Über die Wahrscheinlichkeit
von periodischen Schwankungen in dem Atlantischem Strome und ihren Beziehungen zu
meteorologischen und biologischen Phänomenen, p. 23. Svenska Hydrografisk Biologiska Kommissionens
Skrifter, Heft III (auch als Separat)., Bei Julius Springer, Berlin.
*) Siehe übrigens die folgenden Abhandlungen von N. Zeilon:
A. On tidal Boundary-Waves and related hydrodynamical problems. K. Svenska Vet. Akad.
Handl., Bd. 47, Nr. 4, 1912.
B. The Seiches of the Gullmar Fjord with an introduetion on the Theory of Seiches in
branched bays. Svenska Hydrografisk Biologiska Kommissionens Skrifter, Heft V (auch als Separat).
Bei Julius Springer, Berlin,