Herrmann, E.: System der Einwirkung von Sonne und Mond usw. 139
nach den Gesetzmäßigkeiten darstellen, wobei es oft schwer ist, die gewonnenen
Ergebnisse in einen ungezwungenen systematischen Zusammenhang zu bringen.
Ich glaube nicht, daß allgemeine Überlegungen, die immer ein gewisses Vorurteil
mit sich bringen, oder statistische und daher von dem angenommenen Schema
abhängige Zusammenstellungen uns den Gesetzmäßigkeiten der atmosphärischen
Vorgänge näher führen können, sondern, daß nur eine systematische rechnerische
Auswertung an dies Ziel bringen wird. Gewiß ist dies eine langwierige, außer-
ordentlich umfangreiche Arbeit; ich würde bei meinen wenigen Auswertungen,
für die mir Hilfskräfte nicht zu Gebote standen, bei der Bewältigung des außer-
ordentlich großen Zahlenmaterials vielleicht ermüdet sein, wenn nicht zuletzt
Herr Landmesser Dr. C. Brehmer in Hamburg und Herr Lehrer J. H, Kühl in
Altona mir gütigst uneigennützige Hilfe geleistet hätten. Denkt man aber an
die umfangreichen Rechnungen, die auch die Astronomen zur Auswertung ihrer
Beobachtungen auszuführen haben, so wird man auch die in mancher Hinsicht
diesen entsprechenden Arbeiten im Gebiete der Meteorologie natürlich finden und
nicht davor zurückschrecken. ‘Gilt es doch der Erfüllung eines Zieles, das in der
Erkenntnis der schwingungsartigen Natur der atmosphärischen Vorgänge auf
der Naturforscherversammlung zu Wien 1894 mit folgenden Worten bereits zum
Ausdruck gebracht wurde: »Es steht zu hoffen, daß der vorgezeichnete Weg
die Meteorologie aus dem Bereich der sie jetzt vielfach beherrschenden schweifenden
Gedanken in größerem Umfange herausführen, sie in die Reihe der rechnenden
Wissenschaften stellen und damit ihre Anwendung auf die Praxis in wesentlicher
Weise fördern wird.«
Die Bedeutung der Auffindung systematischer Gesetzmäßigkeiten in den
atmosphärischen Vorgängen für die Wettervorhersage bedarf keiner weiteren
Darlegung. Nur auf eines sei hier hingewiesen; die weitere Durchführung der
Untersuchung allein schon für die Veränderlichkeit der einfachen Jahresperiode
gibt uns einen Anhalt für den verschiedenen Charakter der Jahreszeiten in den
verschiedenen Jahren und auch einen Anhalt für das verschiedene Auftreten der
Eisberge auf den Ozeanen, das’ ja mit der Verschiedenheit der von der Luftdruck-
verteilung abhängigen vorherrschenden Luftströmungen in Verbindung steht.
Grundsätzlich kann die Begründung der dargelegten Methode und sie
selbst auf jedes meteorologische Element bezogen werden, Ich habe für ihre
Anwendung den Luftdruck ‚gewählt und glaube auch, daß dieser dazu am
geeignetsten, vielleicht sogar ausschließlich geeignet ist. Der Rechnung unter-
worfen können nur reine gleichmäßig. fortlaufende Zahlenwerte werden; Nieder-
schläge und Winde scheiden daher sofort an sich aus, die ersteren weil sie nicht
in Augenblickswerten gegeben werden und auch nicht gegeben werden können,
die letzteren, da sie eine Richtung enthalten, Die Temperaturen eines Ortes
halte ich auch zur obigen Berechnung für wenig geeignet, weil sie auch teils
lokal, teils durch‘ andere meteorologische Elemente wie Bewölkung und je nach-
dem von ozeanischen oder kontinentalen Luftströmungen beeinflußt werden. Diese
Beeinflussungen erleidet der Luftdruck nicht; wohl ist er abhängig von der Tem-
peratur, aber doch nur von deren Verteilung auf weitestem Gebiete; was dann in der
Jahresperiode des Luftdrucks und deren Teilperiode eben seinen Ausdruck findet.
Zudem gewährt der Luftdruck in seiner Verteilung und deren Änderungen in
Verbindung ‚mit dem strengen barischen Windgesetz, wie es von Finger und
von Ekholm aufgestellt ist, einen weiteren Einblick in die atmosphärischen Vor-
gänge, den die Temperatur und deren Verteilung nicht bietet. Durch den Ver-
folg des Luftdruckganges gewinnen wir also die Grundlagen für eine weitere
Beurteilung der Erscheinungen. ;
. Nachdem von Hecker die Einwirkung des Mondes auf die feste Erdkruste
festgestellt ist, R. Schumann die Elemente der Mondbahn zu den Polschwankungen
und O. Pettersson zu ozeanischen Vorgängen in Beziehung gebracht haben, ferner
Arctowski, Prof. Dr. Schneider, Oberstleutnant Schuster, jeder in mehreren
Abhandlungen, u. A., den Einfluß des Mondes auf atmosphärische Erscheinungen
nachgewiesen haben, dürfte die Ablehnung dieses Einflusses in den Meteorologen-
kreisen nicht mehr so unbedinet, wie früher, stattfinden, sondern nur über die
x.