>>
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914,
Der untere Tamar fließt zwischen zwei Hügelketten durch, die von dem
hohen Hinterlande in nordwestlicher Richtung auslaufen und stellenweise nahe
zusammen-, stellenweise weiter auseinandertreten. Ihr westlicher Ausläufer ver-
zweigt sich und endigt in Badger Head und Flinders Point an der West-
seite, der östliche an der Ostseite der Flußmündung in Low Head, 6!/, Sm von
Badger Head entfernt.
Wenn man sich in einiger Entfernung recht vor der Flußmündung be-
findet, so erscheinen die beiden Enden dieser auslaufenden Hügelketten sich
ähnlich, und man sieht bei gutem Wetter über sie hinweg die landwärts davon
befindlichen hohen Gipfel des Hochlandes, obschon auch die westliche Kette in
etwa 8 Sm Entfernung vom Meere mehr als 500 m Höhe erreicht.
Vom Osten her bilden das 33 m hohe Ninth-Eiland, die etwa 15 Sm
westlich davon liegende Huk Stony Head, hinter der sich ein 235 m hoher
Hügel erhebt, und das vor der Huk in etwa 3 Sm Abstand vom Lande liegende
9 m hohe Inselchen Tenth-Eiland gute Landmarken.
Low Head ist eine schmale, zungenförmige, hohe Halbinsel, auf der ein
weißer, runder, 11 m hoher Leuchtturm steht, Auch eine Signalstation befindet
sich dort, Innerhalb der Huk an der Ostseite des Flusses stehen zwei weiße,
9 m hohe Leuchttürme, die als Richtmarken oder deren Feuer nachts als Richt-
feuer für die Einfahrt dienen.
Ansteuerung. Von Westen her kann man zwar den Weg nördlich oder
südlich von King Island nehmen, um zunächst in die Bass-Straße einzulaufen,
doch ist die südliche Durchfahrt nicht zu empfehlen, weil viele Klippen und
Untiefen in ihr liegen. Man wählt in der Regel die nördliche Durchfahrt und
steuert entweder Moonlight Head oder Kap Otway an der Küste des Festlandes
oder das Nordende von King Island an.
Bei der Ansteuerung sind die Wind-, Wetter- und Stromverhältnisse
zu berücksichtigen. Kann man unter gewöhnlichen Verhältnissen Moonlight Head
und Kap Otway auch in 3 Sm Abstand passieren, so muß man dies bei stür-
mischen südwestlichen Winden in erheblich größerem Abstande tun und bei Nebel
unbedingt das Lot brauchen, um sich auf mindestens 75 m Wassertiefe zu halten,
wenn man seinen Schiffsort nicht genau kennt, Bei der Ansteuerung von King
Island ist mindestens dieselbe Vorsicht notwendig. Auf dieser Insel mit ihrer
Umgebung sind schon viele nicht vorsichtig genug geführte Schiffe verloren
gegangen.
Nach dem Passieren von King Island hat man zunächst sicheres Besteck,
und fernere genaue Feststellungen des Schiffsortes sind oft durch Landmarken
möglich,
Da vor der Westseite der Tamar-Mündung ausgedehnte Riffe und
Bänke liegen, so muß man stets ihre Ostseite ansteuern. In der Mündung und
innerhalb derselben liegen vor dem östlichen Ufer ebenfalls Untiefen. Die Un-
tiefen sind durch Tonnen und Baken bezeichnet und werden größtenteils bei
halber Tide überflutet, soweit sie mit dem Lande zusammenhängen. Das Hebe-
Riff, die äußerste Untiefe, liegt ungefähr West, 2,3 Sm vom Leuchtturm auf
Low Head. Seine Nordseite wird durch eine rot und weiß wagerecht gestreifte
Tonne mit Balltoppzeichen bezeichnet.
Um einzulaufen, bringe man die beiden Leuchttürme bei She-oak Point
oder deren Leuchtfeuer in der Peilung rw. 128° (mw. S0z0*/,O) in Eins und
steuere auf dieser Richtmarke ein; sie führt zunächst östlich von den außerhalb
liegenden, später zwischen den beiderseitigen Untiefen hindurch bis zum Anker-
platze von Port Dalrymple, Segelschiffe können nur bei günstigem Winde
einsegeln, da das Fahrwasser zum Kreuzen zu eng ist. Als günstige Winde sind
nur die Winde von WNW bis NNO anzusehen, denn bei Winden von NNO bis
SO hat man in der Einfahrt wegen des hohen Landes keinen Wind. Man sollte
jedoch nur im Notfalle ohne Lotsen einsegeln. Obwohl es vor oder in der
Flußmündung keine Barre gibt, sollte man zum Einsteuern doch den Beginn
des Flutstromes abwarten, weil der Ebbstrom dort sehr starke Stromwirbel und
Neerströme erzeugt. Außerhalb der Mündung sind die Tidenströme sehr schwach,