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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914,
Bestimmung der Fahrtrichtung und Fahrtgeschwindigkeit im Ballon
oder Luftschiff über Land.
Von Oberst z. D. v. Kobbe,
Der Luftschiffer und besonders der Freiballonführer bedient sich zur Ermittelung
seines Reiseweges im allgemeinen nur der Karte und des Kompasses,
die auch ausreichen, wenn die Erde dauernd in Sicht bleibt oder wenigstens
nur vorübergehend verschwindet. Nach Überquerung einer breiten Wolkenschicht
aber ist es nach eigener Erfahrung des Verfassers oft nicht leicht, die verlorene
Orientierung wiederzufinden. In diesem Falle ist es schon ein wesentlicher Gewinn,
Fahrtrichtung und Fahrtgeschwindigkeit feststellen zu können, um hierdurch
rückwärts Anschluß zu suchen an den letzten bekannten Ballonort.
Das folgende Verfahren beruht auf Ermittelung der Richtung und Entfernung
des Ballonortes nach einem gut sichtbaren Ziel (Kirche, Burgruine oder
dergleichen).
Ist das Ziel auf der Karte auffindbar, so ist durch Richtung und Entfernung
auch der Ballonort gegeben,
Ist das Ziel auf der Karte nicht auffindbar, so erfolgt die Messung von
Richtung und Entfernung zweimal nach demselben Ziel mit einer Pause von
etwa 10 Minuten. Dann werden auf einem Blatt Papier, das eine beliebige gerade
Linie als Nord—Süd-Richtung enthält, mit Beziehung auf einen beliebigen als
Zielort angenommenen Punkt die beiden Ballonorte markiert, deren Verbindungslinie
die Fahrtrichtung und die in der Zwischenzeit zurückgelegte Strecke, mithin
die Geschwindigkeit ergibt (vgl. Fig. 4).
Es handelt sich also um die Bestimmung der Richtung und der wagerechten
(d. i. Karten-) Entfernung vom Ziel (Z) nach dem Ballon (B).
Zur Ermittelung der Richtung dient ein kleiner Peilkompaß, wie ihn
die Geologen verwenden, die Kante des Kastens mit aufgeklapptem Deckel,
parallel der Nullrichtung, dient als Visier. Das Zifferblatt hat von Norden über
Osten eine Teilung von 0 bis 360° mit 2° Intervall. Beim Gebrauch wird- die
Nullrichtung mittelst der Kastenkante auf das Ziel gerichtet und die Magnetnadelstellung
an der Teilung abgelesen. Da nicht die Richtung Ballon— Ziel,
sondern die umgekehrte Richtung Ziel—Ballon gewünscht wird, so liest man
zweckmäßig an der Südspitze der Nadel ab, man kann aber auch, wenn dies
bequemer ist, an der Nordspitze ablesen, muß dann aber 180° hinzu- oder abzählen.
Die Richtungswinkel (Azimute) werden im Sinne
der Kompaßteilung gezählt,
Zur Berücksichtigung der magnetischen Abweichung
in Deutschland genügt das nebenstehende Täfelchen.
Beispiele,
Wir befinden uns in der Gegend bei Frankfurt a. M,,
wo die magnetische Abweichung 11° beträgt.
1. Ablesung 261° an Südnadel.
360 — 11 = 349°
Ablesung = 261
Richtung Ziel—Ballon = 88°
Ablesung 243° an Nordnadel,
360 — 11 = 349°
Ablesung = 63 (243 — 180)
Richtung Z— B = 286°