accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

} 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914, 
Daß weiter, wie früher erwähnt, die atmosphärischen Störungen (gleich- 
falls nach Angaben von Eceles) 5 Minuten nach Sonnenuntergang seltener und 
schwächer werden und daß etwa 10 Minuten nach Sonnenuntergang eine plötz- 
liche Stille eintritt, wird gleichfalls durch die erwähnte Wirkung des Dämmerungs- 
gürtels erklärt und eine gleiche Erklärung finden die Erscheinungen beim Ein- 
tritt der Sonnenfinsternis. 
Ferner wurde gelegentlich beobachtet, daß bei Versuchen mit gerichteter 
drahtloser Telegraphie, bei denen die Lage einer Sendestation bestimmt werden 
sollte, die Bestimmungen des Azimutes der 40 Meilen entfernten Sendestation um 
nahezu einen Kompaßpunkt voneinander abweichen. Hier sucht Eccles die Er- 
klärung darin, daß Bänke ionisierter Luft wirksam sind, die die Wellen brechen. 
1X. Schluß. 
Faßt man die Ergebnisse der beschriebenen Untersuchungen kurz zusammen, 
so ergeben sich folgende Tatsachen: ; 
1. Die Intensität der auf einer Empfangsstation ankommenden Zeichen 
einer Sendestation ist am Tage so gut wie konstant. 
2. Nachts wechselt sie außerordentlich stark und ist ihrem Betrage nach 
größer als am Tage, bisweilen um das 4 bis 8fache, ; 
3. Bei einer drahtlosen Übertragung am Tage erhält man mit größeren 
Wellenlängen größere Reichweite; nachts ist eine derartige Abhängigkeit nicht 
vorhanden, 
4. Um Sonnenuntergang und Sonnenaufgang schwanken die Zeichen be- 
sonders stark, und zwar in einem ganz bestimmten Rhythmus. 
5. Alle diese Erscheinungen treten um so deutlicher hervor, je weiter die 
beiden Stationen voneinander entfernt sind. 
6. Eine Sonnenfinsternis wirkt in‘ ähnlicher Weise, wie der Sonnenunter- 
gang. Auch hier nimmt die Wirkung zu mit größer werdender Entfernung der 
Stationen. ‘ 
7. Auf die am Tage übermittelte Intensität der ankommenden Wellen hat 
die Jahreszeit geringen Einfluß. 
8. Der Einfluß des Mondes und des Polarlichtes ist noch nicht genügend 
geklärt. Das letztere soll teils fördernd, teils schwächend wirken, jedenfalls einen 
sehr merklichen Einfluß haben. 
9. Die Dämpfung der Sendestation schwankt am Tage oft um den Betrag 
von 20 bis 30%, zum Teil ist diese Schwankung allmählich (Maximum und 
Minimum in der Kurve), zum Teil plötzlich. 
10. Die atmosphärischen Störungen nehmen zu mit wachsender Durch- 
sichtigkeit der Luft, mit wachsender relativer Feuchtigkeit, mit wachsender 
Windgeschwindigkeit, mit Cumulus und Gewitterbildnng; 
sie nehmen ab mit zunehmender Bewölkung, mit wachsendem Dunstgehalt 
der Atmosphäre, mit Nebelbildung; 
sie sind besonders stark, wenn Gewitterwolken über die Antenne hinweg- 
ziehen, 
11. Die Störungen ändern ihre Stärke um Sonnenaufgang und -untergang 
in ähnlicher Weise, wie die drahtlos übermittelten Zeichen. 
Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß die eigentlichen 
meteorologischen Elemente so gut wie keinen Einfluß auf die draht- 
lose Übertragung haben, daß aber doch die Faktoren, deren Einfluß 
so überaus stark ist, mit der Meteorologie sehr eng verknüpft sind. 
Es ist zu hoffen, daß bei dem Zusammenarbeiten der an der Meteoro- 
logie und drahtlosen Telegraphie interessierten Kreise die Fragen 
einer vollen Aufklärung zugeführt werden. 
Physikalisches Laboratorium der Kgl. Sächs. Bergakademie Freiberg i. 5.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.