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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. 93 
so gibt die Fortpflanzungsgeschwindigkeit u die Gleichung 
= u (1437) 
y ist in hohen Luftschichten der Konzentration der Ionen direkt und dem 
Quadrat der Frequenz umgekehrt proportional. Die Formel besagt also, daß 
die Fortpflanzungsgeschwindigkeit in ionisierter Luft größer ist und ‘die Folge 
davon ist, daß mit zunehmender Höhe über der Erde die Geschwindigkeit elek- 
trischer Wellen zunehmen wird, Infolgedessen wird eine vertikale Wellenfront 
bei ihrem Fortschreiten sich nach vorn überneigen und sich eventuell mehr oder 
auch weniger als die Erdoberfläche krümmen. ; 
_ Die Betrachtung würde zunächst das Ergebnis liefern, daß die elektrischen 
Wellen längs der Erdoberfläche entlanglaufen können. ; . 
Weiter erklärt nun Eceles die großen Unterschiede zwischen den Tag- und 
Nachtbeobachtungen durch die Annahme, daß bei Nacht die dauernd ionisierte 
Heaviside-Schicht wie eine reflektierende Oberfläche wirkt »etwa in der Art wie 
eine Flüstergalerie« und daß am Tage die reflektierende Wirkung der oberen 
Schicht infolge der durch die Sonnenstrahlung erzeugten Zwischenschicht, die nach 
der obigen Betrachtung die Wellen nicht bis zur Heavisideschicht gelangen läßt, 
unmöglich gemacht wird. Durch die reflektierende Wirkung der Heavisideschicht 
würden damit- in der Nacht bei geeigneter Entfernung und Wellenlänge die 
außergewöhnlichen Reichweiten erzielt. ; 
Diese Hypothese erklärt ihm fast alle Beobachtungsresultate; so z. B. die 
Tatsache, daß man bei Nacht über bergiges Terrain leichter telegraphiert als 
am Tage. »Wir haben nur nötig, anzunehmen, daß bei Nacht die Heaviside- 
schicht Wellen aller Frequenzen gleich gut reflektiert, daß der Himmel in elek- 
trischem Sinne durch die Strahlung seitens der Sendestation aufgehellt wird und 
Strahlen in die jenseits der Berge liegenden Täler sendet, wobei die Wirksamkeit 
der Signalgebung größer ist, wenn die Stationen nicht zu dicht unter den Hügeln 
liegen. Bei Tage verschleiert die ijonisierende Mittelschicht der Atmosphäre die 
reflektierende Schicht und bricht die Wellen in gewissem Grade über .die. Berge 
hinweg. Die Brechung ist, wie wir gesehen haben, bei einer Frequenz von 
100000 hundertfach kräftiger als bei einer Frequenz von 1000000, woraus sich 
die bereits angedeutete, den Ingenieuren bekannte Erfahrung erklärt.« 
Daß beim Übergang von Tag zu Nacht besonders starke Änderungen der 
Empfangsintensität auftreten, erklärt sich nach seiner Hypothese in der Weise, 
daß bei Sonnenuntergang oder -aufgang durch Wiedervereinigung oder Bildung 
von Ionen starke Störungen in der Atmosphäre auftreten, die zum Teil Flecken 
oder Bänke ionisierter Luft und damit unregelmäßige Zerstreuungen infolge 
Brechung usw. entstehen lassen. Die von Markoni erhaltenen Kurven erklärt 
Eccles folgendermaßen: 
Erstens biegt während des Tages die Brechung in der ionisierten Mittel- 
schicht der Atmosphäre einige der von Cape Breton kommenden Strahlen direkt 
nach Clifden, vielleicht unter Absorption; zweitens wird nach Sonnenuntergang 
in Clifden, aber vor Sonnenuntergang in Cape Breton die von letzterem Punkte 
ausgehende Strahlung längs einer gekrümmten Bahn in dem Teile der mittleren 
Atmosphäre gebrochen, der noch: beleuchtet ist, sie durchdringt dann den 
Dämmerungsgürtel und wird weiterhin auf ihrem Wege um die Erdkrümmung 
durch ‚die Heavisideschicht . unterstützt; drittens bezeichnet. die Dämmerung, 
während sie nach Westen fortschreitet, die Vernichtung einer brechenden Struk- 
tur, in welcher die Fortpflanzung eine gute. ist, und die Struktur, in welcher 
die Fortpflanzung gleichfalls besser ist, als in.dem Gürtel selbst. Es wird daher 
eine Lage des Gürtels geben, die ein Minimum der Signalstärke bewirken wird 
und diese wird tatsächlich erreicht, wenn der Gürtel nicht sehr weit unterhalb 
des Horizontes der Empfangsstation liegt. Viertens und letztens scheint es, daß 
der Dämmerungsgürtel, wenn er über oder hinter der Sendestation durchgegangen 
ist, die Signale in willkürlicher, unregelmäßiger Weise durch einen Reflexions- 
vorgang oder, weniger wahrscheinlich, durch irgendeine linsenartige Wirkung 
verstärken kann.«
	        
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