Ludewig,: P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie., 91
mungen der Erdoberfläche hervorbringt, wenn. Luftströmungen, Winde, Regen usw.
die elektrischen Brechungsexponenten der Luft und des Erdbodens ändern, treten
bei der Fortpflanzung der elektrischen Wellen Richtungsänderungen auf, um So
häufiger, je unregelmäßiger die Luft- und Erdschichten beschaffen sind, Solche
Erscheinungen müssen zutage freten, ob nun die Fortpflanzung der Wellen nur
durch die Luft allein oder ob sie durch ‚die Erdschichten und durch die Luft
gleichzeitig zustande kommt, so wie es der Herstellung des elektrischen Feldes
am besten entspricht. Jene Richtungsänderungen haben wieder Interferenz-
wirkungen und diffuse Zerstreuung der‘ Wellen zur Folge, so daß die Reichweite
der Wellenwirkungen selbstverständlich vermindert werden muß, Bei Nacht,
überhaupt bei gleichbleibenden Witterungsverhältnissen, kann man daher beson-
ders große Reichweiten erwarten.«
Zenneck:
In seinem bekannten Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie gibt Zenneck
folgende Ausführungen: »Bei den vorangehenden Überlegungen war immer die
Luft als absoluter Isolator behandelt. Tatsächlich besitzt aber die atmosphärische
Luft stets eine gewisse Ionisation. Als Ursachen kommen in Betracht radioaktive
Emanationen aus dem Erdboden, die Wirkung der ultravioletten Sonnenstrahlen
und wohl auch. Elektronen, die von der glühenden Sonne ausgesandt werden.
Das Leitvermögen, das die Atmosphäre vermöge dieser Ionisation besitzt,
ist bis zu den Höhen, in denen es bei Ballonfahrten untersucht werden: konnte,
(etwa 6000 m) sehr klein, viel kleiner, als das Leitvermögen des trockensten
Bodens. Auf die Form der Wellen kann dieses Leitvermögen kaum einen. erheb-
lichen Einfluß haben, die Absorption derselben müßte zwar gesteigert. werden;
aber nur um einen sehr geringen Betrag.
Aber schon in den für Ballons zugänglichen Höhen zeigt -sich, daß die
Ionisation der Luft in großer Höhe mit der Höhe wächst. .Daß:.sie..in sehr
großen Höhen einen noch erheblich größeren Betrag annimmt, ist sehr. wahr-
scheinlich, da dort die Wirkung der ultravioletten Sonnenstrahlen und eventuell
der von der Sonne ausgesandten Elektronen sehr viel größer sein muß als in
den tieferen Schichten. der Atmosphäre, wo beide zum größten Teil schon ab-
sorbiert sind. .
Es sind nun zwei Fälle möglich. Entweder das Leitvermögen, das die Luft
auch in den höchsten Schichten bekommt, ist immer noch sehr klein gegenüber
dem Leitvermögen z. B. von nassem Boden; dann. wird der Einfluß der oberen
Schichten der Atmosphäre im wesentlichen in einer Vergrößerung der Absorp-
tion der Wellen bestehen. Oder das Leitvermögen in den oberen Schichten der
Atmosphäre ist schon von derselben Größenordnung, wie etwa dasjenige von
nassem Boden, dann würden die Verhältnisse ganz anders liegen als (früher)
vorausgesetzt wurde. Man hätte nicht die leitende Erde umgeben von einem
praktisch homogenen Medium von verschwindend kleinem Leitvermögen, sondern
man hätte drei konzentrische Schichten: die obere Erdschicht mit relativ gutem
Leitvermögen, dann die unteren Schichten mit verschwindend kleinen und end-
lich die obere Atmosphärenschicht mit gutem Leitvermögen, zwischen beiden
letzteren ein mehr oder weniger allmählicher Übergang. In diesem Falle würden
die von einem Sender an der Erdoberfläche ausgesandten Wellen zwei leitende
Schichten als Führung vorfinden und sich zwischen ihnen fortpflanzen. —
— —— Wenn eine so starke Ionisation in der Atmosphäre überhaupt
möglich ist, daß dieselbe einen erheblichen direkten oder indirekten Einfluß auf
die Wellen besitzt, so muß man auch damit rechnen, daß in der Atmosphäre
durch vertikale Luftströmungen, durch Wolken, Nebel usw. das Leitvermögen in
Schichten -derselben Höhe an verschiedenen Stellen sehr verschieden sein kann.
Solche Inhomogenitäten können dann wieder die Wellen durch Dispersion, Reflexion,
Absorption usw. erheblich stören und eventuell zu Interferenzerscheinungen An-
laß geben.« .
Die auch an dieser Stelle besprochenen, von Markoni zuerst gefundenen
Unregelmäßigkeiten beim Sonnenunter- bzw. -aufgang erklärt Zenneck durch