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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914, 
Höhen vorhanden ist, daß dagegen in zyklonaler Wetterlage eine solche Zunahme 
nur an der oberen Grenze der Wolken zu bemerken ist. Dies ist daraus zu 
erklären, daß in zyklonaler Wetterlage der Wasserdampf sich an den einzelnen 
Ionen kondensiert und sie damit für die luftelektrische Leitfähigkeit unwirksam 
macht. Im Hochdruckgebiet bleiben dagegen die elektrisch geladenen Teilchen 
in der Luft und können bei der Schwächung der elektrischen Wellen zur Wir- 
kung kommen. Die Ionen stammen zum Teil aus der sogenannten Bodenatmung, 
die besonders in zyklonaler Wetterlage auftritt und die darin besteht, daß Ionen 
aus der Erde in die Luft eintreten oder in der Nähe der Erde durch die von 
der radioaktiven Umsetzung herrührende y-Strahlung gebildet werden. Fischer 
faßt seine Hypothese in folgender Weise zusammen: »Eine Anwendung der bis- 
herigen Erörterungen läßt im Tiefdruckgebiet zunächst eine Zunahme der Ionen- 
zahlen am Boden erwarten. Verhältnismäßig warme, feuchte Luft strömt über 
die Erde hin in die Zyklone ein. Aufwirbelnd trägt sie die Elektronen und 
Ionen bis zu bedeutenden Höhen empor, in denen diese durch Kondensation des 
mitgeführten Wasserdampfes ihre Beweglichkeit verlieren. In verschiedenen 
Höhen ziehen die Ionen in den einzelnen Zirrusarten nach Vorzeichen getrennt 
weiter: Die Zyklone wird frei von elektrischen Kernen und zu einem Gebiete 
geringer luftelektrischer Leitfähigkeit. Das bestätigen die Ergebnisse der Ballon- 
fahrten. — — — 
Jene hochgewirbelten Luftmassen mit ihren zahlreichen Ionen geringer 
Beweglichkeit sinken nieder und bilden die Hochdruckgebiete. Die Wolken lösen 
sich, die Ionen werden wieder beweglicher, und die Antizyklone erhält eine 
hohe Iuftelektrische Leitfähigkeit, Dies Resultat entspricht den angestellten 
Messungen. — — — 
Somit hat sich ergeben, daß Zyklone und Antizyklone hinsichtlich ihrer 
Juftelektrischen Leitfähigkeit verschieden sein müssen, Wir dürfen erwarten, 
daß die Tiefdruckgebiete die funkentelegraphischen Erfolge fördern, die Hoch- 
druckgebiete dieselben beeinträchtigen, Der Unterschied der Reichweiten kann 
in beiden Wetterlagen recht bedeutend werden. Dafür sprechen die bereits er- 
wähnten Tatsachen, daß in Wolken die Leitfähigkeit um 95%, ihres Normalwertes 
sinkt, und daß durch Niederschläge fast sämtliche Ionen ausgefällt werden können. « 
Diese Ausführungen machen es wahrscheinlich, daß die jeweilige Wetter- 
lage auf den funkentelegraphischen Verkehr von Einfluß ist, daß eine verschie- 
dene Reichweite erzielt wird, je nachdem zwischen zwei entfernt voneinander 
liegenden Stationen ein Hochdruckgebiet oder ein; Tiefdruckgebiet sich befindet. 
Beobachtungen darüber liegen nicht vor. Eventuell könnte man die erwähnten 
Versuche, nach denen am Tage zu allen Jahreszeiten ein wenig voneinander 
abweichender Wert für die Reichweite gefunden wurde, dahin deuten, daß die 
von Fischer angenommene Einwirkung der Wetterlage nicht zu Recht besteht. 
Immerhin ist die Fischersche Annahme nur durch systematische Versuche zu 
entscheiden. 
Zehnder: 
Bei dem Bericht über seine Versuche mit einer Art von Erdantenne gibt 
Zehnder eine Erklärung der Abhängigkeit der Reichweite von dem Stand der 
Sonne in folgenden Ausführungen: »Unsere Überlegungen scheinen mir auch die 
Frage zu klären, weshalb die Reichweite im allgemeinen in der Nacht größer 
ist als am Tage. Man hat hierfür Ionisationen der Luft herbeiziehen wollen, 
ohne daß aber die angestellten Versuche solche Einflüsse als genügend nachgewiesen 
hätten, Ich glaube, daß die Veränderlichkeit der Brechungsverhältnisse der 
Atmosphäre und der Erdoberfläche die Schuld an den genannten Störungen 
trägt. Daß in benachbarten Luftschichten ganz verschiedene Fortpflanzungs- 
geschwindigkeiten möglich sind, wissen wir aus der Akustik, aus dem Echo am 
Waldrand, aus dem Rollen des Donners und der Geschütze usw. Die ungleiche 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes in verschiedenen benachbarten Luft- 
schichten zeigt uns z. B. die Fata morgana. Genau dieselbe Erscheinung muß 
also auch bei elektrischen Wellen auftreten. Wenn die Sonne ungleiche Erwär-
	        
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