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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914.
der Luftschichten, welche auf stoßweise Änderung der Ladungsverteilungen
schließen lassen. Durch Ausgleichsvorgänge in der atmosphärischen Elektrizität
werden wechselnde Ladungen der Antenne hervorgerufen und hierdurch Schwingungen
derselben erzeugt, welche die Störungszeichen im Detektor bilden. — — —
Zu diesen Erscheinungen durch Ladung kommen bei Gewittern noch Störungen
durch elektromagnetische Wellen hinzu, die durch Blitze hervorgerufen werden.
Es ließ sich feststellen, daß Blitze ein markantes Zischen im Empfangstelephon
entstehen lassen, welches gut gegen die teils knackenden, brodelnden, teilweise
zusammenhängenden und wieder abgerissenen Geräusche durch atmosphärische
Ladungen zu unterscheiden sind.
Da diese Versuche ergeben hatten, daß bei derartigen Messungen die
meteorologischen Verhältnisse eine große Rolle spielen, unternahmen es Wigand
und Lutze, gleichzeitige Beobachtungen auf einer Ballon- und einer Landstation
Fig. 9 für drahtlose Telegraphie vorzunehmen. Es liegen zunächst die
a Berichte von zwei Freiballonfahrten vom 24. bis 25, September 1912
und vom 27, Oktober 1912 vor.
Bei der Ballonstation wurde eine Empfangsantenne nach der
von Ludewig (Fig, 9) vorgeschlagenen Form benutzt, und zwar
wurden in Abständen von etwa 2m drei Ringe aus 1 mm Gummiaderdraht
um den Ballon geschlungen und ihr Verbindungsdraht
in den Korb geführt. Der untere Antennenteil bestand aus einem
nach unten hängenden Draht von 70 m.
Als feste Landstation wurde die in Halle-Cröllwitz liegende
Versuchsstation für drahtlose Telegraphie benutzt. Es diente hier
als Antenne ein 18.5 m hoch und 22 m lang horizontal ausgespannter
Kupferdraht mit der Erde als Gegengewicht.
Auf beiden Stationen wurden die im Empfangstelephon gehörten Geräusche
registriert. Das geschah in der Weise, daß die Geräusche ihrer Intensität nach
in einer fünfteiligen Skala gewertet wurden und die in je drei Minuten auftretende
Anzahl von Störungen als Maß für die Disposition der Atmosphäre zu
Störungserscheinungen angesehen wurde. Auf beiden Stationen waren die Detektoren
direkt in die Antenne eingeschaltet,
Außer diesen Messungen wurden noch zur Untersuchung der meteorologischen
und luftelektrischen Eigenschaften der Atmosphäre im Ballon gemessen:
Temperatur und Feuchtigkeit mit Hilfe eines Aßmannschen Aspirationspsyehrometers,
der Luftdruck, die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre und die
Anzahl der Kondensationskerne pro cm3 Luft mit Hilfe eines etwas abgeänderten
Aitkenschen Staubzählers.
Die erste Fahrt begann am 24, September abends 6 Uhr und führte von
Halle bis in die Nähe von Diedenhofen, wo die Landung mittags am 25, September
erfolgte. Die zahlreichen Beobachtungen sind in Diagrammen aufgetragen, aus
denen sich ergibt, daß die im Ballon und den Landstationen gemessenen Störungen
im großen und ganzen parallelen Verlauf nehmen, daß auch hier die früher
beobachtete doppelte Periode auftritt, daß aber, im einzelnen betrachtet, die Zahl
der Störungen auf den beiden Stationen wesentlich voneinander abweichen
können. So sind auch die meteorologischen Verhältnisse auf den beiden Stationen
in gleicher Zeit wesentlich verschieden, z. B. gehen gegen Schluß der Beobachtungen
über die Hallenser Station starke Regengüsse nieder, während der
Ballon über einer Gegend schwebte, die nur von einer dünnen unterbrochenen
Strato-Kumulus-Decke überzogen war.
Die zweite Fahrt fand am 27. Oktober morgens um 7 Uhr von Halle aus
statt und führte bis nach Mecklenburg. An diesem Tage kam Mitteldeutschland
in den Bereich eines von Westen heranziehenden Tiefdruckgebietes, das die Fahrt
wesentlich beeinflußte, Es zeigt sich bei dieser Fahrt in der zeitlichen Änderung
der Störungszahlen kein Parallelismus in den Beobachtungen im Ballon und
auf dem Lande.
Speziell die Beobachtungen in Halle scheinen durch starke lokale Einflüsse,
wie Landregen usw., wesentlich modifiziert zu sein. Bei der Ballonstation ander-