Dannies, H.: Die Gezeiten von Ragusa, St. Andrea und Pelagosa. 81
In Ragusa verspätet sich die Springflut um einen Tag, auf Pelagosa um
1!/, Tag, auf St. Andrea sogar um 2 Tage. Dann wird nördlich St. Andrea
plötzlich die Verspätung bedeutend kleiner, In Pola beträgt sie nur noch 1/, Tag.
II, Die Differenzenreihe von K,—0 gibt für die Eintagstiden die Verspätung,
bei negativem Vorzeichen die Verfrühung an, um welche die Eintagsspringtide
der größten Monddeklination folgt. In Ragusa verspätet sie sich um !/„ Tag,
auf Pelagosa um 1!/, Tag, auf St. Andrea um 2'/, Tag. Hier ist wieder : die
Grenze erreicht, In Pola haben wir nur noch eine Verspätung von !/, Tag.
Die halb- und eintägige Springflut erreichen also auf der Höhe von
St. Andrea das Maximum ihrer Verspätung. Nach Norden und Süden nimmt
diese ab.
Die Vorausberechnung der Gezeiten.
Mit Hilfe von x und H kann man die Gezeiten eines Ortes für jedes be-
liebige Datum vorausberechnen. Hierin beruht die praktische Bedeutung der
harmonischen Analyse. Für Pelagosa will ich hierfür eine graphische, für Ra-
gusa eine numerische Methode benutzen.
I. Die graphische Methode.!)
1. Die Teiltiden werden ein für allemal berechnet und auf Koordinaten-
papier gezeichnet.
2. Der Zeitpunkt wird bestimmt, wo die jeweilige Teiltide an dem zu
berechnenden Tage bei ihrer Bewegung von unten nach oben zum erstenmal die
Mittelwasserlinie schneidet,
3. Auf einem Bogen Papier wird die in 24 gleiche Abschnitte eingeteilte
Mittelwasserlinie eingetragen und senkrecht darauf die Stundenlinien markiert.
Dann werden die Schnittpunkte der einzelnen Teiltiden eingetragen und zuletzt
diese selbst durchgepaust.
4. An den Stundenlinien werden die einzelnen Tidenordinaten addiert
beziehungsweise subtfrahiert, und so die Ordinaten der resultierenden Flutkurve
gefunden. . .
Nach dieser Methode ist die Welle ’des 15, Juli 1904 auf Pelagosa be-
rechnet worden. (Siehe Figur 1, 5. 82.)
Die Teiltiden habe ich im Maßstab 1:4 aufgezeichnet, Die resultierende
Welle wird also dasselbe Verhältnis zeigen.
Die Berechnung von (2) geschieht auf folgende Weise:
Zuerst entnehmen wir dem »Manual of Tides« (oder den Tabellen in der
Abhandlung von Börgen 1884) das Vo+u aller Teiltiden des zu berechnenden
Tages. Dies wird ‘von der zugehörigen K-Konstante abgezogen. So erhalten
wir das X der Teiltiden für diesen Tag. Dividieren wir dann (£— 90°) durch
den zugehörigen Stundenwinkel, so erhalten wir in Zeitmaß den Punkt der
Mittelwasserlinie, wo diese von der betreffenden Tide bei .deren Bewegung von
unten nach oben zum erstenmal an diesem Tage geschnitten wird.
Zum Beispiel Tide M,:
1. Berechnung von Vım:
Vo+u am 1. Januar 1904 Ob p. m,: 49.04° (Tafel 2
Zunahme bis 1. Juli (Schaltjahr): 242.57° ( » %
Zunahme bis 15, Juli: 18.669 ( » /
Korrektion wegen Länge: — 23.279 ( » F
Pelagosa, 15 Juli 1904: V a = 287.000.
2. Berechnung des Schnittpunktes:
Kap, = 440.26° Ey — 90° == 63.26°
— 2 —
Ya 267.00 EN a8.
Sy = 153.260 28.98 FF
W. v. Kesslitz, Das Gezeitenphänomen im Hafen von Pola.