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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Lütgens, R.: Vorläufiger Bericht über maritim-meteorologische Untersuchungen usw. 75 
Apparate am 14, Oktober im Kanal. Die Luft war bei Winden aus südlichen 
und westlichen‘ Richtungen feucht, und häufig stellte sich Smuts ein. Nur der 
15. und der 17. nachmittags hatten sonniges trockenes Wetter, was sich sofort 
an der Verdunstung bemerkbar machte, Am letzteren Tage auf der Höhe von 
Kap Finisterre in 16° West drehte der Wind unter starkem Auffrischen über 
Nord auf Nordost und später Ost, war also im wesentlichen achterlich. Infolge- 
dessen war am Gefäß häufig nur flauer Zug, auch machte sich der Rauch 
unliebsam bemerkbar. Am 25, Oktober, auf 26° S-Br., wo eigentlich sich der 
Passat bald einstellen sollte, ging der Wind unter teilweise völligem Abflauen 
auf Süd und West, und gleichzeitig verdarben heftige Regenböen einige Male die 
Beobachtungen, da Wasser im Gefäß hoch- und dann herausspritzte. Unter 
Einfluß des Windes von vorn war die Luftbewegung am Verdunstungsgefäß 
verhältnismäßig groß. Nordostpassat trat bei St. Thomas, das am 29. erreicht 
wurde, nicht ein, so daß wieder leider Beobachtungen im Nordostpassat nicht 
erzielt wurden. Auf der Fahrt nach San Pedro de Macoris auf Haiti konnte 
noch 24 Stunden beobachtet werden. Es herrschte schönes Passatwetter. 
Ergebnisse. Entsprechend der Reiseroute von Nordosten nach Südwesten 
trat eine ständige — natürlich nicht gleichförmige — Vergrößerung der Ver- 
dunstung ein. Bis 40° N-Br. wurden als Maximalwerte bei leidlichem Wetter 
2.6 und 2.5 mm erreicht, Da an jedem der beiden Tage wenigstens während 
einer größeren Anzahl Stunden Smuttwetter herrschte, so dürften diese Werte, 
die im Herbst — also nicht in den extremen Jahreszeiten — gewonnen sind, 
sich nicht allzuweit von den Mittelwerten für das Gebiet überhaupt entfernen, 
Das Ergebnis aller früheren Beobachtungen nördlich von 40° N-Br. ist 2.6 mm, 
Alle dieses Mal beobachteten Verdunstungsgrößen sind, unter entsprechender 
Berücksichtigung der halbtägigen am 14. Oktober, rund 2 mm, die niedrigste an 
dem äußerst feuchten 16. Oktober 0.9 mm. 
Demgegenüber hatten wir südlich vom 40. Breitengrad nur einmal 2,2 
und einmal 3.4 mm — bezeichnenderweise an den beiden ersten Tagen, Sonst 
sind die Werte über 4 mm, das Mittel bis St. Thomas 5.4 mm, wenn wir nur die 
beobachteten ganztägigen Werte nehmen. Wir müssen diese Werte sämtlich 
zusammenfassen für das Gebiet von 40° bis zum Passat, da Passatverhältnisse 
nicht angetroffen wurden. Unter Einfluß der hohen Luft- und Wassertempera- 
turen sind die Zahlen besonders der letzten Tage sehr hoch. Das Mittel von 
40° bis 30° wäre 4.14, von 30° bis St. Thomas 8.6, das Gesamtmittel von 5.4 mm 
entspricht auffallend gut dem früheren Gesamtmittel: von 5.5 mm für . dieses 
Übergangsgebiet von der Westwindregion bis zum Passat. 
Am 3. und 4, November ergab sich dann im Passat der Wert von 6.5 mm, 
der wiederum auffallend gut dem Mittelwert von 6.8 mm aus 49 früheren Be- 
obachtungen im Nordost- und Südostpassat entspricht. Die frühere Annahme, 
daß die Verdunstungshöhen in bestimmten Klimagebieten sich schon bei ver- 
hältnismäßig wenigen Werten einer bestimmten Größenordnung anpassen, be- 
stätigt sich also, 
Die Betrachtung der die Verdunstung beeinflussenden Faktoren zeigt 
neben dem Einfluß der Luft und Wassertemperatur die große Bedeutung des 
Windes für die Verdunstung. Dafür nur ein Beispiel. Vom 18. bis 21. Oktober 
waren die allgemeinen Wetterverhältnisse, abgesehen von der Temperaturzunahme, 
ähnlich. Nur die mittlere Windstärke wechselte stärker, 
_ Tabelle 2. . CZ 
Tag. 00 18 9 20. 21. 
A | 1 2—3 
Verdunstung. . . | 15 3.4 22 5.2 
Dagegen ist das Verhältnis der Tages- zur Nachtverdunstung etwas anderes 
als früher, wo allerdings nur an einzelnen Tagen zwölfstündige Beobachtungen 
vorgenommen wurden, während es jetzt stets geschah, Alle 15 Tagesbeobachtungen 
ergaben durchschnittlich 3 mm gegen 1.55 der Nachtbeobachtungen. Auf »Pangani«
	        
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