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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Köppen, W.: Zusammenhang der Luftdruckabweichungen über Island, den Azoren und Europa. 71 
Ganz anderes zeigt der Vergleich von Island sowohl mit den Azoren als 
mit Wien. Namentlich bei den Monaten mit ungewöhnlich hohem Barometerstand 
in Island zeigt sich eine sehr ausgesprochene Kompensation mit dem Gürtel 
normal hohen Druckes südlich davon. In den zehn Fällen, wo in Stykkisholm 
das Barometer im Monatsmittel mehr als 11 mm über seinem Normalwert stand, 
war es durchweg sowohl in Wien als in Ponta Delgada durchschnittlich unter 
demselben. Lag die Abweichung in Island zwischen + 5 und +11, so fand sie 
fast stets wenigstens an einem der beiden andern Orte in einer ausgesprochenen 
negativen Abweichung ihr Gegenteil. So hatten im Dezember 1874, Februar 1889 
und März 1869 zwar die Azoren gleichzeitig mit Island recht hohen Luftdruck, 
aber in diesen Fällen fand sich die Kompensation in Wien, das Abweichungen 
von —8 bis —6 mm zeigte, die recht auf der mittleren Diagonale in Fig. 2 
der Tafel liegen. 
Obgleich der Abstand zwischen Wien und Ponta Delgada um etwa 25%, 
größer ist, als der zwischen jedem dieser Orte und Stykkisholm, herrscht zwischen 
ihnen häufiger Übereinstimmung als Gegensatz in der Luftdruckabweichung. 
Namentlich unter den großen Abweichungen an beiden Orten finden sich, außer 
den eben erwähnten, nur wenige Monate mit Gegensatz des Zeichens zwischen 
den Azoren und Wien, viel häufiger solche mit Übereinstimmung. Man sieht 
also, daß keineswegs die einfache Entfernung zwischen den Orten entscheidend 
für das mittlere Maß ihrer Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung ist, 
sondern eine Tendenz zur Kompensation oder zur Übereinstimmung zwischen 
bestimmten Stellen der Erdoberfläche auch unabhängig von ihrer. Entfernung 
besteht. Wien und die Azoren gehören dem nördlichen Gürtel hohen Luftdrucks 
an. Die Figuren 1 bis 3 zeigen deutlich, daß ein Teil der großen langdauernden 
Schwankungen des Luftdrucks in abwechselnden Verstärkungen und Schwächungen 
des Gefälles zwischen diesem Gürtel und dem Gebiet geringsten normalen Luft- 
Arucks besteht, dessen Zentrum bei Island liegt, und daß dagegen innerhalb des 
Ringes hohen Drucks: selbst auf noch größere Entfernungen Übereinstimmung 
in der Druckanomalie häufiger ist als Gegensatz. 
In Fig. 4 sind nicht, wie in Fig. 1 bis 3, die Abweichungen vom Normal- 
wert des Monat, sondern die Monatsmittel des Barometerstands selbst zur Dar- 
stellung gebracht. Sie sind der Abhandlung von Hann: Verteilung des Luft- 
drucks in Mittel- und Südeuropa (Wien 1887), S. 181 und 209 entnommen und 
nicht aufs Meeresniveau reduziert (Wien 199,8 m, Berlin 41,5 m, außerdem 
[nstrumentalkorrektion bei letzterem — 0,42 mm). Jede dieser Methoden hat ihre 
Vorteile; für diejenige der absoluten Werte liegen sie sowohl in der größeren 
Einfachheit, als darin, daß diese auch die Druckdifferenzen genau graphisch dar- 
stellt. . Die schrägen Linien der Fig. 4 geben die Skala der Druckdifferenz; im 
vorliegenden Falle hat diese, da die Werte aus verschiedenen Höhen stammen, 
kein besonderes Interesse; dagegen wäre z. B. beim Vergleich von Island mit 
den Azoren diese Differenz, sofern kein Maximum oder Minimum des Druckes 
zwischen ihnen liegt, als direktes Maß des mittleren Gradienten von bedeutendem 
Interesse. Unsere Figuren geben dieses Maß nach Elimination der mittleren 
Druckdifferenz zwischen beiden Orten; um die absoluten Differenzen zu bekommen, 
muß man für Null die Differenz der Mittel nach unserer Zahlentabelle setzen, 
z. B. im Dezember 15.0, Januar 19.0 usw. Dann erweist sich z. B. die Differenz 
Ponta Delgada—Stykkisholm am Meeresspiegel im Dezember 1881 und 1889 als 
+28 mm, im Januar 1881 als — 141/, mm. 
Um einen zahlenmäßigen Ausdruck für die gegenseitige Abhängigkeit der 
verglichenen Größen zu erhalten, können wir den in neuerer Zeit von englischen 
Statistikern angewandten Korrelations-Koeffizienten (oder, etwas kürzer, Kor- 
relationsfaktor) ermitteln. Dieser kann entweder aus den einzelnen Werten, oder 
aus Gruppenmitteln derselben abgeleitet werden, wenn man annehmen darf, daß 
die Größen in einem annähernd linearen Verhältnis zueinander stehen. Sind 
deren gleichzeitige Abweichungen von den beiden Mittelwerten, sei es für die 
Einzelwerte oder die Gruppenmittel, x und y, und bezeichnet X deren Summe, so 
. . ; xy 
ist der Korrelationsfaktor r = VAT
	        
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