Ann. d. Hydr. usw., XXXXI. Jahrg. (1913), Heft II.
)
Zusammenhang der Luftdruckabweichungen über. Island, den Azoren
und Europa.
Graphisch -statistisch untersucht von W. Köppen.
(Hierzu Tafel 2.)
Da die Masse der Atmosphäre unverändert bleibt!) und ihr Gewicht sich,
je nach ihrer Verteilung, nur ganz unbedeutend ändern kann, so muß einem
außergewöhnlich niedrigen Luftdruck an einer Stelle ein Luftdruck über den
Normalwert an andern Stellen der Erde entsprechen. Die Erfahrung zeigt
jedoch, daß sich Abweichungen des Luftdrucks in gleichem Sinne über große
Räume erstrecken und die geforderte Kompensation meist erst in beträchtlicher
Entfernung stattfindet. Bei nahe voneinander gelegenen Orten weichen also die
gleichzeitigen Barometerstände weit häufiger nach derselben Seite vom Normal-
wert ab, als nach entgegengesetzten. In welchen Entfernungen aber und in
welchen Richtungen sich die Kompensation der Drucke gewöhnlich vollzieht,
kann nur die Erfahrung lehren.
| Nordwesteuropa wird in der Regel von einem vom Ozean kommenden
Luftstrom überweht, dessen Intensität mit derjenigen des Druckgefälles zwischen
dem Hochdruckgebiet über den Azoren und Südeuropa einerseits und dem
niedrigen. Druck bei Island anderseits schwankt; beide werden manchmal für
Wochen durch entgegengesetzt gerichtete Gradienten und Winde abgelöst. Uber
die tiefgehenden Wirkungen dieser Schwankungen vergleiche man das August-
heft 1908 dieser Zeitschrift (S. 333ff.). Im Jahre 1904 hat Hann gezeigt?), daß
in den Wintermonaten eine starke Neigung zu entgegengesetzten Abweichungen
des Luftdrucks vom Normalwert in Island und Europa, sowie in Island und auf
den Azoren besteht. Er hat diesen wichtigen Satz durch eine Reihe verschieden-
artiger Zusammenstellungen bewiesen, deren Übereinstimmung überzeugend wirkt,
ohne daß sich ein Gesamtausdruck für das Maß des besprochenen Zusammen-
hangs und eine leichte Übersichtlichkeit des ganzen Phänomens damals hätte
gewinnen lassen. Beides wollen wir versuchen im folgenden zu erreichen, um
hiermit das Ergebnis weiter zu klären und zu festigen, .
In Fig. 1 auf Tafel 2 sind nach Hanns Zahlentabelle die gleichzeitigen
Abweichungen der Monatsmittel von Stykkisholm (Island) und Ponta Delgada
(Azoren) von ihren Normalwerten in der Weise eingetragen, daß Plus-Abweichungen
bei Stykkisholm nach links von der Null-Vertikalen, solche bei Ponta Delgada
nach oben von der Null-Horizontalen abgesteckt sind, negative Abweichungen
nach der entgegengesetzten Seite. Die beigesetzte Zahl bedeutet den Jahrgang,
die Form des Punktes den Monat. So z.B. war im Februar 1870 der mittlere
Barometerstand in Stykkisholm 6,5 mm über, in Ponta Delgada 8,5 mm unter
dem Normalwert. Die Beobachtungen der Jahre 1865 bis 1900 sind so wieder-
gegeben; vor 1865 fehlten Beobachtungen von den Azoren. Außer den drei
Wintermonaten Dezember bis Februar ist noch, da der Raum es erlaubte, der
März. hinzugezogen, der zu: Ponta Delgada die größte Veränderlichkeit zeigt.
Ebenso ist es in Fig. 2, Tafel 2 geschehen, wo die Abscissen, wie in Fig. 1, die
Barometerabweichung zu Stykkisholm, die Ordinaten aber die von Wien zeigen.
In beiden Figuren findet man also je 144 Monate eingetragen. In Fig. 3.der Tafel
sind sodann, bereits ohne Hinzuziehung der Zahlentabelle, durch reines Abgreifen
mit dem Zirkel, die gleichzeitigen Abweichungen von Ponta Delgada und Wien
zusammengestellt; da hier die Streuung geringer ist, mußte des Raumes wegen
1) Abgesehen vom Wasserdampf und von verschwindend geringen Mengenänderungen anderer
Bestandteile, .
2) Hann: Die Anomalien der Witterung auf Island in dem Zeitraume 1851 bis 1900 und
deren Beziehungen zu den gleichzeitigen Witterungsanomalien in Nordwesteuropa, Sitzungsber. d.
Wiener Akad., Bd. 113, 1904 Jan., S. 183. Auszug in »Meteor. Zeitschr.« 1905, S. 64.
Aun. d, Hydr. usw. 1913, Heft II