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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

640 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1913. 
gemeinen Gesichtspunkten betrachtet; ein Bestreben, das wohl hier und da schon aufgetreten ist, ohne 
sich jedoch weitere Geltung zu verschaffen. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß das Werk dies 
Bestreben nunmehr zum endlichen Durchbruch kommen lassen wird. 
Bjerknes Ideen in sich aufzunehmen und die Untersuchungen auf dem von ihm gewiesenen 
Wege weiter durchzuführen ist um so leichter, als er die Methoden von Grund auf entwickelt, so daß 
man an der Hand des Werkes dem Giedankengang folgen kann, ohne vorher oder zwischendurch mit 
anderen, vielleicht nicht immer leicht zugänglichen Veröffentlichungen sich zu beschäftigen. So be- 
ginnt das Werk in seinem ersten Teile mit der Darlegung der in Betracht kommenden Maßeinheiten, 
und. zwar in einem Meter-Tonnen-Sekundensystem. Hierbei wird die MTS-Einheit des Schwerepotentials 
als »dynamisches Dezimeter« bezeichnet, die zehnfach so große Einheit ist das »dynamische Meter«, 
Als Druckeinheit wird das »Bar« = dem Drucke von 1 dynamischen Dekameter Wasser eingeführt. 
Den Tabellen, soweit sie auf physikalische Größen sich beziehen, und den Formeln ist denn durchweg, 
das dynamische Meter und das Bar oder deren Dezimalteile zugrunde gelegt. Es wird für die all- 
gemeine Einführung des Millibars, an Stelle des derzeitig angewendeten Millimeters und Zolls Queck- 
silber bei den Barometerangaben eingetreten !), In den Betrachtungen über die Schwere und ihr Potential 
wird entsprechend der Definition des »dynamischen Meters« der Begriff dynamische Höhe und Tiefe 
eingeführt. Die Niveauflächen des Schwerepotentials sind also Flächen gleicher dynamischer Höhen 
und Tiefen, Da sowohl die Luft als auch das Wasser an ihren unteren Grenzen sich tangential zu 
dieser Begrenzung bewegen muß, so ist aus den Karten der dynamischen Topographie die Arbeits- 
leistung zu entnehmen, die die bewegte Luft und das Wasser an diesen ihren Begrenzungen zu leisten 
haben. Im übrigen kann man für diese Karten für große Teile der Welt in nicht zu großem Maß- 
stabe und für die Zwecke der Meteorologie und Hydrographie unbedenklich an deren Stelle die ge- 
wöhnlichen Höhen- und Tiefenkarten setzen, wie es in dem Atlas zu dem Werke auch geschehen ist. 
Neben der Ableitung und Aufstellung der Gleichungen für die Gleichgewichtszustände der 
Atmosphäre und danach des Meeres, die zur Berechnung der Tafeln dienen, geht. die Entwicklung der 
graphischen Darstellung des Druckes und der Masse für größere Gebiete und in den verschiedenen 
Höhen und Tiefen einher oder vielmehr die Gleichungen und die Tafelwerte dienen diesem endlichen 
Zwecke. Auch hier kommt die in anderen Zweigen der Physik und Technik als fruchtbar sich er- 
weisende Betrachtung der räumlichen Verteilung der Elemente in ihren »Feldern« in dem vorliegenden 
Stoffe angepaßter Form zur Anwendung. Und zwar werden zwei verschiedene Darstellungen des 
Druck- und Massenfeldes nach den tatsächlichen Beobachtungen behandelt: einmal durch Karten der 
absoluten und relativen Topographie gegebener Isobarenflächen, also durch Karten, die die dynamischen 
Höhen oder Tiefen dieser Isobarenflächen darstellen, und einmal durch Karten des Druckes in ge- 
gebenen Niveaus und des Druckunterschiedes von Niveau zu Niveau. Eingehende Anleitung - zur 
Herstellung dieser Karten wird gegeben und einige Beispiele vorgeführt. 
Wurden in dem ersten Teile die unveränderlichen Zustände der Atmosphäre und Hydrosphäre 
betrachtet, so wendet sich der zweite Teil der Behandlung der zeitlichen Änderungen dieser Zustände 
zu, Zur Beschreibung dieser Zustände sind fünf »Felder« nötig, nämlich die des Druckes der Masse, 
1) Diese Frage ist bereits in meteorologischen Kreisen lebhaftest diskutiert worden. Für die 
Luftdruckangaben in Verbindung mit den Drachen- und Ballonaufstiegen ist das Millibar von der 
internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt in Wien angenommen worden. Gegen 
seine Einführung für die Barometerangaben an der Erdoberfläche, insbesondere bei den Terminbeobach- 
tungen, ist jedoch starker Widerspruch erhoben worden. Daß die jetzigen Barometerteilungen in 
Millimeter und Zoll Quecksilber zufällig eben von der Verwendung des Quecksilbers, als die im Baro- 
meter den Gegendruck gegen die Atmosphäre erzeugende Flüssigkeit abhängig, und daher ganz will- 
kürlich sind, dessen ist man sich natürlich allgemein bewußt. Also wenn neu auftretende Gesichts- 
punkte eine rationeller erscheinende Barometereinteilung wünschenswert machen sollten, läge an sich 
keine Veranlassung vor grundsätzlich Widerspruch dagegen zu erheben. Indessen derartige Änderungen 
sollten nach Ansicht des Referenten nur dann vorgenommen werden, wenn die neue Maßeinheit 
derartig fest begründet ist, daß sie einen dauernden allgemeinen Vorteil sichert, Die Einführung 
des Millibars scheint, soweit ‚es Referent zu verstehen glaubt, lediglich den Wegfall des Schwere- 
koeffizienten in den Formeln als Vorteil zu bieten, also eine Vereinfachung von doch nicht sehr 
großer und allgemeiner Bedeutung. Die Einführung des Millibars findet ihre praktische Bewertung 
hauptsächlich in den hier ausgeführten speziellen Methoden, deren weitere Durchführung, wenn auch 
sehr aussichtsvoll, noch aussteht, Bei ihrer weiteren Durchführung ist aber noch keineswegs abzusehen, 
ob nicht etwa neuc Gesichtspunkte auftreten, die wiederum eine andere Druckeinheit wünschenswert 
machen, denn es muß betont werden, daß das beobachtete Millibar ebensowenig wie das Millimeter 
oder der Zoll Quecksilber überall den gleichen absoluten Wert darstellt, sondern streng genommen 
örtlich verschieden ist. Die Einführung einer neuen Barometereinheit würde aber die gleichmäßig 
Jurehlaufende Benutzung des älteren und neueren Beobachtungsmaterials verhindern; die Verbindung 
lieser beiden Teile des Materials würde bei Benutzung der Einzelbeobachtungen außerordentlich um- 
fangreiche Reduktionen erfordern; zu denen der bei den von Bjerknes ausgearbeiteten Methoden 
durch, Einführung des Millibars in die Beobachtungen gewonnene Vorteil zunächst in keinem Ver- 
hältnis zu stehen scheint. Die also für andere Untersuchungen durch Einführung des Millibars ent- 
stehenden umfangreichen Reduktionsarbeiten, ebenso wie die sehr erheblichen Kosten für Beschaffung 
neuer Barometer für die Beobachtungsstationen machen es doch zweifelhaft, ob, wenigstens zur Zeit, 
die durch Einführung des Millibars immerhin in etwas einseitiger Richtung errungenen Vorteile den 
Aufwand an Mehrarbeit bei anderen Untersuchungen und an Geldmitteln für Neuausrüstung der 
Stationen rechtfertigen. Der Widerspruch gegen diese Einführung erscheint daher wohl begründet. 
Die Anwendung der neuen Methoden wird ja durch Beibehaltung der bisherigen Barometereinheiten 
nicht gehindert. D. Ref.
	        
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