638 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1913.
und Sturmwarnungen über Norddeich und Bülk (Sturmwarnungen allein für die
Ostsee), über die in dieser Zeitschrift 1910, S. 649 berichtet worden ist.
Der neue funkentelegraphische Wetterdienst entspricht einer internationalen
Einigung, und zwar dem Artikel XLV der Ausführungs-Übereinkunft zu dem im
Jahre 1912 in London abgeschlossenen Internationalen Funkentelegraphenvertrage.
6. Die Senkung oder Hebung des Bodens der Niederlande?). Die Unter-
suchungen des Herrn J. C. Ramaer über die Frage der Senkung des Bodens
der Niederlande in bezug auf den mittleren Seespiegel?) haben dem Herrn Prof.
H. G. van de Sande Bakhuizen Veranlassung gegeben, darüber Berechnungen
in einem der Akademie der Wissenschaften überreichten Aufsatz3) anzustellen.
In den Untersuchungen ist von den Jahresmitteln von acht Pegeln in dem
Zeitraum 1872 bis 1906 Gebrauch gemacht und daraus die Tatsache des Be-
stehens einer allmählichen Hebung des Seespiegels in bezug auf den festen Boden
d. i, einer allmählichen Senkung des letzteren abgeleitet, Aus 35 mittleren Wasser-
ständen ist mit Hilfe der kleinsten Quadrate eine jährliche Senkung des Bodens
von 0.18 cm jährlich und als mittlerer Fehler dieses Ergebnisses -+ 0.042 em in
dem Aufsatz berechnet. Die folgende graphische Darstellung der Ergebnisse der
Untersuchung?) gibt ein Bild der Schwankungen des mittleren Seespiegels, woraus
zu ersehen ist, daß die gebrochene Linie in den 35 Jahren im ganzen eine Hebung
zeigt und man mit ziemlicher Genauigkeit durch das Gefälle der schräg ge-
zogenen geraden Linie den Beitrag der Hebung aus diesen Untersuchungen ab-
leiten kann. Anderseits aber ist es zugleich auffallend, wie groß die unregel-
mäßigen Veränderungen der Wasserhöhe sind; so beträgt u. a. der Unterschied
zwischen den Wasserständen in dem Zeitraum 1875 bis 1877 mehr als das
Doppelte der berechneten He-
bung für den ganzen Zeitraum
1872 bis 1906, weshalb dem
erhaltenen Ergebnis ein zu
großer Wert nicht beizu-
messen ist.
Um nun zu zeigen, wie leicht
man zu anderen Folgerungen
gelangen kann, hat Professor
van de Sande Bakhuizen
die Berechnung mit Fort-
lassung der ersten vier und der
ljetzten vier Jahre die Be-
rechnungen wiederholt. Aus
den dann übrigbleibenden
27 Höhen gelangt man dann
zu einer kleinen Senkung des
Seespiegels, somit zu einer
Hebung des Bodens von 0.05cm
jährlich, mit einem mittleren Fehler von + 0.046 cm, woraus unmittelbar folgt,
daß das Ergebnis der Untersuchungen tatsächlich auf den Beobachtungen in den
Jahren 1872 bis 1875 und 1903 bis 1906 beruht, wie auch die graphische Dar-
stellung ergibt.
Aus einer zweiten, ebenfalls durch Ramaer bearbeiteten Reihe von Ab-
lesungen in dem Zeitraum 1862 bis 1877 an 18 Pegeln läßt sich nach Professor
van de Sande Bakhuizen ebensowenig eine Schlußfolgerung auf eine Hebung
oder Senkung des Bodens ziehen. Er berechnet aus den 16 Jahresmitteln dieser
Reihe eine Senkung von 0.30 cm jährlich mit einem mittleren Fehler von
+ 0.213 cm, doch wird dieses Ergebnis 0.00 cm, wenn einzelne sehr abweichende
Werte, nämlich die Jahresmittel von 1864 und 1877 ausgeschaltet werden.
“ Vgl. »Ann. d. Hydr. usw.« 1909, 8. 81.
'ı Verhandelingen v. h. Kon, Instituut v. Ingenieurs 1907,08 8. 1.
‘) Sitzungsbericht der Akademie der Wissenschaften, Abtlg. 18, 1909 S, 391.
“ De Ingenieur 1010 Nr. 40, S. 776 u. Nr. 41, 8. 789.