634 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1913.
und 157° O-Lg. so kräftig ein, daß man sich veranlaßt sah, auf B-B.-Halsen
Segel zu setzen und gut voll nach Südwesten zu steuern. Dabei raumte der
Wind, als man 20° S-Br. nach Süden hin überschritten hatte, so weit auf, daß
man am 2. April dicht an der Luvseite des Saumarez-Riffes entlang laufen und
dann mit raumem Winde nach der Moreton-Bucht steuern konnte.
Am 8. April wurde die Moreton-Bucht bei schönem klarem Wetter und
leichtem südwestlichem Winde wieder verlassen. Nur daß der D. »Sigismund«
des Norddeutschen Lloyd mit etwa 24 Stunden Verspätung einlief, hätte auf
schlechtes Wetter draußen schließen lassen können, sonstige Anzeichen davon
oder Sturmwarnungen von den Sturmwarnungsstellen waren nicht gegeben;
gleichwohl lief man bald in sehr schlechtes Wetter und entschloß sich, als man
etwa 35 Sm südlich vom Kap Moreton war, wieder umzukehren. Vor dem
Sturme lenzend, ging es in die Moreton-Bucht zurück. Von dort ging man, als
das Unwetter ausgetobt hatte, am 12, April wieder in See, fand zwar noch sehr
hohe Dünung draußen, aber bei flauer Brise 2 Kn südlichen Strom. Bei Kap
Sugarloaf kam man bei steifem SSO-Winde noch einmal in besonders hohen,
kreuzweis laufenden Seegang und ankerte am 14. April in der Watson-Bucht,
eben innerhalb der Hafeneinfahrt von Sydney.
Über die Wind- und Stromverhältnisse macht der Bericht die folgenden
Bemerkungen:
»Wind. Die Zeit des Nordwest-Monsuns war im Bismarck-Archipel nur von
kurzer Dauer gewesen, allerdings wehte er im Januar mit großer Heftigkeit.
Die ersten Anzeichen des Südost-Monsuns machten sich bereits Anfang
März bemerkbar, also früher, als nach den bisherigen Erfahrungen zu erwarten
war, Von 15° S-Br. an kam er als Südost-Passat zum Durchbruch. In der
ersten Aprilhälfte waren bis nach etwa 30° S-Br. südliche bis ostsüdöstliche
Winde vorherrschend. Dies frühe Einsetzen des SO-Monsuns im Bismarck-
Archipel muß wohl als anormal bezeichnet werden, ebenso das späte Vorkommen
von Zyklonen an den Küsten von Neu-Süd-Wales und Queensland. In den Tagen
vom 8. bis 12. April zog ein Zyklon entgegen allen Erfahrungen in nördlicher
Richtung an der australischen Küste entlang und bog auf der Höhe von Queens-
land nach Nordost ab.
Strom. Während der Strom an der Südküste Neu-Pommerns in südwest-
licher Richtung setzte, wurde an der Westküste Bougainvilles nordwestlicher
Strom angetroffen. Dies entsprach vollkommen den im Atlas der Deutschen
Seewarte ‚Stiller Ozean‘ angegebenen Stromrichtungen. Wohl als Folge des
nördlich vom AÄAquator wehenden Nordwest-Monsuns setzte der Strom südlich
vom Georgs-Kanal mit großer Stärke (1.3 Kn) nach Süden,
In der nördlichen Korallensee waren die Stromverhältnisse vom Passat
abhängig. An der Küste von Queensland setzte der Strom in südsüdwestlicher
Richtung, von 29° S-Br. an entsprechend dem Verlauf der Küste nach Süden.
In einem Abstande von etwa 10 Sm vom Festlande wurde östlicher und west-
licher Gezeitenstrom angetroffen.«
3. Stromversetzungen und Kimmschwankungen. (Amtlich) Kapt. G. Voß,
D. »Rendsburg«, hat der Deutschen Seewarte Beobachtungen eingesandt, die ihr
Gelegenheit geben, an einem Beispiele aus der Praxis zu zeigen, welche großen Fehler
Kimmabständen anhaften, wenn bei gutem Wetter dem Seemann eine ziemlich scharfe
und gute Kimm vorgetäuscht wird, tatsächlich aber die Kimm durch besondere,
jedoch nicht erkennbare Strahlenbrechung gehoben oder auch gesenkt ist. Schon
früher (vgl. z. B. Dampferhandbuch $. 24) ist öfter darauf hingewiesen worden,
daß solche Hebungen oder Senkungen der Kimm in gewissen Gegenden sehr
häufig und im allgemeinen wahrscheinlich viel häufiger vorkommen, als man
für gewöhnlich glaubt; jetzt möge hier an einigen Beispielen gezeigt werden,
wie durch solche Erscheinungen der Schiffsort aus astronomischen Beobachtungen
und die daraus hergeleiteten Stromberechnungen beeinflußt sein können und tat-
sächlich auch beeinflußt werden, ‚,
Vom I. Offizier des holländischen D. »Djoya« sind der Deutschen See-
warte vor kurzem Strombeobachtungen gesandt worden, wonach man beim An-