Steffens, O,: Die Eisverhältnisse d. Winters 1912/13 in d. außerdeutschen Gewässern.der Ostsee usw. 619
bestehen. In dieser Zeit erhielten denn auch sämtliche Häfen der schwedischen
Küste südwärts bis Holmsund eine geschlossene Eisdecke, und die Segelschiffahrt
begann vielfach auf Schwierigkeiten zu stoßen, Am 18. November brachte wieder eine
im Norden vorüberziehende atlantische Depression mit Südwestwinden Erwärmung
über Null Grad. Auch am 23. setzte nochmals eine Wärmeperiode ein, die bis
zum 29, anhielt und am 28. mit starkem Südwestwind sehr mildes Wetter brachte.
Die Temperaturen hielten sich nun in der Folgezeit ziemlich nahe dem Gefrier-
punkt, bis Mitte Dezember über dem Nordbotten mit nördlichen Winden Tem-
peraturen bis zu 16 Grad unter Null erschienen, Damit erhielten auch die letzten
Häfen des Nordbottens eine so starke Eisdecke, daß sie für die Schiffahrt ge-
schlossen werden mußten (Ratan am 17., Ornsköldsvik am 18. Dezember). Hiermit
war für den Nordbotten allgemein Schluß der Schiffahrt eingetreten; auch die
nun in der Folgezeit noch häufig und zum Teil lang anhaltenden Perioden sehr
milden Tauwetters vermochten hieran nichts mehr zu ändern.
Für die südlicheren Häfen aber wie auch für den westlichen Teil des
Finnischen Meerbusens war das Auftreten dieser Wärme-Perioden hinsichtlich
des Schiffsverkehrs von größter Bedeutung. Zunächst zogen bis zum 7. Januar
in fast unünterbrochener Folge Tiefdruckgebiete im Norden vorüber, die ver-
hinderten, daß die südschwedischen Häfen, sofern sie sich überhaupt mit einer
Eisdecke überzogen, für die Schiffahrt wesentliche Schwierigkeiten boten. Vom
8. bis zum 16. Januar herrschte antieyklonales Wetter mit teilweise strengem
Frost, der westwärts bis zu den holländischen Gewässern vordrang und hier bis
zu 5 Grad Kälte brachte.
Darauf setzte wieder mildes Wetter ein, daß mit kaum mehr als eintägiger
Unterbrechung bis zum 25. Januar anhielt. ‘Bald darauf erschien ein Hochdruck-
gebiet von 780 mm Höhe, das zwar nicht lange über dem nördlichen Europa
verharrte, aber strengen Frost im Gefolge hatte; über Skandinavien traten Tem-
peraturen von — 28 Grad im Norden, bis zu — 16 Grad in Südschweden ein. Auch
als das. Hochdruckgebiet am 30. Januar sich nach Rußland verlagerte, blieb noch
ziemlich strenger Frost bestehen; er verstärkte sich bei südöstlichen Winden
über der südlichen und westlichen Ostsee stellenweise bis zu 19 Grad unter
Null (Ostpreußen) und selbst Helgoland erhielt noch Frost von 6 Grad. Dies
änderte sich jedoch mit einem Schlage, als am letzten Tage des Januar ein um-
fangreiches ozeanisches Tiefdruckgebiet mit lebhaften südwestlichen Winden ost-
wärts vordrang und an diesem Tage den Nordseeküsten Tauwetter brachte. Die
Erwärmung setzte sich schnell nach der Ostsee fort und das cyklonale Wetter
blieb bis zum 138. Februar bestehen, wo sich wieder hoher Luftdruck einstellte
und bis zum 23, anhaltenden, allerdings meist nur mäßigen Frost mit sich brachte.
Bis zum 4. März hielten sich nun die Temperaturen nahe dem Gefrier-
punkt. Am 5, aber setzte eine durchgreifende Erwärmung ein, die der. ganzen
Küste des Kontinents Temperaturen von 8 bis 10 Grad brachte. Hiermit war
der Frost für diesen Winter in den südlichen Teilen der Ostsee verschwunden.
In den nördlichen blieb noch bis Mitte April mäßiger Frost bestehen, Am 20.
trat hier mildes Wetter mit Temperaturen von 3 bis 6 Grad Wärme ein. Damit
war der Winter beendet. Naturgemäß dauerte es noch längere Zeit, im Nord-
botten teilweise bis in die Mitte des Monats Mai hinein, bis die Häfen wieder
so weit aufgetaut waren, daß dort die Schiffahrt eröffnet werden konnte,
H. Die Eisverhältnisse in den dänischen Gewässern.
_ Auch in diesem Jahre haben die Eisverhältnisse in den dänischen Gewässern
seitens des Dänischen Meteorologischen Instituts wieder eine Bearbeitung gefunden,
die unter dem Titel »Isforholdene i de danske Farvande i Vinteren 1912—1913«
erschienen ist und der die folgenden Angaben entnommen sind:
Der letzte Winter war: ungewöhnlich mild; mit Ausnahme von Randers
im Januar zeigten sich die Abweichungen von den Mitteltemperaturen an allen
Beobachtungsstationen positiv.