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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Brennecke, W.: Neuere Beobachtungen aus dem Treibeisgebiet bei der Neufundland-Bank, 613 
keine beträchtlichen Mengen von Sinkstoffen von Norden mit sich führen, während 
zweifellos das Feldeis beträchtliche Mengen von Sand, Kieseln und Erde hier 
beim Schmelzen verliert. 
Aus den Berichten über die einzelnen Reisen, (Siehe Tafel 20.) 
Die Führer der Dampfer »Seneca« und »Miami« geben in ihren Reise- 
berichten noch eine Fülle von Einzelheiten über die Trift und die Veränderung 
der mehrfach wieder gesichteten Berge. So hat der Dampfer »Seneca« zwei Berge, 
Nr. I und Nr, II, sowohl im April wie im Mai wiedergesehen und die Verände- 
rungen, die sie erlitten haben, skizziert. Bei Berg Nr. I bestanden die Verände- 
rungen vom 13. April bis 12. Mai hauptsächlich in der Verringerung seiner Masse 
und in allgemeiner Hebung, auch hatte die Erosion stark gewirkt. Am 16. Mai 
war Berg I gekentert und lag auf der Seite, Berg Nr. II konnte am 13. Mai nur 
mit Mühe identifiziert werden, seine Höhe hatte sich von 70 auf 40 Fuß ver- 
mindert und die See hatte eine große Höhle in den Berg hineingearbeitet. Am 
15. Mai, nachdem die Wassertemperatur schnell auf 10° gestiegen war, kenterte 
Berg Nr. II, und seine alte Wasserlinie lag um 45° geneigt. Der Schmelzverlust 
ist an den am tiefsten liegenden Teilen der Berge am größten. Zum Teil mag 
sich dies daraus ergeben, daß das kältere Labradorstromwasser, wie Kapitän 
Johnston meint, den Golfstrom an den Grenzen überdeckt, anderseits ist zu 
berücksichtigen, daß der Schmelzprozeß auch bei gleichtemperiertem Wasser mit 
dem in der Tiefe herrschenden größeren Druck rasch zunimmt. 
Die Positionen, in denen Berg I und Berg II gesichtet worden sind, und 
die wahrscheinliche Trift der Berge sind gleichfalls nach einer Skizze von 
Kapitän Johnston auf Tafel 20 wiedergegeben worden. Die meteorologischen 
Daten sind leider nicht vollständig mit veröffentlicht, so daß ein Vergleich 
zwischen Wind und Trift nicht möglich ist. Vom 12, bis 13. Mai triftete Berg I: 
516°0 6 Sm, vom 18. bis 14. Mai Berg I: SzW 6 Sm; Berg II: S 32 Sm. Vom 
14. bis 15. Mai Berg I: S14°0 15 Sm, Berg II: S 12 Sm und vom 15, bis 16. Mai 
Berg I: OSO 13 Sm, während Berg II seine Trift zunächst noch weiter südlich 
Fortsetzte. Hier sehen wir also deutlich einen Einfluß der Oberflächenströmungen 
auf die Trift der Berge, indem Berg II einerseits vom 13. bis 14, Mai etwa 5mal 
so schnell triftet wie Berg I und nach dem 15. Mai noch seinen Weg südlich 
nimmt, indessen Berg II mit dem Golfstrom nach Osten triftet. So sind diese 
Berge gleichzeitig für uns Strömungsanzeiger, sofern nicht langanhaltende starke 
Winde den Stromeinfluß überdecken. 
Die Eisverhältnisse des Winters 1912/13 in den außerdeutschen 
Gewässern der Ostsee sowie an der holländischen Küste. 
In dienstlichem Auftrage bearbeitet von Dr. 0, Steffens. 
(Amtlich) 
Das Material für die im folgenden gegebene Übersicht über _ die Eisver- 
hältnisse in den außerdeutschen Gewässern der Ostsee sowie an der holländischen 
Küste während des Winters 1912/13 wurde wie in früheren Jahren wieder in 
dankenswerter Weise von dem schwedischen, finnischen, russischen, dänischen 
und holländischen Institut zur Verfügung gestellt. Zur Ergänzung dieser offi- 
ziellen Beobachtungen wurden Zeitungsmeldungen benutzt, die in mehrfacher 
Hinsicht wertvolle Angaben enthielten, In der Art der Bearbeitung des vorlie- 
genden Materials wurden gegen früher keine wesentlichen Änderungen vorgenom- 
men; auch die tabellarischen Übersichten blieben tunlichst unverändert, da es 
auf diese Weise am leichtesten möglich erscheint, die Eisverhältnisse in den 
verschiedenen Jahren miteinander zu vergleichen.
	        
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