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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Brennecke; W.: Neuere Beobachtungen aus dem Treibeisgebiet. bei der Neufundland-Bank. 611 
B. Sichtbarkeit des Eises und Mittel zur Wahrnehmung. . 
Die größte Entfernung, in der Eis wahrgenommen wurde, betrug 18 Sm 
bei klarem Wetter mit Neigung zu Luftspiegelung — die durchschnittliche Ent- 
fernung bei klarem Wetter 12 bis 15 Sm —- bei wolkigem, gut sichtigem Wetter 
2 Sm weniger, Bei klarem Wetter mit diesigem Horizont wurde ein Berg in 
11 Sm Entfernung gesichtet, bei leichtem Nebel in 2 Sm Entfernung, bei dichtem 
Nebel in 200 Yards Entfernung, bei Sprühregen in 21/, Sm Entfernung. Ferner: 
in gutem Mondlicht mit bloßem Auge 2'/, Sm, bei durchbrochenen Wolken 2 Sm, 
bei Sternenlicht 1 Sm mit bloßem Auge, 2 Sm mit Glas, bei bedecktem, dunklem 
Himmel mit sichtbarem Horizont !/, Sm mit Glas. Mit dem Scheinwerfer konnte 
ein Berg bei Mondlicht in 3 Sm, nach Monduntergang in 2 Sm Entfernung ge- 
sichtet werden. Beim Gebrauch der Scheinwerfer konnte ein hinter oder ‘unter 
dem Scheinwerfer stehender Beobachter praktisch so gut wie nichts sehen, da- 
gegen leicht, wenn er 5 m seitwärts stand, Zu erwähnen ist ferner, daß der 
Scheinwerfer kein flackerndes Licht aussenden darf, da der ‚Beobachter sonst 
geblendet wird — deswegen ist für ein Schiff in Fahrt der Scheinwerfer im 
allgemeinen nicht zu empfehlen. Bei unsichtigem Wetter sollte ein Schiff in 
der Nähe von Bergen so langsam dampfen, daß es innerhalb der Grenzen der 
Sichtweite manövrieren kann. ; I 
Die Hörbarkeit eines Echos hängt‘von der Steilheit der Seitenwände. des 
Berges. ab, bei geneigten Hängen wird kein Echo gehört, Weiter entfernt wie 
1, Sm wurde auf D. »Seneca« kein Echo gehört — in etwa 90%, wurde über- 
haupt kein Echo vernommen, so daß die Abwesenheit eines Echos über das Vor- 
handensein von Bergen nichts aussagt, 
Plötzliche Anderungen der Temperatur sind auch nicht von irgendwelcher 
Bedeutung, dort, wo keine Temperaturänderungen vorhanden waren, wurden 
auch keine bis auf Schiffsnähe der Berge beobachtet. Die niedrigste Temperatur 
—0.5°C. wurde am Ende der Bank (tail of the Bank) in 100 Sm Entfernung 
vom nächsten Eis beobachtet, ; 
Im leichten, niedrigen Nebel kann ein Beobachter einen Berg eher von 
oben, als von Deck aus sehen, aber in dichtem Nebel wurde festgestellt, daß 
der Ausguck am besten auf dem Spardeck gehalten wurde, da die Sichtung des 
Berges durch Wahrnehmung der Brandung an der Basis des Berges erfolgt. . Bei 
großen Schiffen kann der hoch postierte Ausguck sogar vollständig über einen 
Berg hinwegsehen und ihn so übersehen. 
Das Antreffen von Eisstücken kündigt die Nähe eines Berges luvwärts 
an. Brecher an den Eisbergen und das Geräusch von abbrechendem Eis kann 
an ruhigen Tagen 1 Sm weit gehört werden, 
C. Verhalten des Eises, seine Trilt usw. 
Nach den Beobachtungen des D. »Seneca« triften die Berge mit den Ober- 
flächenströmungen; beim Zusammentreffen zweier Strömungen folgen sie der vor- 
herrschenden Strömung. . 
Die Abschmelzung der Berge erfolgt langsam in Wasser von 0 bis 1°, in 
Wasser über 2° ist die Schmelz- und Erosionswirkung schon gut merkbar und 
kann bei einer Temperatur von 10°. von Stunde zu Stunde festgestellt werden, 
Zwei Berge, die längere Zeit verfolgt werden konnten, kenterten beide an dem 
Tage, an dem sie den Golfstrom erreichten, so daß man hieraus auf eine be- 
deutende Zunahme des Schmelzprozesses unter der Wasseroberfläche schließen 
kann. Der tägliche Verlust in Wasser von 10° Temperatur wurde auf 5 °%, ge- 
schätzt. Der Schmelzprozeß über Wasser ist langsamer, bei einer Temperatur 
von 9° konnte ein kleiner Wasserfall auf einem Berge beobachtet werden. Je 
größer ein Berg ist, um so langsamer scheint er zu schmelzen; die Lebensdauer 
der größten Berge im Golfstrom wird auf zwei‘ Monate geschätzt... - 
Die Südwärtsbewegung der Berge längs der Ostküste der Bank scheint 
wesentlich durch die Witterungsverhältnisse bedingt zu sein. Während z. B. die 
Berge längere Zeit ziemlich stationär zwischen der Vlämischen Kappe und der 
Bank geblieben waren, zogen sie nach einem Nordsturme nach Süden. Die 
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