Schneider, J.:. Die jährliche und die monatlichen Änderungen der Luftdruckverteilung usw, 607
rung durch unseren Trabanten liegt demnach weniger im Binnenland als vielmehr
auf dem offenen Ozean, wo das Spiel der Winde sich am freiesten entfalten kann.
Nur da, wo durch eingeschlossene Meeresteile und Flachküsten die Beweglichkeit
der Atmosphäre gewährleistet wird, greift er auch in entscheidender Weise auf das
Festland über. Die neuere Meteorologie tut hiernach wohl daran, wenn sie den
Witterungsvorgängen über dem Atlantischen Ozean ihre besondere Aufmerksamkeit
widmet; sie handelt jedoch unklug, wenn sie dabei von der Untersuchung des
Mondeinflusses auf die Erdatmosphäre gänzlich absieht.
Neuere Beobachtungen aus dem Treibeisgebiet bei der Neufundland-Bank.
Von Dr. W, Brenecke, *
(Hierzu Tafel 20.)
Die vom Hydrographie Office in Washington herausgegebenen »Pilot Charts
of the North Atlantic Ocean« der Monate September und Oktober 1913 enthalten auf
der Rückseite umfangreiche Berichte über den Eispatrouillen-Dienst bei Neufund-
land, über Beobachtungen der Meerestemperatur in der Nachbarschaft der Eis-
berge, über die Sichtweite der Eisberge, ihre Trift u. a. m., die wertvolle Beiträge
zur Kenntnis des Treibeisgebiets liefern. Da die hier ausgeführten Beobach-
tungen über die Meerestemperatur in der Nachbarschaft von Eisbergen wesentlich
andere Ergebnisse zeitigen, wie die letzthin von O. Baschin!) erörterten Beob-
achtungen von Professor Barnes, und auch manche, die Schiffahrt angehende
Beobachtungen von Interesse sind, so sollen die Hauptergebnisse hier wieder-
gegeben. werden,
I. (September-Karte.)
Nach dem »Titanic«-Unglück 1912 wurden vom Navy Department die
beiden Kreuzer »Birmingham« und »Chester« zum Eismeldedienst in der Nähe
der transatlantischen Routen ausgesandt. Die Schiffe waren vom 19. V. 1912
bis zum 6. VII. 1912 im Meldedienst beschäftigt; an Bord befand sich eine
Kommission des »Bureau of Standards« in Washington, bestehend aus den Herren
C. W. Waidner, H.C,. Diekinson und J.J. Crowe, Die Kommission hatte die
Aufgabe, festzustellen, ob eine Möglichkeit bestehe, die Nähe von Eisbergen
durch Temperaturbeobachtungen zu entdecken. Da die üblichen Methoden, in
größeren Zwischenräumen die Meerestemperatur zu messen, zu keinen Ergeb-
nissen führen, so wurden elektrische Widerstandsthermometer mit kontinuier-
lichen Aufzeichnungen benutzt. Die Thermometer waren 6 Fuß unter der Wasser-
linie vorn an Steuerbordseite befestigt, sie sind mehrfach geprüft worden, und
es zeigte sich, daß sie zuverlässige Resultate lieferten. Es sei hier besonders
darauf aufmerksam gemacht, daß die Thermometer nicht die Oberflächentemperatur
des Meeres anzeigen, sondern die Temperatur der Tiefe von 2 m angeben, ebenso
wie auch die Thermometer von Barnes die Temperatur in. 5 bzw. 18 Fuß Tiefe
anzeigten. Bei bewegter See wird die Temperatur in geringer Tiefe nicht
wesentlich verschieden von der wahren Oberflächentemperatur des Meeres sein,
bei glatter See können aber erhebliche Differenzen auftreten, und die Beobachtung
einer dünnen Schmelzwasserschicht in der Nähe der Eisberge kann nur durch
wirkliche Oberflächenmessungen bei glatter See stattfinden. Für den eigentlichen
Zweck der Beobachtungsfahrt, Hilfsmittel für die Praxis zu schaffen, war aber
diese Anordnung der Thermometer das‘ Gegebene,
Von den zahlreichen Temperaturaufzeichnungen sind hier zwei Beispiele
wiedergegeben. Fig, 1 zeigt die Aufzeichnungen vom 17. VI. 1912 an Bord
des U, 5. S. »Chester«, Um 9%/,h V wurden in 10 Sm Abstand mehrere kleine
Berge am Horizont gesichtet, während gleichzeitig die Wassertemperatur abnahm
und bei Annäherung an den »Growler« noch weiter sank bis auf 5.7°C in etwa
) Siehe »Ann, d. Hydr. usw.« 1913, 8. 414.