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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Defant, A,: Rı. v. Sterneck, Zur Theorie der Gezeiten des Mittelmeeres, 567 
schwingung von genau- 12,3 Stunden besitzen. Die Folgen dieser Tatsache haben 
wir bereits früher besprochen. 
Wir kommen nun endlich zur Wasserbilanz des östlichen Mittel- 
meerbeckens. Dafür liegen zwar nur sehr spärliche Beobachtungen vor, Mit 
Ausschluß des Agäischen Meeres und unter der Annahme, daß die Knotenlinie 
ungefähr in der Mitte des Beckens verläuft, ergibt sich, daß das östliche Mittel- 
meerbecken zur Zeit der Syzygien, um 4% M. E. Z.,, wenn im Westen desselben 
Hochwasser ist, um etwa 24 km? mehr Wasser enthält, als zwischen 9% und 10%, 
wenn im Osten Hochwasser ist. Dieser Wert fügt sich ganz gut. in die Wasser- 
bilanz zwischen beiden Mittelmeerbecken und dem Adriatischen Meere ein, 
Man gelangt schließlich zu (folgender Bilanz: »Der gesamte Wasser- 
austausch zwischen den einzelnen Teilen des Mittelmeeres und den Atlantischen 
Ozean dürfte zur Zeit der Syzygien in den Hauptzügen folgender sein: Von 3% 
bis 9b M, E. Z, strömen bei Gibraltar 70 km*% in das westliche Mittelmeerbecken 
ein, gleichzeitig aber durch die Straße zwischen Sizilien und Tunis 34.5 km* und 
durch die Straße von Messina 8 km% aus dem östlichen Becken ebenfalls in das 
westliche, so daß zur genannten Zeit eine Wasseransammlung von 112.5 km* im 
westlichen Becken stattfindet, Während das östliche Becken die eben genannten 
42.5 km? an das westliche abgibt, bezieht es seinerseits 16.5 km? durch die Straße 
von ÖOtranto aus dem Adriatischen Meer. Es muß also in der genannten Zeit 
ein Wasserverlust von 26 km? im östlichen Mittelmeerbecken eintreten. Von 9% 
bis 3h finden dann genau die umgekehrten Veränderungen in den Wasser- 
quantitäten der einzelnen Gebiete statt,« 
So geben uns die Berechnungen v.Sternecks. Aufschluß über die Wasser- 
bilanz in den einzelnen Teilen des Mittelmeeres und zeigen von welch großer 
Wichtigkeit die Feststellung der Strömungen und Strömungsgeschwindigkeiten an 
Einbruchstellen ist, 
In beigegebener Übersicht sind die wichtigsten Erscheinungen für die 
einzelnen Teile des Mittelmeeres nebeneinander gestellt; diese Übersicht enthält 
die grundlegenden. Punkte für die Theorie der Gezeiten des Mittelmeeres, die 
nach v. Sterneck für jedes Becken im Wesen aus einer einfachen Schaukel- 
bewegung um eine Knotenlinie, verursacht durch die Gezeitenkräfte und aus 
einer Parallelbewegung der ganzen Wassermasse, verursacht durch Zu- und Abfluß 
von bestimmten Wassermengen aus den benachbarten Meeresteilen durch die 
Einbruchstellen bestehen, 
Übersicht über die Gezeiten des Mittelmeeres nach v. Sternecks Theorie. 
Hafenzeit am west- 
lichen Ende 
Hafenzeit am Öst- 
lichen FKnde 
Mittlere Hubhöhe 
an den Enden 
Theoretische Hub- 
höhen nach der 
Gleichgewichts- 
theorie 
Westliches Mittel- [östliches Mittelmeer! Adriatisches Meer 
3,5 (2.8) 3.9 (4.4) 10.4 (10.4) 
38 (383,8) 
9.3 (8.6) 
24 cm 
235 cm 
45 em 
13.0 cm . 
14.0 cm a 
51 em 
Schwarzes Meer 
20 (3.3) 
7 em 
10.4 em 
sternförmige Anord- 
nung der Isorachien, 
in roher Annäherung 
eine »uneigentliche« 
Knotenlinie von An- 
cona zur dalmati- 
„nischen Küste 
1) In Klammern steht die Ortszeit in bezug auf einen ungefähr durch die Mitte des Beckens 
verlaufenden Meridian.
	        
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