Defant, A.: R. v. Sterneck, Zur Theorie der. Gezeiten des Mittelmeeres, 563
Mond zur Zeit der Syzygien eben kulminieren, absteht, in erster Annäherung
r = R+Hh cos* w (R = Erdradius und h die Höhe der vereinigten Sonne- und
Mondflut = 78 cm). Man findet daraus, daß die Neigung der Niveaufläche in
dem einen oder anderen Sinne am größten ist, wenn w = -+ 45° und + 185° ist.
Liegt also ein See, dessen Länge gegenüber einem Viertel des Erd-
umfanges noch als klein zu betrachten ist, am Aquator, so wird seine Oberfläche,
wenn diese stets mit einer Niveaufläche zusammenfallen soll, dann am stärksten
geneigt sein, wenn der Mond (bzw. die Sonne) um 45° (d.h. um den Stunden-
winkel von drei Stunden) außerhalb des Meridians steht, Um 8% bzw, 9% Orts-
zeit werden also die Extreme im Wasserstand eintreten, und zwar hat um 9% das
Ostende den höheren und das Westende den tieferen, um 3h dagegen das West-
ende den höheren und das Ostende den tieferen Wasserstand. Die erzwungene
Schwingung des Sees hat eine Dauer von 12.3 Stunden; die Hafenzeit am Tage
der Syzygien wird im Westen 3b, im Osten 9h sein. Die nord-südliche Knoten-
linie liegt ungefähr in der Mitte des Sees. Die Hubhöhe an den Enden des
Sees sind gegeben durch
] (42) ‚„arc 4 — harc 4A,
d/ 4 = 445, 4135
(44 die Längsausdehnung des Sees.)
Liegt der See nicht am Äquator, sondern in der. Breite @, so sind die
Rechnungen analog. Die Hubhöhen an beiden Enden des Sees sind sodann
h’arc A) = h cos? g arc A4 = 78 cm cos* g# arc 4A.
Das Mittelländische Meer ist orographisch in vier Meeresbecken geteilt,
Die Hafenzeiten für das Ost- und Westende der einzelnen Teile des Mittelmeeres
ermittelte v. Sterneck aus den vorliegenden Beobachtungsdaten über die Hafen-
zeiten der einzelnen Orte, die für das westliche Becken und für das Adriatische
Meer in genügender Zahl vorliegen, während sie nur sehr spärlich sind für das
östliche Becken und für das Schwarze Meer.
In beigegebener Übersicht sind die Hafenzeiten in mitteleuropäischer Zeit
bzw. in Klammern in einer mittleren Ortszeit des betreffenden Beckens gegeben.
Im westlichen und östlichen Becken und im Schwarzen Meere finden wir
in befriedigender Übereinstimmung mit der Gleichgewichtstheorie, im Westen
Hafenzeiten gegen 3 Uhr, im Osten dagegen 9 Uhr. Im ersteren Becken zeigt
sich eine kleine Verfrühung gegen diese Zeiten, während doch infolge der
Trägheit des Wassers eher eine kleine Verspätung gegenüber den theoretischen
Werten, wie es die anderen Meeresteile aufweisen, zu erwarten wäre. Später
wird dafür eine besondere Erklärung gegeben.
Beim Adriatischen Meere beobachten wir im Gegensatze zu den früheren
Becken eine direkte Umkehrung der Hafenzeiten, indem der ‚Osten (Südosten)
3.8h, der Westen (Nordwesten) 10.4k als Hafenzeit besitzt.
Auch die Größe der Amplitude der Gezeitenschwingung stimmt im west-
lichen und östlichen Becken sowie im Schwarzen Meere der Größenordnung nach
mit den aus der Gleichgewichtstheorie berechneten überein; wieder zeigt aber
das Adriatische Meer eine gegenüber der theoretischen Schwingungswerte be-
deutende Amplitude, die im Durchschnitt mehr als das Neunfache der ersteren
erreicht;
Die Schwingungen im westlichen Becken erfolgen um die stark exzentrisch
gelegene Knotenlinie Cap de la Näo==algerische Küste; im östlichen Becken fehlt
noch eine genügende Anzahl von Beobachtungen zur Fixierung der Knotenlinie
der Ost —Westschwingung.
Das Adriatische Meer sowie das Sizilische Meer, als Zwischenglied zwischen
dem westlichen: und östlichen Becken, zeigen eine sternförmige. Anordnung der
Isorachien, die sich aber. um eine bestimmte Linie stark zusammendrängen; für
das Adriatische Meer hat v. Sterneck diese Linie als »uneigentliche Knotenlinie«
einer sonst einfachen Schaukelbewegung (!) angenommen, Die beigegebene Figur