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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Wegemann: Die Gezeiten des Mittelmeeres. 
Lage .der spanisch-algerischen Knotenlinie. Er sagt: »Zu den eigentlichen Ge- 
zeitenschwingungen kommt eine Parallelhebung bzw. Senkung des Wasserspiegels 
um 13.3 em hinzu. Der Effekt der Zusammensetzung dieser beiden Bewegungen 
ist leicht vorzustellen. Denken wir uns die erzwungene Gezeitenschwingung um 
eine ungefähr in der Mitte des westlichen Beckens, also etwa längs des Meridians 
5° östlich von Greenwich verlaufenden Knotenlinie stattfindend, so haben östlich 
dieser Knotenlinie die beiden. Bewegungen jeweils die gleiche, westlich derselben 
aber die entgegengesetzte Phase, Östlich der Mitte des Beckens wird somit die 
resultierende Amplitude gleich der‘ Summe, westlich gleich der Differenz der 
Amplituden der beiden sich zusammensetzenden Bewegungen sein. Dies muß zur 
Folge haben, daß eine neue Knotenlinie entsteht, die bedeutend nach Westen 
verschoben ist, Denn diejenigen Stellen westlich der Mitte des Beckens, die, 
wenn nur die eigentliche Gezeitenschwingung vorhanden wäre, ungefähr 3% 
Hafenzeit hätten, werden, wenn die Amplitude dieser Schwingung 13.3 cm nicht 
überschreitet, infolge der hinzutretenden Parallelhebung und Senkung des 
Wasserspiegels die Hafenzeit 9% erhalten, während ihre Amplitude die Differenz 
zwischen 13.3 cm und der Amplitude der eigentlichen Gezeitenschwingung be- 
tragen wird, Das Gebiet der Hafenzeit 9» wird also so weit nach Westen 
reichen, bis die Amplitude der eigentlichen Gezeitenschwingung selbst bereits 
13.3 cm erreicht, was somit in der Gegend der spanisch-algerischen Knotenlinie 
der Fall sein dürfte, Erst bei.noch weiterem Fortschreiten nach Westen, wo 
dann die Amplitude der eigentlichen Ost—West-Schwingung größer als 13.3 cm 
ist, finden wir auch nach der Zusammensetzung mit der Parallelbewegung die 
Hafenzeit 3h vor, die der eigentlichen Gezeitenschwingung in der ganzen west- 
lichen Hälfte des Beckens entspricht.« 
Es folgt dann eine ins Einzelne gehende Untersuchung dieser doppelten 
Bewegung, die v. Sterneck zur Erklärung von anderen Unregelmäßigkeiten im 
Westbecken heranzieht, Zunächst ist aber übersehen, daß die 112'/% cbkm nicht 
gleichzeitig ein- oder ausströmen, sondern höchstens 70 bzw. 421/, cbkm, da die 
beiden Enden entgegengesetzte Phasen der Bewegung haben, zudem infolge der 
Amphidromie in der Tunis-Straße dort keine gleichzeitige Einströmung auf beiden 
Seiten stattfinden kann. Ferner müßte dann doch auch an dem Knoten eine Er- 
hebung von 13.3 cm beobachtet werden, wenn alle 112!/, cbkm eingeströmt wären, 
was aber nicht der Fall ist, vor allem ist aber nicht recht klar, warum eine all- 
gemeine Erhöhung des Meeresspiegels eine Verlegung der Knotenlinie gerade 
nach der Seite der stärkeren Einströmung hervorrufen soll, während in der 
Adria das Gegenteil eintritt und noch dazu am abgeschlossenen Ende die höchste 
Erhebung beobachtet wird. Ähnlich liegen die Verhältnisse im Ostbecken, wo 
die Westseite, die allein durch Zuströmen einen Wasserüberschuß gegen die Ost- 
seite erhalten könnte, durchweg geringere Amplituden zeigt, wie der Osten 
(Syrische Küsten 45 bis 60 em). Der Verfasser dieses kann auch den vor- 
liegenden Versuch zur Erklärung der Mittelmeergezeiten nicht als befriedigend 
ansehen. 
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Das Material. 
Bei den vorliegenden Betrachtungen ist angenommen, daß das Material 
einwandfrei ist. Es ist aber zu bedenken, daß dasselbe nicht von dem störenden 
Einfluß von Wind und Luftdruck hat befreit werden können, daß es von ver- 
schiedenen Beobachtern herrührt und bearbeitet ist und zu sehr weit auseinander- 
liegenden Zeitpunkten gewonnen wurde, vor allem aber, daß in Gebieten mit 
starken Ungleichheiten die »mittlere Hafenzeit« keine konstante Größe ist. In 
einem kleinen Meeresgebiet mit schwachen Tiden unterliegen, wie die Ostsee‘) 
lehrt, die Gezeitenelemente im Laufe der Jahre nicht unerheblichen Schwankungen. 
Daher führt auch die Angabe der Flutstunde auf Minuten oder Zehntelstunden 
und der Hubhöhen auf Zentimeter oder gar halbe Zentimeter leicht zur Selbst- 
:) Witting, R,: Tidvattnen. i Östersjön och Finska Viken. Helsingfors 1911, - 
Meier, K.: Die Schwankungen des Wasserspiegels der Kieler Förde. Wissenschaftl, Meeres- 
aıntersuch 19123. Rd. 15.
	        
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