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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1913.
Ebbstrom oder Ebbestrom ist derjenige Strom, der während der Ebbe
zu laufen beginnt und meist auch nach Eintritt von Niedrigwasser, also zu
Beginn der Flut noch andauert, .
Stromwechsel oder Kentern heißt der Übergang vom Flutstrom zum
Ebbstrom und umgekehrt.
Der Teil der Tide, in dem kein Strom läuft, heißt Stauwasser oder
auch Stillwasser.
Springzeit ist der Zeitpunkt der stärksten Einwirkung von Mond und
Sonne auf die Tidenerscheinungen. Im allgemeinen gibt es während eines Mond-
umlaufes zweimal Springzeit, und zwar in der Nähe von Voll- und Neumond.
Nippzeit ist der Zeitpunkt der geringsten Einwirkung von Mond und
Sonne auf die Tidenerscheinungen, Im allgemeinen gibt es während eines Mond-
umlaufes zweimal Nippzeit, und zwar in der Nähe des ersten und letzten Viertels.
Infolge des Einflusses von Wind und Wetter auf die Tidenerscheinungen
fallen die höchsten und niedrigsten Wasserstände sowie die größten Tidenhübe
nicht immer mit Springzeit zusammen. Ebenso fallen die niedrigsten Hochwasser-
höhen und die höchsten Niedrigwasserstände sowie die kleinsten Tidenhübe nicht
immer auf Nippzeit.
Springverspätung ist der Zeitunterschied zwischen dem Zeitpunkte des
Voll- und Neumondes und Springzeit. Die Springverspätung läßt sich aus den
Ergebnissen der harmonischen Analyse berechnen (»Ann, d. Hydr. usw.« 1884).
Fehlen solche Ergebnisse, so setzt man die Springverspätung gleich Null oder
nimmt einen Wert an, der denen benachbarter Orte entspricht. In der Deutschen
Bucht der Nordsee beträgt die Springverspätung etwa 2!/, bis 3 Tage. Sie kann
auch negativ sein, nämlich wenn die größte Wirkung von Mond und Sonne vor
Voll- und Neumond eintritt; es findet dann eine Springverfrühung statt. Beispiels-
weise ist dies in Apia (Samoa) der Fall.
Springtide ist die Tide, die das der Springzeit am nächsten liegende
Hochwasser bringt.
Springhochwasser ist das Hochwasser dieser Tide.
Springniedrigwasser ist das der Springzeit am nächsten liegende
Niedrigwasser. Nimmt man das Mittel der beiden die Springzeit einschließenden
Hoch- oder Niedrigwasser, so erhält man Springhochwasser- oder Springniedrig-
wasserwerte, die von der täglichen Ungleichheit befreit sind.
Springtidenhub ist der Tidenhub der Springtide,
Nipptide, Nipphochwasser, Nippniedrigwasser, Nipptidenhub be-
deuten dasselbe für Nippzeit, wie die entsprechenden Ausdrücke für Springzeit.
Mittleres Springniedrig wasser ist das Mittel aus vielen Springniedrig-
wassern.
Mittlerer Springtidenhub ist das Mittel aus vielen Springtidenhüben,
Entsprechende Bedeutung haben mittleres Springhochwasser, mittleres
Nipphochwasser und die übrigen mit Spring- oder Nipp- zusammengesetzten
Ausdrücke,
Teilweise ist es unter der Küsten- und Seemannsbevölkerung Gebrauch,
unter Springzeit nicht den oben erklärten bestimmten Zeitpunkt zu verstehen,
sondern einen Zeitraum von mehreren Tagen um Voll- und Neumond herum,
ebenso unter Nippzeit einen Zeitraum von mehreren Tagen um erstes. und
letztes Viertel herum. Dementsprechend wird unter Springtide, Nipptide,
Springhochwasser usw. nicht eine einzelne Tide, Hochwasser usw. verstanden,
sondern die Tiden, Hochwasser usw. innerhalb des genannten längeren Zeitraumes,
Mittlerer Wasserstand einer Tide oder Mittelwasser ist das Mittel
aus möglichst vielen, gleichmäßig über den Verlauf der Tide verteilten Wasser-
ständen.
Mittel aus Hoch- und Niedrigwasser ist von Mittelwasser streng zu
unterscheiden und stets als solches ausdrücklich zu bezeichnen.
Mond{flutintervall ist der Zeitunterschied zwischen dem Durchgang des
Mondes durch den Ortsmeridian und der nächstliegenden Hochwasserzeit.