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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXI. Jahrg. (1913), Heft XI. 
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Zusammenstellung 
der in der Kaiserlichen Marine anzuwendenden Bezeichnungen 
und Erklärungen betreffend die Tiden-Erscheinungen. 
(Amtlich) 
Die Tiden-Erscheinung besteht aus dem mit der Stellung von Mond 
und Sonne zur Erde im Zusammenhang stehenden periodischen Steigen und 
Fallen des Wasserspiegels des Meeres und dem periodischen Hin- und Herströmen 
des Wassers in wagerechter Richtung. 
Gezeiten, einzeln Fut und Ebbe, heißen die senkrechten Bewegungen 
des Wasserspiegels, 
Tideströme, Tideströmungen, einzeln Flutstrom und Ebbstrom, 
heißen die wagerechten Bewegungen der Wassermassen. 
Beide Erscheinungen werden durch eine wellenförmige Bewegung des 
Wassers hervorgerufen, die in der Regel so verläuft,‘ daß zwischen zwei oberen 
Durchgängen des Mondes’ durch den Ortsmeridian zwei Wellen liegen. ; 
Tidenwelle, auch Tide, ist eine einzelne solche Welle. 
Sonnentide, Mondtide und ähnliches, bedeuten Teilwellen (Partialwellen), 
deren Gesamtheit die Tide bildet. 
Eine Tide wird im allgemeinen graphisch dargestellt als eine Wasser- 
standskurve, . die von einem . kleinsten Wert des Wasserstandes beginnend über 
einen Höchstwert wieder zu einem kleinsten Wert verläuft. 
Hochwasser (HW) ist der höchste Wasserstand einer Tidenwelle beim 
Übergang vom Steigen zum Fallen, . 
Niedrigwasser (NW) ist der niedrigste Wasserstand zwischen zwei Tiden 
beim Übergang vom Fallen zum Steigen. 
Hochwasserhöhe, Hochwasserstand, ist der Stand des Wasserspiegels 
über einem gegebenen Nullpunkt (z. B. Kartennull) bei Hochwasser, - 
Niedrigwasserhöhe, Niedrigwasserstand, ist der Stand des Wasser- 
spiegels über einem gegebenen Nullpunkt (z. B. Kartennull) bei Niedrigwasser. 
Hochwasserzeit ist der Zeitpunkt, an dem Hochwasser stattfindet, 
Niedrigwasserzeit ist der Zeitpunkt, an dem Niedrigwasser stattfindet, 
Flut ist das Steigen des Wasserspiegels vom Niedrigwasser zum Hochwasser, 
Ebbe ist das Fallen des Wasserspiegels vom Hochwasser zum Niedrig- 
wasser. 
Dauer des Steigens, Flutdauer, ist der Zeitraum vom Niedrigwasser 
bis zum folgenden Hochwasser, 
. Dauer des Fallens, Ebbedauer, ist der Zeitraum vom Hochwasser bis 
zum folgenden Niedrigwasser. . 
Tidenstieg ist der Höhenbetrag des Steigens des Wasserspiegels während 
der Flut, oder der Höhenunterschied zwischen einem Niedrigwasserstand und der 
Höhe des darauf folgenden Hochwassers, 
. Tidenfall ist der Höhenbetrag des Fallens des Wasserspiegels während 
der Ebbe, oder der Höhenunterschied zwischen einer Hochwasserhöhe und dem 
Stand des darauf folgenden Niedrigwassers. . . 
Tidenhub (Mehrzahl: Tidenhübe) ist das arithmetische Mittel aus Tiden- 
stieg und Tidenfall einer Tide, ; 
Mittlere Hochwasserhöhe ist das Mittel aus vielen aufeinanderfolgenden 
Hochwasserhöhen, ebenso in sinngemäßer Abänderung: mittlere Niedrig- 
wasserhöhe, mittlere Dauer des Steigens, mittlere Ebbedauer, mittlerer 
Tidenhub usw. 
Flutstrom ist derjenige Strom, der während der Flut zu laufen beginnt 
und meist auch nach Eintritt von Hochwasser, also zu Beginn der Ebbe noch 
andauert. 
Ann. d. Hyrdr. usw. 1912. Heft XT
	        
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