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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1913.
D. »Scharnhorst« peilte die Flower-Insel um 8 54" N rw. 186°, 4 Sm
entfernt. Die Ninepin-Klippe war vor dem hohen Hinterland der Bate-Gruppe
nicht auszumachen, wir entdeckten sie erst, als sie 2 Strich achterlicher als
dwars und frei vom hohen Lande kam. Die Nacht war dunkel, aber sichtig.
Die bezeichneten Versetzungen wurden bei Neumond beobachtet.
3, Ein neuer Ozeanhafen an der Ostküste von Sumatra. Während das
Bergland von Mittel- und Nord-Sumatra steil nach der Westküste abfällt und die
Ausläufer auf einigen Stellen am Indischen Ozean natürliche Häfen bilden, die
indessen zum größten Teil wegen ihrer entfernten Lage nicht für Handel und
Schiffahrt zu benutzen sind, geht dieses Bergland an der Ostküste allmählich in
eine breite Ebene mit wenig Gefälle über, schließlich Moräste bildend, die bis an
die See reichen. Im Norden wird Sumatra schmäler, das Gebirge teilt sich in
zwei Bergketten, die das fruchtbare Tal des Atjeh-Flusses begrenzen.
Die Deltabildung der Flüsse an der Ostküste ist sehr ausgedehnt, die See-
stände beherrschen die Flußstände vollständig, weshalb vor jeder Flußmündung
an dieser Küste eine Barre entsteht, die trotz der Flutgröße von 2 m der Schiff-
fahrt sehr hinderlich ist. Einen unschätzbaren Dienst leisten dieser die von dem
Königlichen Magnetischen und Meteorologischen Observatorium herausgegebenen
täglichen Gezeitenvoraussagungen für einige Indische Hafenplätze, d.i. die nach
der Methode von Dr. J. P. van der Stok (Nat, Tijdschr. v. Need.-Indie, deel LVI,
1896 und Harmonische Analyse der Gezeiten von P. Joh, Smits) über das ganze
Jahr von Stunde zu Stunde berechneten Wasserstände.
Die große Ausdehnung der Deltabildungen, die, wie z. B. bei den Flüssen
Moesi und Komering, ineinanderlaufen, ist aber für die Anlage von Seehäfen für
tiefgehende Schiffe um so mehr ein Hindernis, als die breiten und flachen Strom-
gebiete ganz dem Spiel der Naturkräfte ausgesetzt sind, die den Flußlauf fort-
während verändern. Eine Regulierung gestaltet sich aber dadurch zur Un-
möglichkeit, auch können dabei die Ergebnisse der Versuche in den Flußbau-
laboratorien u. a. durch Nachbildung von Flußläufen in Rinnen nicht verwertet
werden, weil die Schwierigkeit darin liegt, daß man zwar in verkleinertem Maßstabe
den Zustand nachbilden kann, jedoch die Naturkräfte und speziell die Schwerkraft
unverändert behält.
Auf der Insel Sumatra hat sich seit dem Jahre 1883 die Ostküste mit der
Hauptstadt Medan am meisten entwickelt, dessen natürlicher Seehafen Belawan-
Deli auf der Insel Belawan ausschließlich durch eine Eisenbahn mit der Haupt-
stadt verbunden ist. Dieser Hafen liegt an der Westseite der genannten Insel,
die sich an den Mündungen des Deli- und des Belawan-Flusses gebildet hat. Der
Fluß hat mehr als 7 m Tiefe überall, doch an der Mündung vor der Küste eine
Barre, auf der bei Niedrigwasser nur 2.3 m (bei Hochwasser 4.5 m) Wasser
stehen bleiben. Die jetzigen Hafenwerke bestehen aus Anlegebrücken, Schuppen
und Geleisen auf 1000 m Länge. Der Verkehr nimmt von Jahr zu Jahr zu, so
daß die Hafeneinrichtungen ungenügend geworden sind und dringend einer Aus-
dehnung bedürfen,
Seitens der Regierung wurde in den Jahren 1905 bis 1907 der Versuch
angestellt, die Tiefe auf der Barre durch einen Eimerbagger von 160 cbm stünd-
licher Leistung zu vergrößern, doch war das Ergebnis so geringfügig, daß man
diesen Hafen überhaupt nicht für den Ausbau zu einem Ozeanhafen geeignet
hielt, und daher die Regierung die Anlage eines solchen mehr nördlich ins
Auge faßte. Wenn auch die Langsa-Bai zwar bei Kuala Langsa einen natür-
lichen Hafen mit 5 m bei Niedrigwasser Springtide (7 m bei Hochwasser) besitzt,
so konnte bei der großen Entfernung von dem Kulturgebiet von Medan (160 km)
und dem Mangel eines Hinterlandes von Bedeutung nur die zwischen der Langsa-
Bai und Belawan-Deli belegene Aroe-Bai mit einem gleichfalls geschützten
natürlichen Hafen in Frage kommen, Obgleich die Deli-Eisenbahngesellschaft in
den Verhandlungen mit der Regierung wenig Neigung zur Verlängerung der
Atjeh-Trambahn bis nach der Aroe-Bai zeigte, zögerte die Regierung dennoch
nicht, die Vertiefung der sogenannten Sembilan-Fahrrinne in dieser Bai in Angriff
zu nehmen, wobei sehr günstige Erfolge erzielt wurden, die die Regierung in