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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Rottoök: Einfluß der Neigung auf den Gang der Chronometer, 
* 5929 
Es ist klar, daß durch die Veränderung der Lage eines Chronomeiers, 
durch seine Neigung, sich die Zapfenreibung vermehrt, um so mehr, wenn seine 
Achsenlöcher zu weit sind bzw. seine Räder nicht ganz fest ineinander greifen, 
schlottern sollten. Durch die. vermehrte Zapfenreibung werden die Unruh- 
schwingungen kleiner. Dementsprechend mußte das Instrument vorgehen d, h,. 
einen gewinnenden (—) Gang annehmen, da die Endkurven der Spiralfeder so 
verändert werden, daß das Instrument bei kleinen Schwingungen eine geringe 
Neigung zum Vorgehen hat. Nun haben aber, wie diese und auch frühere Unter- 
suchungen (siehe Anmerkung 3) ergaben, die größte Anzahl der Chronometer 
bei geneigter Lage eine Neigung einen verlierenden (-+) Gang anzunehmen, Es 
muß also ein anderer Grund vorhanden sein, der diesen Gang verursacht, und 
das ist die Veränderung der Schwerpunktslage der Spiralfeder sowie der Unruhe. 
Anmerkung 2. Es wird als selbstverständlich angenommen, daß die 
Hemmung vollständig in Ordnung ist, vorschriftsmäßig arbeitet und die Spirale 
sich bei Schwingungen der Unruhe konzentrisch entwickelt. Sind die Spiralkurven 
unsachgemäß angebogen, so daß sich in der horizontalen Lage die Spirale 
exzentrisch entwickelt, so wird sowohl ihr Gewicht ungleichmäßig auf die Lagen 
wirken, als auch der Druck auf die Zapfen der Unruhe verschieden sein. 
Geht ein Chronometer in horizontaler Lage bei kleinen Schwingungen nach, 
anstatt vor, so. wirkt dies im gleichen Sinne mit,dem natürlichen Nachgang, 
hervorgerufen durch die vermehrte Zapfenreibung in den Lagen. 
Ein Regulieren in den Lagen ist nach Ansicht der Chronometerwerke- 
Hamburg ausgeschlossen: 
1. Wenn eine Gangfeder zu schwach angespannt ist und dadurch der Aus- 
lösung zu viel Widerstand entgegensetzt. ) 
2. Wenn eine Gangfeder zu schwach ist und das Gangrad mitunter durch- 
schlüft, wenn es über der Gangfeder sich befindet. 
3. Wenn die Goldfeder über der Unruhe zu kurz ist und durch den Aus- 
lösestein zeitweise nicht ausgelöst wird, 
4. Wenn die Massen der Gewichte der Unruhe auf ungleich langen Armen 
sitzen, wodurch beim Gehen die Unruhe aus dem Gleichgewicht kommt. Das 
gleiche ist der Fall, wenn die Reifen der Unruhe ungleich dick sind oder die 
Verteilung der Metalle ungleichmäßig ist, 
Anmerkung 3. Außer dem Chronometer-Observatorium haben in früheren 
Zeiten noch andere den Einfluß der Neigung auf den Chronometergang festzu- 
stellen versucht, Abgesehen von Versuchen, welche nur mit wenigen Instrumenten 
angestellt wurden und daher nicht einwandfrei genug sind, seien hier die von 
Professor Dr. Peters und die von Caspari in seiner Preisschrift aufgeführten 
erwähnt. 
Dr. Peters teilt in den »Ann, d. Hydr, usw.« vom Jahre 1881 mit, daß 
er mit 49 Chronometern Neigungsversuche angestellt habe. Ein Instrument gibt 
kein Ergebnis, von den übrigen zeigten 64.6° einen verlierenden Gang, 
Caspari berichtet, daß seit dem Jahre 1859 in dem französischen Marine- 
depot Versuche gemacht worden seien zur Schätzung der Einwirkung der Neigung 
auf die Chronometer und Uhren, Die Versuche, vor allen Dingen die der 
Jahre 1865 sowie 1883/84, ergaben bei schräggestellten Uhren übereinstimmend 
eine Verlangsamung des Ganges, 
Aus diesen sowie aus früheren Versuchen schloß er, daß bei den Marine- 
chronometern die Erfahrung gemacht würde, daß ihre Neigung durchschnittlich 
den Gang verlangsame, sie nachgingen, und zwar 2.4 Sekunden bei 25° Neigung, 
Das Chronometer-Observatorium hat mit derselben Neigung ein durch- 
schnittliches Nachgehen von 3.3 Sekunden gefunden — abgesehen von zwei In- 
strumenten, welche einen gewinnenden Gang aufwiesen —. Werden diese zwei 
Chronometer mit in Betracht gezogen, so ist das Ergebnis genau dasselbe, wie 
es seinerzeit Caspari gefunden hat, d.h, 2.4 Sekunden. 
Der Schwerpunkt der Spiralfeder soll in den verschiedenen Lagen in der 
Unruhachse bleiben, Dieses ist aber nicht der Fall. 
Ann, d. Hydr, usw. 1913, Heft X.
	        
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