Möller, J.: Der Schwarzschildsche Libellensextant.
Betrachtet man diese Zahlenzusammenstellungen, so scheint für beide Instru-
mente eine geringe Zunahme der Genauigkeit mit der Zeit angedeutet zu Sein,
wahrscheinlich infolge der wachsenden Übung. Ferner erkennt man verschiedene
Auffassungen der Blasenmitte, z, B. Mittelwert bei Instrument I am 15. Februar
(Sonne) = — 6, Polarstern = — 8,5, Procyon == —. 5,5. Diese Verschiedenheit
wird vielleicht verschwinden, wenn die Libellenblase noch etwas kleiner gewählt
wird; möglicherweise war sie aber auch durch eine leichte Kippung des In-
struments verursacht, Untereinander stimmen die Beobachtungen eines und
desselben Gestirns an demselben Tage gut überein, wie der Durchschnittsfehler
(das Mittel aus den absoluten Werten der Abweichungen vom Mittel) und die
Maximalabweichungen vom Mittel zeigen. Der Durchschnittsfehler beträgt
überall 2’, die wahrscheinlichen Fehler einer einzelnen Beobachtung etwa + 2,
und die wahrscheinlichen Fehler der Mittel der Beobachtungen eines Tages und
eines Gestirns bleiben gleich oder unter -+ 0,5. Das sind Werte, die den
Schwarzschildschen Sextanten der Beachtung der Seeschiffer sehr empfehlen und
jedenfalls zu einem Versuch an Bord auffordern. Wie vielen wird es angenehm
sein, wie sehr kann es die Sicherheit der Schiffe erhöhen, wenn nach längerem
Anhalten unsichtigen Wetters Gestirnshöhen bei unsichtiger Kimm auch nur auf
5’ bis 6’ genau gewonnen werden!
Über meine eignen Versuche im Luftschiff und auf See geben die folgenden
Zeilen Auskunft:
Am 15. Juni d. J. war ich infolge einer Einladung der Luftschiffbau-Aktien-
gesellschaft in Friedrichshafen in der Lage, im Luftschiff »Hansa« zusammen mit
Herrn Kapitän Gluud von Hamburg aus aufzusteigen und hierbei den Schwarz-
schildschen Libellensextanten praktisch zu erproben. Benutzt wurden zwei Arten
von Libellenhorizonten, einer, der an einen gewöhnlichen Immeschen Bord-
sextanten angesetzt werden konnte, und ein zweiter, der nicht abnehmbar an
einem Sextanten befestigt war, aber zur Seite weggeklappt werden konnte, so
daß das Instrument auch wie ein Bordsextant zur Messung von Kimmabständen
benutzt werden konnte, Dieses zweite Instrument eignet sich ganz besonders
gut für den Gebrauch auf Seeschiffen, da es durch einen leichten Handgriff aus
einem gewöhnlichen Sextanten in einen Libellensextanten verwandelt werden
kann. Es wird von der Firma Spindler und Hoyer in Göttingen hergestellt
und zeichnet sich durch Eleganz und große Handlichkeit aus. Die Lichtquelle
ist im Handgriff untergebracht und kann durch einen Schieberwiderstand reguliert
werden. — An dem zuerst erwähnten Instrument‘ war eine zweite Libelle an-
gebracht, durch deren Beobachtung die Vertikalstellung der Sextantenebene, die
von wesentlicher Bedeutung für die Genauigkeit der Höhenmessung ist, kontrolliert
werden konnte. Es mag hierbei erwähnt werden, daß sich die Firma Plath in
Hamburg bereit erklärt hat, Libellenhorizonte zu liefern, die sich an gewöhn-
liche Bordsextanten ansetzen und nach Gebrauch auch von ihnen
wieder abnehmen lassen,
Aus Kapitän Gluuds und meinen Versuchen ergab sich, daß von der
vorderen Motorgondel aus, wo sich der Führerstand befindet, zuverlässige Höhen-
messungen nicht angestellt werden konnten, da die Erschütterungen durch den
Motor zu heftig waren. Dagegen waren die von uns in der Passagiergondel vor-
genommenen Messungen fast so genau, wie vom festen Erdboden aus, obwohl
oft in sehr unbequemer. Körperstellung mit ‚weit aus der Gondel hinausgebeugtem
Oberkörper oder in kauernder Stellung vom Fußboden der Gondel aus beobachtet
werden mußte, da die Sonne schon bei einer Höhe von etwa 30° begann durch
den Körper des Lulftschiffes verdeckt zu werden. Die wenigen Beobachtungen,
die uns während der Fahrt gelangen, zeigten einen mittleren Fehler von 4’ und
als größte Abweichung einer einzelnen Beobachtung vom Mittel den Betrag von Y.
Man darf hieraus schließen, daß ein geübter Beobachter von der Passagiergondel
eines Zeppelinluftschiffes aus die Höhenstandlinie mif einer Maximalunsicherheit
von 9’ oder 13 bis 14 km mit Hilfe des Schwarzschildschen Libellensextanten
wird bestimmen können. Erheblich größer wird die Genauigkeit, wenn der Beob-
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