Möller, J.: Der Schwarzschildsche Libellensextant.
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Bei Schwarzschilds Libellensextant fällt die Drehung um die Fernrohr-
achse mit der um eine horizontale Achse, d.h. mit der Drehung um die Libellen-
achse zusammen, Hier kann unter allen Umständen als Verkantungswinkel des
Instruments nur der Winkel i in Frage kommen, der im Grunde nichts anderes
ist als der Fehler, den man sonst in der Theorie der astronomischen Instrumente
als Kollimationsfehler bezeichnet,
Die folgende Tabelle zeigt zahlenmäßig, wie groß die Werte von Ah bei
Neigungen bis 5° sind:
N i
h
jo | 20 | 30 | 40 | zo
“
109 +
30° 107
o ‚
400 } 07
50° 17
60° 1’ A
709 17 €
ine 27 6
127
4
17
er
17
5!’
107
WW.
aD
23
{7
/
8’
117
167
237
36
74
Kleine Neigungsfehler bis zu 1° können ganz unbeachtet bleiben; kippt
man um 2°, so wird der Fehler bei Höhen über 70° unangenehm, bei einer
Neigung von 5°. aber schon bei sehr niedrigen Gestirnshöhen. Wenn nun auch
ein geübter Beobachter auf festem Boden seinen Sextanten von der Vertikalen
nicht mehr als 1° wird abweichen lassen, unbedenklich also alle Gestirnshöhen
zur Messung heranziehen kann, so wird auf schwankendem Boden, also im
Luftschiff und vor allen Dingen. auf See,. mit erheblichen Fehlern infolge der
Kippung der Sextanten zu rechnen sein, Es wird daher. gut sein, Vorkehrungen
zu treffen, die ein stärkeres Kippen des Sextanten erkennbar machen und
verhindern. Bei den beiden Schwarzschildschen Instrumenten, die mir
bisher zur Verfügung standen, gab das Bild der Blase ein leidlich sicheres Kri-
terium für die vertikale Lage des Sextanten, Das Bild der Libelle erscheint „.,
hier im Fernrohr durch parallele Linien seitlich begrenzt. Der Abstand Bd:
der Blase B (s. Fig. 5) von diesen seitlichen Begrenzungen I und II
muß, wenn die Sextantenebene senkrecht steht, gleich groß sein. Leider ß
war bei den von mir bisher erprobten Instrumenten dieser Abstand sehr
klein-und seine Anderung mit der Kippung des Sextanten nur gering; |
doch konnte ich durch Versuche feststellen, daß ich bei Beobachtungen auf 1m
festem Boden Abweichungen von der Vertikalen im Betrage von etwa 2°
schon. bemerkte. Um das Instrument jedoch in dieser Hinsicht .noch etwas
empfindlicher zu machen, beabsichtigen seine Fabrikanten nach Schwarzschilds
Vorschlag, den kleinen Krümmungsradius der Röhrenlibelle etwas zu vergrößern.
Der dureh die Kippung verursuchte Fehler wird dann wahrscheinlich beseitigt
werden können. Bei den später erwähnten Beobachtungen, die ich‘ im Luftschiff
und auf See anstellen konnte, ließ sich die Vertikalstellung des einen Instruments
durch eine zweite Libelle mit kleineren Krümmungsradius kontrollieren, Diese
zweite Libelle stand rechtwinklig zur Sextantenebene. . .
Im folgenden gebe ich einige der von mir angestellten Beobachtungen
wieder. Instrument I ist der Libellensextant von Schwarzschild, Instrument II
der Bordsextant Nr. 1663 von Imme in Berlin mit angefügtem Schwarzschild-
schen Libellenhorizont. Von Instrument II wurde der: Horizont nach der Be-
obachtung eines jeden Tages wieder abgenommen und mit dem Sextanten zu-
sammen in den zugehörigen Kasten verpackt. Die Beobachtungen zeigen, daß
hierdurch die Indexberichtigung nicht geändert wurde, Bei den Beobachtungen
vor dem 8. Mai wurde die vertikale Stellung des Sextanten nicht kontrolliert, am
8. Mai dagegen regelmäßig. Nach jeder einzelnen Einstellung wurde die Alhidade
verschoben, um die neue Einstellung von der Auffassung der vorhergehenden
unabhängig zu machen.