Möller, J.: Der Schwarzschildsche Libellensextant.
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In diesem Bilde bewegt sich die Blase fünfmal langsamer als die wirkliche Blase,
und daher kann der Abstand BM’ auch fünfmal kleiner gewählt werden als der
Krümmungsradius der Libelle. Damit Libelle, Spiegel (oder besser ein total
reflektierendes Prisma) und Konkavlinse ihre gegenseitige Lage nicht ändern
können, sind sie in ein keilförmiges Kästchen aus Blech eingeschlossen, das zum
Schutz gegen Wärmeeinflüsse mit Leder überzogen ist. Das Ganze wird dann
so an einem Sextanten befestigt, daß das Fernrohr gegen die Konkavlinse ge-
richtet ist und in horizontaler Lage das Blasenbildchen M’ erblickt. Aus den
vorher angestellten Betrachtungen geht hervor, daß der Libellenhorizont, wenn
nur die Lage der Libelle gegen den Spiegel unverändert bleibt, gedreht werden
kann, ohne daß sich die Ablesung des Instruments ändert, Das ist ein ganz
wesentlicher Vorzug der Schwarzschildschen Anordnung,
In der Abbildung (Fig, 3) sieht man Pie 9
vor dem Objektiv des Fernrohres das keil- a
förmige Kästchen, Dieses enthält unten
die Libelle, die von der Unterseite her bei
Tage durch einen weißen Reflektor, bei
Nacht . durch eine Glühlampe erleuchtet
wird, oben das total reflektierende Prisma,
das das Blasenbild in das Objektiv des Fern-
rohres wirft, An der dem Fernrohr-Objektiv
zugewandten Seite des Kästchens befindet
sich die Linse, die den Zweck hat, das
Blasenbild zu verkleinern, damit der Ab-
stand der Libelle vom Prisma entsprechend
kleiner gewählt werden kann, als der
Krümmungsradius der Libelle,‘ -
Ein weiterer Vorzug des Schwarz-
schildschen Instrumentes liegt darin, daß
die Libelle nicht an der Alhidade befestigt
ist, daß das Fernrohr also nicht auf den
Stern gerichtet zu werden braucht, wie
bei den Instrumenten von Butenschön
und von Hartmann & Braun, sondern
bei der Beobachtung stets horizontal liegt.
Der Vorteil dieser Anordnung liegt auf der
Hand: Man beobachtet alle, auch die höchsten Sterne in derselben Kopfhaltung, und
zwar in der, die dem Seemann von der Handhabung des gewöhnlichen Sextanten
her geläufig ist; es fällt ferner der an den andern Instrumenten gerügte Nachteil
fort, daß bei Gestirnshöhen über 60° die Beobachtung schwierig und das Bild der
Blase undeutlich wird. Einzelne Verbesserungen mehr äußerlicher Art, die Herr
Kapt. Fritsch an dem von Hartmann & Braun konstruierten Instrument (Ann.
d. Hydr. 1913 S. 487) rühmt, und die mit der prinzipiellen Konstruktion nichts zu
tun haben (z. B. Anbringung der Lichtquelle im Handgriff des Instruments u. a.),
sind bei den neueren Schwarzschildschen Instrumenten auch berücksichtigt
worden, — Außer diesem Libellensextanten hat Schwarzschild einen Libellen-
horizont konstruiert, der sich an jedem gewöhnlichen Bordsextanten anbringen
Jäßt. Der Sextant mit angesetztem Horizont arbeitet dann genau so, wie der
eben beschriebene Libellensextant. Ferner ist auf Anregung des Luftschiff-
kapitäns Gluud ein neuer, besonders vorteilhafter Typ konstruiert worden.
Dieser besteht aus einem sehr handlichen Bordsextanten, an dem ein Libellen-
horizont mit einem Scharnier drehbar befestigt ist, so daß das Instrument durch
eine einfache Drehung des künstlichen Horizonts aus einem Bordsextanten in
einen Libellensextanten verwandelt werden kann.
Ein allen Libellensextanten gemeinsamer Nachteil liegt darin, daß weniger
sichere Beobachter dazu neigen, den Sextanten nicht ganz senkrecht zu halten,
Doch ist der hierdurch hervorgerufene Fehler nur dann erheblich, wenn die
Neigung der Sextantenebene gegen die Vertikale größere Beträge erreicht, und