502 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1913.
im Winter der nördlichen Halbkugel die Stillen häufig. Als Eintrittspforten
des NO-Passates erkennt man deutlich die Senke von Nicaragua (Rio San Juan-
Tal) sowie die Landenge von Panama. Die dazwischenliegende Zentralkette
Costaricas namentlich hemmt den NO-Passat der caraibischen Seite in so wirk-
samer Weise, daß vom Juni bis November im Pazifischen Ozean südliche Winde
die Hauptrolle, allerdings neben häufigen Stillen spielen. Nur im November
werden letztere selten, wenn die Südwinde am weitesten gegen die südlichen
Küstengebiete vordringen. Der Passat der atlantischen Seite überschreitet um
diese Zeit wieder die niedrige Schwelle des Isthmus von Panama, während vorher
sich südlich davon der Einfluß der Südwinde verrät (im Oktober, dem einzigen
Monat, für den dieses im Golf von Panama zutrifft). Das Grenzgebiet beider
Passate liegt erst im März (Monat der Tag- und Nacht-Gleiche) am weitesten
südlich,
Im Folgenden gilt es nun mit diesen Ergebnissen die Beobachtungen auf dem
Festlande zu vergleichen.
Die Windverhältnisse über Mittelamerika nach den zuverlässigsten
Berichten und Messungen.
Die Beobachtungsergebnisse auf dem Lande selbst weichen, wie schon
früher erwähnt wurde, in mancher Hinsicht von den oben besprochenen ab, sie
sind an dieser Stelle nur auf ihre Beziehungen zu den allgemein gültigen Ver-
hältnissen untersucht worden, während das Lokalgepräge derselben tunlichst
ausgeschaltet ist.
Beginnen wir mit der Betrachtung des südlichen Mittelamerika:
Zu Colon, also auf der Nordseite des Isthmus von Panama, wo auf offener
See das ganze Jahr hindurch der Passat vorherrscht, werden im Sommer S- und
SW-Winde häufig.!) Das große System südlicher Windrichtungen, das auf
pazifischer Seite in dieser Jahreszeit herandrängt, erkennen wir also als ein-
Außreicher, wie es den Angaben auf See nach erscheint.”) UÜbereinstimmend mit
diesen ist wieder die Zunahme südlicher Winde im Oktober auf der Südseite
(Insel Naos). Auch die sommerliche Steigerung des Seewindes bei Colon gegen
den August zu erinnert an die Zunahme des NO-Passates in diesem Monat. Daß
den pazifischen Winden in Panama während der Regenzeit der NO-Passat das
Feld räumt, weiß auch Vergara®3) zu berichten. Nach demselben treten an
Columbiens W-Küste, die im wesentlichen sich durch unzuverlässige Brisen
und die Schiffahrt hemmende Stillen auszeichnet, im Verano4) auch nördliche
Winde auf, Wie unsere Kärtchen zeigen, sind diese auf den NO-Passat zurück-
zuführen,
In Costarica deuten schon die Regenverhältnisse auf die Wichtigkeit süd-
licher Winde.*) Doch erwähnt schon Frantzius, daß gegen jene Richtungen
zuweilen der NO-Passat aufkommt und mit dem Wechsel dieser Winde Tage mit
bzw. ohne Regen einander ablösen,.“) Den zuverlässigen Schilderungen Pittiers
ist folgendes über Winde in San Jose zu entnehmen:‘)
1889: Im ganzen Jahre blieb der Nordwind vorherrschend, d. i. der
örtlich beeinflußte Passat der caraibischen Seite. November bis April waren die
Winde am stärksten, Maximum der Geschwindigkeit im Februar, Minimum im
September. -
1890: Januar bis März windig (NO-Passat),
April: Unterer Wind fast immer zwischen N und O (Passat). Auch in
der ersten Junihälfte N bis O, dann N bis W. Juli: Oberer Wolkenzug aus NO.
> Hann, Handbuch der Klimatologie, Bd. IT, S. 336, 341.
Vegl. die Schilderung der Luftdrueckverteilung am Schluß.
F. J. Vergara y Velasco: »Nueva geografia de Colombia«, Bogotä 1902, ®. 369.
, Trockenzeit im Januar, Februar.
°) Lottermoser, a. a. 0. 8. 14. ;
’} In San Jose kommen die Hauptregen vom Pazifischen Ozean,
7) Anales del Instituto fisieo-yeografico naecional de Costa Rica,