Ann. d. Hydr. usw., XXXXI. Jahrg. (1913), Heft X.
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Beiträge zur Kenntnis der Windverhältnisse über Mittelamerika
und seiner Umgebung.
Von Dr. E, Lottermoser.
(Hierzu Tafel 16.)
Allyzemeines.
Die vorliegenden Erörterungen setzen die früheren Beiträge des Verfassers,
die den Temperatur- und Regenverhältnissen Mittelamerikas galten, fort.!) Zwar
wurde bei Besprechung der letzteren bereits auf die große Wichtigkeit, welche
die allgemeinen Luftströmungen für örtliche und zeitliche Verteilung der Nieder-
schläge besitzen, Rücksicht genommen, doch erschien es eben ihrer Bedeutung
wegen wünschenswert, die Untersuchungen dieses klimatologischen Elementes auf
breiterer Grundlage aufzubauen und die Verschiebung, die der meteorologische
Äquator, das Gebiet häufiger Stillen, schwacher und veränderlicher Winde, im
Laufe des Jahres infolge des verschiedenen Sonnenstandes erfährt, an der Hand
von Windkarten Monat für Monat zu verfolgen. Als Ausgangspunkt hierfür
können uns nur die Windangaben dienen, da wir über die Verteilung des Luft-
drucks in Mittelamerika selbst und namentlich dem angrenzenden Pazifischen
Ozean noch spärlich unterrichtet sind.”) Besser steht es in dieser Hinsicht mit
der Kenntnis des Golfs von Mexiko und dem Caraibischen Meere, für die Bigelow
die Isobaren der einzelnen Monate entworfen hat.?) Da gerade die Verhältnisse im
Osten und Norden Mittelamerikas sehr großen Einfluß auf dessen Klima ausüben,
ist der Besprechung der Winde eine kurze Schilderung der ersteren angefügt.
Zur Untersuchung der Luftströmungen dienen uns einmal die vom Wetterbureau
in Washington herausgegebenen meteorologischen Karten,4) welche die beiden
Mittelamerika bespülenden Ozeane berücksichtigen, und weiter die wichtigsten
Nachrichten und Messungen vom Festlande selbst, Da durch Küstenverlauf und
Gebirge hier vielfach die allgemeinen Winde örtlich beeinflußt werden, so ge-
bührt den Beobachtungen auf See der Vorrang; unter den an Land vorgenom-
menen verdienen die von San Jos@ (Costarica) und von Merida, letztere weil sie
aus dem Flachlande stammen, erstere der Nähe der pazifisch-atlantischen Wetter-
scheide wegen, eingehendere Beachtung. Neben der Verschiebung der beiden
großen Windsysteme, des im allgemeinen stärkeren nordöstlichen und des
schwächeren südlichen, im Laufe des Jahres wird uns die Frage des Einflusses
von seiten des nordamerikanischen Festlandes beschäftigen. Gelten diese Dar-
stellungen der Klimatelogie im engeren Sinne, so beabsichtigt Verfasser in einer
späteren Veröffentlichung den letztgenannten Beziehungen im einzelnen nachzu-
gehen und insbesondere bestimmte Wetterlagen, welche, wie im gemäßigten Klima,
auf Beeinflussung durch nördlich von Mittelamerika vorbeiziehende Zyklone und
Antizyklone zurückführbar sind, zu prüfen.
1 Lottermoser: Die Ergebnisse der Temperaturbeobachtungen in Salvador und Südguate-
mala. Mitt, der Geogr. Ges. Hamburg Bd. XXIV, — Die Reygenverhältnisse Mittelamerikas mit
besonderer Berücksichtigung von Salvador und Südguatemala, Dissert, Tübingen 1911.
?) Einer Darstellung dieser Verhältnisse wird später noch zu gedenken sein.
3) Frank H. Bigelow: »Report on the barometry of the U. S. A., Canada and the West Indies«
Report of the chief of the Weather Bureau 1900/01 Vol, II. Washington 1902.
. *) »Meteorol. charts of the North Atlantic« bzw. »North Pacific Ocean«, Willis L. Moore,
Chief U. S. Weather Bureau, Washington D. C. Dez. 1911 bis Nov. 1912. In diesen Karten werden
u. a. die Veröffentlichungen der Deutschen Seewarte Hamburg, des Meteorol, Office London, des U. S,
Weather Bureau und U. S. Hydrographic Office Washington, des Observat, Meteorol. Mexico verarbeitet.
Die Deutsche Seewarte gibt ähnliche »Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean«- heraus, ent-
sprechende Veröffentlichungen von Pazifischen Ozean‘ fehlen. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich
darauf hingewiesen, daß die deutschen Angaben von den amerikanischen z. T. abweichen. Eine
Anfrage hinsichtlich der Zuverlässigkeit der beiden Quellen an maßgebender Stelle blieb leider un-
beantwortet.
Ann. d. Hrdr usw. 1912. Heft X.