488 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1913.
sein. Fehler können jedoch entstehen, wenn z. B. ein schätzungsweise mit Flinder-
stange und Längsschiffmagneten kompensierter Kompaß nachkompensiert-werden
soll, nachdem nach einer Reise mit starker magnetischer Breitenänderung die
noch übrig gebliebenen Teilbeträge von B bestimmt sind, und nun zunächst
durch Verschieben bzw. Verlängern oder Verkürzen der Flinderstange der Rest-
betrag von B,, dann durch Verschieben der festen Magnete der Restbetrag von B,
kompensiert wird.
Ebenso können Fehler entstehen, wenn man nach der von den meisten
Lehrbüchern empfohlenen Methode kompensiert, indem man auf dem magnetischen
Aquator zunächst das B, durch Längsschiffmagnete kompensiert und dann, so-
bald man in höheren Breiten eine Änderung dieser Kompensation findet, diese
Deviation durch Flinderstange kompensiert, Will man diese Methode anwenden,
so sind, nachdem man auf dem magnetischen Äquator die Deviation auf Ost-
und Westkurs zu 0 gemacht hat und in einer genügend großen magnetischen
Breite auf diesen Kursen die Deviation @ gefunden hat, in dieser Breite zunächst
die Längsschiffmagnete ganz zu entfernen, dann ist die Flinderstange so zu ver-
ändern, daß die vorhandene Deviation um den gefundenen Betrag ß vergrößert
oder verkleinert wird und dann die übrigbleibende Deviation wieder durch die
Längsschiffmagnete zu kompensieren. Die Stellung der festen Magnete wird
dann oft eine andere sein, als die auf dem Äquator gefundene.
Dasselbe ist zu sagen über das Nachkompensieren, wenn nach einer Reise
mit großer magnetischer Breitenänderung die gefundenen Restbeträge der B;
und B, fortgebracht werden sollen. Auch hier sind zunächst die Längsschiff-
magnete ganz zu entfernen, dann die Flinderstange zu verändern, bis die
Deviation um den Restbetrag des B, verändert ist, und erst dann wird mit den
festen Magneten die Deviation wieder zu 0 gemacht.
In den meisten Fällen mag die Befolgung der üblichen Vorschriften
genügen, wenn z. B. die Längsschiffmagnete nur schwach sind und an der Flinder-
stange nur wenig zu ändern ist. Sind die festen Magnete hingegen stark und
muß die Flinderstange sehr geändert, z. B. so verlängert werden, daß ihr unteres
Ende in die Gegend der festen Magnete kommt, so ist es richtiger, nach dem
oben angegebenen Verfahren zu kompensieren.
Tsingtau 1913, Juni 5. Dr. Meyermann.
4. Vermessung der Küste von Deutsch-Südwestafrika. Die »Marine-
Rundschau« gibt in der Juli-Nummer dieses Jahres eine zusammenfassende Über-
sicht der Vermessungstätigkeit der Kaiserlichen Marine an der Küste von
Deutsch - Südwestafrika, aus welcher die hauptsächlichsten, allgemein inter-
essierenden Daten nachstehend wiedergegeben seien:
Die erste Karte des hier in Rede stehenden Gebietes ist von der englischen
Marine in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen
und weist, trotz mehrfacher Verbesserungen, bis in die neueste Zeit recht erheb-
liche Ungenauigkeiten in bezug auf den Küstenverlauf und große Lücken be-
züglich der Tiefenangaben auf. Bedenkt man, daß an der ganzen 750 Sm langen
Küste stets eine hohe, meist südwestliche Dünung, am offenen, ungeschützten See-
strande aber immer eine so schwere Brandung steht, daß ein Landen aus-
geschlossen ist, so werden die angegebenen Mängel der englischen Vermessung
erklärlich, da ihnen die Hauptgrundlage, die Küstentriangulation, fehlen mußte;
verständlich werden dann aber auch die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit
welchen die deutsche Vermessung, welche gleich nach der Besitzergreifung des
Landes aufgenommen wurde, zu kämpfen hatte — gibt es doch außer der Lüderitz-
und Walfischbucht (letztere in englischem Besitz) und dem offenen Swakopmund
keine geschützte Bucht an dieser ganzen Küste,
1898 begann S. M. Vermessungsschiff »Wolf«, dessen Hauptvermessungsgebiet
die Kamerunküste umfaßte, die Aufnahme der Lüderitzbucht und führte sie bis 1905
südlich von Ichabo bis Pomona. Hierzu standen dem Schiffe jährlich nur etwa
4 bis 6 Wochen zur Verfügung. 1909/10 stellte S. M. S. »Panther« eine Karte der
Swakopmund-Reede her und nahm die Küste nordwärts bis zum Kreuzkap auf.
Der wirtschaftliche Aufschwung des südlichen Küstengebietes veranlaßte dann die
Vermessung von Pomona südlich bis zur Chamaisbucht im Jahre 1911. ebenfalls