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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1913. 
Kleinere Mitteilungen. 
li. Die Ansteuerung der Magellan-Straße im Stillen Ozean. (Amtltlich.) 
Die Ansteuerung der Magellan-Straße vom Westen, also vom Stillen Ozean her, 
erfordert trotz des in klarem Wetter 21 Sm weit sichtbaren Feuers auf den 
Evangelisten-Inseln die größte Aufmerksamkeit, Unsichtiges und stürmisches 
Wetter, das in dieser Gegend sehr häufig angetroffen wird, stets hochlaufende See 
und die meistens nach Süden und auf Land zu setzende Strömung erschweren 
die Navigierung ungemein und mahnen jeden Schiffsführer zur größten Vorsicht. 
Die Winde wehen vorherrschend aus nordwestlichen Richtungen und meistens 
stürmisch. In der Regel dauern nordwestliche Stürme nicht sehr lange, meistens 
springen sie mit steigendem Barometer aus einer nördlichen bis nordwestlichen 
Richtung plötzlich nach WSW bis SW um. Mitunter drehen sie auch wieder aus 
einer südwestlichen Richtung bis NNW zurück, wobei das Barometer niedrig und 
das Wetter schlecht bleibt. Östliche Winde sind nicht häufig und bringen, wie 
südliche, schönes klares Wetter; nördliche und westliche Winde hingegen bringen 
in der Regel regnerisches und unsichtiges Wetter. Nach Aussage dortiger Küsten- 
fahrer kann man, wenn man am Tage die Cordilleren hell und klar sieht, binnen 
24 Stunden einen Sturm aus nördlicher Richtung erwarten. Nebel kommen vor 
der Magellan-Straße nicht sehr häufig vor. 
Vom Norden kommend, trachte man, wenn es die Umstände erlauben, das 
hohe Kap S“* Lucia oder das ebenfalls hohe und steile Kap George auf der 
Cambridge-Insel in Sicht zu bekommen. Kap George ist leicht kenntlich, es fällt 
steil ins Meer ab und hat am Fuße ein kleines kegelförmiges Inselchen, das sich 
gut abhebt. Wenn man danach seine Position festgestellt hat, nehme man seinen 
Kurs so, daß man die Evangelisten ungefähr in 4 bis 5 Sm Entfernung an B-B, 
läßt. Nach neueren Vermessungen (vgl. N. f. S. 1945/11) kann man die Inseln 
auch an St-B. lassen und in 2 Sm Abstand zwischen der Küste und den 
Evangelisten durch über eine Stelle laufen, wo in älteren englischen Karten die 
Bemerkung »Foul ground« steht. Nach Passieren der Evangelisten setzt man 
seinen Kurs auf Kap Pillar. Dieses Kap ist ungefähr 94.5 m (310°) hoch und 
fällt ziemlich steil ab. Es liegen einige kleine Felsen davor, deren eigenartiges, 
säulenförmiges Aussehen dem Kap wohl seinen Namen gegeben hat; die Formation 
fällt jedoch erst beim Passieren ins Auge. Der Strom setzt hier in südöstlicher 
bis ostsüdöstlicher Richtung in die Magellan-Straße hinein, ein Teil zweigt auch 
schon vor der Straße nach Süden ab und setzt längs der Küste von der Desolations- 
Insel. Man lasse sich aber nicht verleiten, wegen des südlich setzenden Stromes 
bei Nacht oder bei unsichtigem Wetter seinen Kurs zu östlich zu nehmen, sondern 
steuere 2 bis 3 Sm nördlich von Kap Pillar entlang, da die Umgebung von Kap 
Pillar bis Kap Desendo ziemlich rein ist und das Land dort bei einiger Auf- 
merksamkeit selbst bei dunkler Nacht so früh in Sicht kommt, daß man allen 
Gefahren aus dem Wege steuern kann. Bei unsichtigem Wetter sollte man bei 
Nacht nicht in die Magellan-Straße einzulaufen versuchen, sondern nach Passieren 
der Evangelisten zwischen diesen und Kap Pillar den Tag abwarten. 
Das Lot ist hier ein unsicherer Warner, da die Tiefenangaben der Karten 
nur spärlich und die Tiefen, ganz dem wilden Charakter und der Formation des 
Landes und der Küste entsprechend, sehr unregelmäßig sind. 
Sehr gut kenntlich ist auf dem Wege von Kap George nach den 
Evangelisten die Galicia-Klippe; sie besteht aus zwei kleinen Felsen von 7,6 m 
{25’) Höhe, die anfangs wie einer aussehen und die ungefähr die Form eines 
Schwarzbrotes haben. Südöstlich davon sind die Holborn-Klippen, auf denen 
meistens Brandung steht. Nach den N. f. S. 1945/11 liegt die Galicia-Klippe 
13/, Sm, die Holborn-Klippe 1 Sm nördlicher, als in den Karten angegeben ist. 
Hat man infolge länger anhaltenden unsichtigen Wetters kein sicheres 
Besteck, so nähere man sich, nachdem man seine Distanz abgelaufen hat, mit 
der größten Vorsicht dem Lande. In der Regel steht man etwas südlicher und 
östlicher, als angenommen wird. Die Umgebung der Evangelisten wie auch von 
Kap Pillar ist bis auf 1 Sm Abstand vom Lande rein, jedoch südlich von Kap 
Deseado sind Klippen bis zu 6 Sm vom Lande vorhanden.
	        
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