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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Wagner, H.: Zur Geschichte der Seemeile. 
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hat die deutsche Meile als Seemeile das Meterzeitalter kaum mehr erlebt. Man 
war an den deutschen Küsten meist schon zur kleineren Seemeile, der Nautical 
Mile, übergegangen, Gelegentlich findet sich freilich in nautischen Lehrbüchern 
auch noch am Anfang des 19, Jahrhunderts ein Hinweis auf die größere See- 
meile (15 == 1°). H. Brarens, Navigationslehrer in Tönningen, berechnete in 
seinem in deutscher Sprache zuerst 1800 erschienenen, aber später mehrfach auf- 
gelegten »System der praktischen Steuermannskunst«!) den Fortgang des Schiffes 
im Zeitraum einer Wache von vier Stunden mittels der Logge nach dänischen 
Meilen, welche, wie er sagt, nach den neuesten Berechnungen 23660 Fuß enthalten. 
Der dänische und rheinländische Fuß ist bekanntlich gleich, jene dänische 
Meile von 
23660 rheinl. Fuß = 7407 m 
also gleich der deutschen Meile nach damaligen Anschauungen, Doch erwähnt 
Brarens bereits den »fast allgemeinen Gebrauch in jeder Stunde ein Mal zu 
loggen«, was um so mehr zu empfehlen, als die ausgerechneten Tabellen der Hand- 
bücher der Steuermannskunst für !/, Meilen oder Minuten berechnet seien, Das 
Hamburger Handbuch der Schiffahrtskunde (1819) spricht bereits ausschließlich 
von Minutenmeilen (vgl. oben $ 21). 
Es sei zum Schluß noch daran erinnert, daß der Wert von 7408 m für die 
geographische Meile auch als das Vierfache der Seemeile von 1852 m aufgefaßt 
werden kann. 
Die Seemeilen Norwegens und Schwedens. 
Die ‚Nautischen Tafeln«, herausgegeben auf Veranlassung des Reichs-Marine- 
Amtes von der Inspektion des Bildungswesens der Marine (Kiel, 2. Aufl. S. 184 
u. 185) führen unter den‘ »Seestreckenmaßen«, der verschiedenen Seestaaten für 
Norwegen: mil = 11295.48 m 
Schweden: mil = 10688.00 m 
an. Die auffallende Tatsache, daß diese Staaten noch heute bei den großen 
nordischen Meilen, deren nur 9,85 bzw. 10.41 auf 1° gehen, stehen geblieben sein 
sollten, veranlaßte den Verfasser, wie wohl auch seine literarischen Quellen durch- 
aus dagegen sprachen, Erkundigungen bei den heimischen nautischen Amtern 
einzuziehen. Für die mir vom Kungl, Sjökarteverket in Stockholm und Norge’s 
Sjökartverk in Kristiania erteilte Auskunft spreche ich den Herren Chefs auch 
an dieser Stelle meinen Dank aus. 
Danach beruhte, wie vorauszusehen war, obige Angabe durchaus auf einem 
Irrtum. Weder die alte norwegische (dänische) Landmeile von 11.3 Kilometer, 
noch die alte schwedische Meile (36000’ = 10688 m) ist dort jemals als See- 
streckenmaß, insbesondere nicht in Verbindung mit der Loggerechnung, benutzt 
worden. In älteren schwedischen Navigationsbüchern, wie auch auf einer See- 
karte des Wener-Sees von 1839 sei die schwedische Seemeile zu vier englischen 
Seemeilen oder = 1 geographischen Meile angegeben und werde hauptsächlich 
von der Küstenbevölkerung angewendet. Im übrigen sei früher und jetzt die 
englische Nautical Mile oder Distanzminute das übliche Seestreckenmaß, Das 
letztere geht wohl schon aus einer Anmerkung in F. Mallets Mathematischer 
Beschreibung der Erdkugel hervor, welche L. H. Röhl ins Deutsche übersetzte 
(Greifswald 1774, S, 82). _ 
»In der Schiffahrth wird eine Art Meilen gebraucht, welche man Minuten 
nennt, und welche einem Bogen des ÄAquators von einer Minute gleich sein 
müssen; eine solche Minute muß also 1044.04 schwedische Faden halten oder 
6264.23 schwedische Fuß (== 1859.8 m). 
Eine solche Minute teilet man in 120 Teile, deren jeder 52.202 schwedische 
Fuß ist und misset auf der Loglinie so große Teile ab.« 
4 Zweite Aufl.,, Magdeburg. 1807. S. 40.
	        
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