448 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1913.
tung ($ 1) einwenden, daß also Breusing doch Recht gehabt habe, die Mylen
des Seebuchs mit der Sealeague auf eine Linie zu stellen, die damals == 3 nautical
miles gewesen sei. Indessen ist zu beachten, daß die Sealeagues des 15. und
16. Jahrhunderts nicht 5556 m, sondern nur etwa 15000 engl. Fuß — 4572 m
maßen, wie oben ($ 30) nachgewiesen ist. Diese Meile von rund 5350 m läßt
sich allerdings mit einer deutschen Meile, 15 = 1°, in keiner Weise in Verbindung
bringen, denn von einem so kleinen Erdgrad, wie er aus 5350.15 — 80 250 m
resultieren würde, ist auch in der kosmographischen Literatur des 16. Jahr-
hunderts niemals die Rede. Vielmehr wird Waghenaer mit dem Ausdruck
»duytsche Myle« das verstanden haben, was man früher als »alte holländische
Meile« bezeichnete, deren 19 auf einen Erdgrad gingen.!) Mit 5350.19 = 101 630 m
reiht sich dieser Grad unter die verschiedenen Anschauungen damaliger Zeit
über die Größe der Erde, die, wie oft hervorgehoben, sämtlich von einer zu
kleinen Erde ausgingen. Der Wert 101630 m für den Erdgrad weicht nicht
beträchtlich von der Annahme der italienischen Nautiker des 16. Jahrhunderts
ab, welche demselben 70-1480 m =103 600 m gaben.
33. Bald darauf erfolgte die Gradmessung von Snellius in der Provinz
Holland (1615), bei der er den Erdgrad zu 28500 rheinländischen Ruten, die
Meile (15 = 1°) also — 1900 Ruten fand. In der Tat wird alsbald diese Meile
in nautischen Kreisen verwendet. Dirck Rembrantsz van Nierop sagt in
seiner Schrift »Onderwys der Zee-Vaert, t’ Amsterdam« 1655, S. 45:
een Myl of 1900 Rijnlandtse-Roeden,
Nach denselben Meilen von 22800 Rheinländ, Fuß rechnet auch P. V. D.
H(orste) in seiner Beschreibung von der Kunst der Schiffahrt, Lübeck 1676, S. 26.
In kurzer Zeitspanne wuchs also die deutsche Seemeile auf
1900 - 3.766 m = 7155 m.
Als Bouguer sich um die Mitte des 18, Jahrhunderts für das abgeplattete
Erdsphäroid ausgesprochen hatte — er nahm die Abplattung zu 1:179 an —,
war er der Meinung, daß man in der Nautik die Abweichung der Erdgestalt von
der Kugel doch ignorieren könne.”) »On peut se dispenser d’y avoir Egard dans
la Marine et continuer ä considerer la Terre comme un Globe parfait.« Nur
sei es zweckmäßig, den Meridiangraden, indem man sie sämtlich als gleich an-
sieht, denjenigen Wert beizulegen, welchen sie in Wahrheit in 45° Breite besitzen,
nämlich 57000 Toisen. »Les Hollandais mettent 15 lieues dans le degr6 terrestre,
ainsi chacune des ces derni@res lieues sera de
3800 toises (== 7406 m).
In Deutschland beginnt nun die Zeit, in der man »die sogenannte deutsche
Meile mit der geographischen gleichsetzt, von denen 15 auf einen Grad gehen.«?3)
Und obwohl man sich gewöhnte dabei vom »Äquatorgrad« zu sprechen, behielt
man doch vielfach den von Frankreich überkommenen Wert des 5400sten Teils
des Meridianumfanges bei, besonders als das Metersystem in seiner ursprünglichen
Fassung Eingang fand. Namentlich geschah dies von seiten der Franzosen, die
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der »Lieue g6&ographique«
4000000 m — 7408 m
5400
gaben. Als 5400ster Teil des Äquators hätte diese deutsche geographische Meile
aber auch schon nach der ersten Fassung der dritten französischen Gradmessung
von 1800
40 059 960
5400 = 7418.5 m
haben müssen. Dieser Wert erhöhte sich dann nach den Sphäroid-Berechnungen
von Airy und Bessel auf 7420.4 m, nach denen Clarkes auf 7421.4 m. Indessen
1) J. B. Ricciolius, Geographia et Hydrographia reformata, Venetiis, 1672, p. 49; Chr. u. Fr.
Noback, Münz-, Maß- und Gewichtsbuch, Leipzig 1858, 8, 31.
2) Traite& de Navigation, Paris 1753 p. 73.
3) J. Chr. Gatterer. Abriß der Geographie. Göttingen 1775. S. 18.