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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Wagner, H.: Zur Geschichte der Seemeile, 
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annehmen mußte, während wir bei Betrachtung der Nautical Mile sahen ($ 10), 
daß die praktische Schiffahrt bis über die Mitte des 17. Jahrhunderts an der 
Annahme 
1° = 300 000 Fuß festhielt. 
Als man nun im 18. Jahrhundert erkannte, daß die Erde doch noch größer 
sei, mußte auch die spanische Meile (171/, = 1°) weiter wachsen; nur konnte 
dieses Wachstum nicht bis zu der Grenze 1 Legua = 4 nautical miles = 7420 m 
gelangen, so lange man an dem Verhältnis 17!/, Leg. == 1° festhielt, denn sonst 
wäre man zu einem viel zu großen Erdgrad = 70 naut. miles == 129 500 m ge- 
Jangt.!) Das führte vermutlich zur direkten Kürzung der älteren Sea-legua 
und Übergang zur französisch-englischen Sea-league (20 = 1°. Wann dies bewußt 
in Spanien erfolgt ist, vermag ich zur Zeit.bei dem Mangel an spanischen 
Quellen nicht nachzuweisen. Es dürfte wesentlich im Anschluß an. die französische 
nautische Literatur des 18. Jahrhunderts erfolgt sein. Denn schon D. Jorge Juan 
spricht in seinem Compendio de Navegacion (En Cadix 1757, p. 39 u. 48) nur 
noch von der Legua 20 =1° und milla 60 ==1°: »Los Marineros dividen el 
grado terrestre en 60 partes iguales; la legua maritima consta de tres millas.« 
Indem er (p. 40) dem »grado de los circulos mäximos de 57000 toesos« annimmt, 
zeigt er seinen engen Anschluss an Bouguer (1753 vgl. oben $ 15). Übrigens 
wird weder die Größe der Legua noch der Milla von Juan in Toisen oder 
Fuß angegeben. Seitdem hat die Legua maritima oder Legua legal (= 3 Millas 
maritimas) und ebenso die Milla legal ähnlich wie die Seemeilen der übrigen 
Staaten um 1 bis 2 m geschwankt. Ich bemerke aber ausdrücklich, daß die Frage 
der älteren Entwicklung der spanischen Seemeile noch wenig aufgeklärt ist. 
12. Die französische Lieue marine und englische Sea-league. 
30. Der Ursprung beider scheint bis weit ins 16, Jahrhundert zurückzu- 
gehen, wobei ständig das Verhältnis: 1 Lieue marine = 3 milles marines und 
1 Sea-league = 3 miles wiederkehrt und 20 der ersten auf den Erdgrad gerechnet 
werden. In Frankreich behauptet sich diese Liene marine (20 = 1°) früh gegen 
die Landmeile oder Stundenmeile (25 = 1°). In England ist, wie schon früher 
erwähnt (8 9), die Rechnung nach Sea-leagues in der nautischen Literatur bis 
Ende des 17. Jahrhunderts viel gebräuchlicher als nach Miles gewesen. In 
Frankreich reicht die Herrschaft der Lieue marine weit bis ins 19. Jahrhundert, 
Alexander v. Humboldt bediente sich ihrer mit Vorliebe auch als geographisches 
Wegemaß zu Lande. . 
. Was die absolute Größe der französisch-englischen Seelegua, wie ich sie 
einmal kurz bezeichnen will, betrifft, so macht sie selbstverständlich alle Unsicher- 
heiten der übrigen zum Erdgrad in einfachem Verhältnis stehenden Meilen mit, 
ja man trifft auch direkt auf Widersprüche eigentümlicher Art. Wenn z. B. 
Edw. Wright 1599 dem Erdgrad 17!/, spanische und 20 englische Sea-leagues 
gibt und, wie oben gezeigt, den ersten 5 X 4000 = 20000 Fuß zuteilt,:so mußte 
er — direkt wird es nicht gesagt — der Sea-league 
1 ‚ 
A Abb =— 17500 Fuß 
geben, der Seemeile also 17500: 3 = 58331/, Fuß, während wir anderseits wissen, 
daß bei den britischen Seeleuten bis zu Norwoods Zeiten 1 mile = 5000 Fuß 
gerechnet wurde, Eine Sea-league = 3 Sea-miles enthielt also nach dieser letzten 
Rechnung nur 15 000 Fuß, nicht 17 500. 
Was Frankreich betrifft, so nahmen die Nautiker bis ins 18. Jahrhundert 
hinein die Lieue marine zu 
15000 pieds 
an. Wir sehen, daß der Ingenieur Am. Fr. Fr&zier sich bereits im Beginn des 
18. Jahrhunderts gegen diesen Wert ausspricht, da die Erdmessung der franzö- 
‘) Die »geographische Legua« blieb bis zum 19. Jahrhundert immer im Verhältnis von 
15 :171/, also 6:7 zur deutschen Meile; ihr Wert schwankte daher zuletzt in der Literatur zwischen 
6349 m und 6360 m, je nachdem man die deutsche Meile zu 7408 oder 7420 m annahm,
	        
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