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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

444 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1913. 
Portulan vom Jahre 1445 enthaltenen Distanzangaben längs der atlantischen 
Küste Europas angestellt hat. Dieselben sind bei Versi ganz ausnahmsweise 
nicht in Miglien, sondern in »Leghe« angegeben. Kretschmer fand im Durch- 
schnitt von 18 Fällen 5,5 km für die Legua. 
Daß indessen die Kosmographen nicht durchweg mit dieser Größenannahme 
einverstanden waren, ist verständlich, wenn man sich des Gegensatzes zwischen 
den mehr praktischen Nautikern und den theoretischen Kosmographen jenes 
Zeitalters erinnert, der oben ($ 7) näher skizziert ist. Es muß also an dieser 
Stelle wiederholt werden, daß man sich im 16. Jahrhundert, zum mindesten in 
der ersten Hälfte desselben, unter Kosmographen die Erde wesentlich kleiner 
dachte als unter Nautikern. Während erstere den Erdgrad zu 60 Miglien an- 
nahmen, gaben ihm die Nautiker längst schon 70 Miglien. Die Miglien aber waren 
damals zu Lande und Wasser gleich, d. h. ideell gleich 1000 Schritt zu 5 Fuß. 
Ich möchte den »Licenciado Andres de Poca aus der Stadt Orduna« zu 
diesen skeptischen Kosmographen rechnen, der in seiner in Bilboa 1585 er- 
schienenen Hydrografia, in welchem er ganz auf dem Standpunkt des Petrus 
Apianus vom Jahre 1524 steht, der uns beschäftigenden Frage ein eigenes 
Kapitel widmet, Cap. V.: De la cantidad absoluta de la tierra, y de como el 
grado celeste contiene no mas de 3428 Geometricos. Folgendes zur Erläuterung: 
Er nimmt dort den größten Kugelkreis zu 6300 »leguas Espafiolas com- 
munes« an. Die Länge eines Grades habe man zu Schiff und auf dem Lande zu 
17!/, leguas gefunden, von denen jede 3428 passos geometricos enthalte; jeder 
Schritt = 5 Fuß, deren 3 gemäß der Ausmessung eine Vara ausmachten, Von 
Interesse ist der weitere Zusatz, daß, wenn nach der Ansicht einiger Moderner 
(»segun presuponem algunos Modernos«) die legua Espanola 4000 Schritt, der Grad 
also 15 leguas, der Erdumfang 5400 leguas umfasse, dies nichts anderes als 
leguas Alemanas seien, von denen jede 4 Millas Italianas enthalte. In diesem 
Falle werde aber die legua Espafiola tatsächlich um !/, vergrößert. Was nach 
der oben ausgesprochenen Ansicht Gemeingut der Nautiker des Entdeckungszeit- 
alters war, wird hier also als »moderne Annahme« hingestellt. Dem gegenüber 
sei noch an den Brief erinnert, welchen Gin?s de S6pulveda im Jahre 1543 
an den Prinzen von Spanien, späteren König Philipp II. schrieb:!) Spatium a 
nostris Leucam appelatum non tribus, ut vulgo docti etiam homines opinantur, 
sed quatuor millibus constare, Man erkennt leicht, daß 3428 passus=*%/,-4000 und 
3428 X 6300 = 4000 X 5400 == 21 600 Miglien sind, 
29. Der größere Wert der Legua scheint in der Tat obgesiegt zu haben. 
Edward Wright, der berühmte Nacherfinder der Merkatorprojektion oder der, 
welcher die ersten Berechnungen für die wachsenden Breiten in seinem 1599 zu- 
erst erschienenen Werke »Certain Errors in Navigation detected and corrected« 
gegeben hat, bedient sich bei den wenigen Entfernungsangaben, die darin vor- 
kommen, mit Vorliebe der spanischen Meilen. Fast mit denselben Worten, wie 
Poca, gibt er in Cap. VIII des II. Buches dem Umfang der Erde 6300 »common 
Spanish leagues«, Mißt man im Meridian genau einen Grad, so: »it is found both 
by Navigation at Sea and also by travel on land, that the two foresaid points 
(die Endpunkte eines Grades) distant each from other 17 leagues and half: of 
which leagues, each one conteineth 4000 paces, every pace 5 foot, every foot 
16 fingers and every finger 4 grains of barley«. Auch diese letztere Beschreibung 
ist völlig identisch mit der Apians vom Jahre 1524, An einer späteren Stelle 
(Cap. XIX) beschreibt Wright die Wegemaßstäbe einer Seekarte, »The fifth is 
the scale of leagues, which you may see whether it be true, by taking betwixt 
the points of your compasses (d. h. zwischen den Spitzen des Zirkels) just 4 de- 
grees out of the line of graduation which being applied to the scale of leagues 
must there agree exactly with 
70 Spanish leagues or 80 English.« 
Hiernach kann kein Zweifel sein, daß Wright an dieser Stelle den Erdgrad zu 
5.4000 - 17.5 — 350 000 Fuß 
"7 D’Anville, Trait& des mesures itineraires anciennes et modernes, Paris 1759, p. 135.
	        
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