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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXTI. Jahrg. (1913), Heft IX. 
14 
Zur Geschichte der Seemeile. 
Von Professor Dr. Hermann Wagner, Göttingen. 
[Schluß.] 
10. Die Meridianminute der mittleren Breite. 
26. Es bleibt zum Schluß noch der Hinweis erforderlich, daß die britischen 
Admiralitätskarten — aber auch die neueren Lehr- und Handbücher der Navi- 
gation — einen festen Wert für die Seemeile nicht kennen, Sie sehen vielmehr bei 
den Seekarten die für die Kartenmitte maßgebende Breiten- oder Meridianminute 
als Seemeile an, In Zahlenbeispielen der Lehrbücher wird die für irgendeine Breite 
gültige Meridianminute in Rechnung gezogen. Der technische Ausdruck in den 
Erklärungen in den offiziellen Catalogues of Admiralty Charts, Plans and Sailing 
Direetions lautet: 
A Geographical or Nautical mile i.e.a Minute of Mid-latitude is the unit 
of measurement = m. 
Dieser altübliche Ausdruck ist gelegentlich in Deutschland mißverstanden 
worden; so unzweifelhaft von K. Zöppritz'!), wenn er 1882 sagte: »Die deutsche 
und englische Marine sowie das französische Bureau des Longitudes definieren die 
Seemeile als den 5400. Teil des Erdmeridianquadranten, oder was dasselbe ist (sic!), 
als a minute of Mid-latitude (s. z. B. die Erklärung der Abkürzungen eingangs 
des Admiralty Catalogue of charts, London).« Offenbar hat Zöppritz den Aus- 
druck »a minute of Mid-latitude« verwechselt mit: »an average minute of latitude.« 
Diese Unterscheidung der mittleren Breitenminute von der »Minute in 
mittlerer Breite« ist bedeutungsvoll, sobald man die übliche Maßstabsbezeichnung 
für die britischen Admiralitätskarten, z. B. 
m = 0,5 inches 
in den natürlichen Maßstab 1:M verwandeln wollte, der doch allein die rasche 
Vergleichung mit anderen, nicht britischen Seekarten ermöglicht. Bisher wird 
auf britischen Admiralitätskarten der natürliche Maßstab nur. ganz selten an- 
gebracht. Es würden aber, je nach der Breitenlage des auf der Karte dargestellten 
Gebiets, andere Werte aus . 
m = 0.5 inches 
herausspringen, falls man für m statt des wahren Wertes der Minute für die be- 
treffende Mittelbreite der Karte den üblichen Mittelwert für die Seemeile einstellen 
wollte. Während der Mittelwert ) ; 
m = 6080.2 f = 0,5 inches den Maßstab 1 :145 925 
ergibt, kann der nach dem Einzelwert der Minute berechnete Maßstab zwischen 
m = 6045.9 f = 0.5’ für die Breite von 0°, Maßstab 1: 145 100 
bis m=—6107.91= 0.5 « « « « 90°, « . 1:146 590 
schwanken, 
Daß diese geringen Unterschiede im Modul des Maßstabes — im obigen 
Beispiel sind die Extremwerte genommen — für die bloße Kennzeichnung der 
Karten gleichgültig sind und man also für solche Karten im Maßstab m = 0.5 ein- 
fach 1: 146 000 als natürlichen Maßstab setzen könnte, ist eine Sache für sich. 
Ebenso wird infolge des Zusammenziehens des. Papieres der Versuch, den natür- 
lichen Maßstab einer gedruckt vorliegenden englischen Admiralitätskarte genau 
zu bestimmen, in weit höherem Maße vereitelt als durch verschiedene Annahmen 
über die Größe der Meridianminute. 
In betreff des Kartenmaßstabes sei eine Zwischenbemerkung gestattet. 
Wie ich einer Mitteilung des Hydrographic Department, Admiralty, entnehme, 
beabsichtigt man in London nicht, in den Karten-Katalogen oder auf den Karten 
selbst neben der bisherigen Maßstabsbezeichnung auch den natürlichen Maßstab, 
1 :M, nachträglich anzubringen, Der Brite ist an die übliche Form des Vergleichs 
 Geogr. Jahrbuch, Gotha. IX. 1882. S. XIV 
Ann. d. Hydr. usw. 1913. Heft TX.
	        
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