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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Neuere Veröffentlichungen, 
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in der Länderkunde im allgemeinen als charakteristische Vertreter der Tierwelt wertet, weil sie sich 
im Landschaftsbilde als eine unmittelbar auffallende Erscheinung bemerkbar machen... Dementsprechend 
wird denn auch in den. Schiffstagebüchern wesentlich nur über Wale, Vögel und fliegende Fische be- 
-jchtet, Beobachtungen, die von Schott mehrfach verwertet sind. Mit hesonderem Interesse z. B, ver- 
folgt man auf der Karte die nach über 1000 Schiffsreisen festgestellten, mit den Jahreszeiten sich 
nordwärts und südwärts verschiebenden Polargrenzen des Verbreitungsgebietes der fliegenden Fische, 
Man kann daher die getroffene Auswahl unter den rein zoologischen Tatsachen des Ozeans ver- 
stehen, eben aus der bezeichneten Eigenart des Buches heraus; denn gerade in der Meeresbiologie ist 
zieles dem allgemeineren Verständnis nicht ganz leicht: zugänglich zu machen, und vieles ist auch 
gerade hier noch mehr Frage als sicheres Ergebnis der Forschung. Trotzdem wird man es in gewisser 
Weise bedauern können, Denn damit entfällt. manche Möglichkeit, biogeographische Tatbestände zu 
den natürlichen Regionen des Atlantischen Wassers in Beziehungen zu setzen, was durch ein näheres 
Eingehen auf die Kleinlebewelt der Pflanzen und Tiere möglich wäre und engere Abhängigkeiten er- 
kennen ließe, als sie jetzt bei den wenigen Fällen scharf zu ziehender Grenzen mit besonderer Be- 
friedigung festgestellt werden. Auch die bedeutsame Frage nach der Ursache des bei der Warm- 
wasserregion erwähnten Unterschiedes in der Üppigkeit, mit der sich das Leben hier und in den 
Gewässern höherer Breiten entwickelt, hätte zur Erörterung solcher Beziehungen zu der Wasser- 
mischung und zu der auch sonst biologisch nicht minder als hydrographisch wichtigen Vertikal- 
zirkulation Gelegenheit geboten. Vor allem aber ist wohl auch aus dem angegebenen Grunde eine 
Behandlung der doch biogeographisch grundlegenden Eigenschaft des Ozeans als eines Lebensraumes unter- 
blieben, der nicht, wie der uns geläufige Lebensraum des Landes im wesentlichen zweidimensional aus- 
zedehnt ist, eben deshalb aber höchst eigenartige Lebensbedingungen aufweist. und auch besondere 
Möglichkeiten der Wege für den Fortschritt seiner Besiedelung eröffnet. 
Gewiß sind das vorwiegend Fragen der allgemeinen Meereskunde und es mag strittig sein, wie 
weit sie in einer Geographie des Atlantischen Ozeans zu behandeln wären, ; 
. Noch strittiger — Schott deutet das selbst in seinem Vorwort an — ist unzweifelhaft die 
Frage: ‚wie weit anthropogeographische Fragen in so eine Ozeangeographie einzubeziehen wären, In dem 
vorliegenden Werk sind eigentlich nur die Wege des transozeanischen Verkehrs berücksichtigt; sie sind 
mit der bei Schott gewohnten Sicherheit und Schärfe der Schilderung ihrer physikalischen Grundlagen 
dargestellt. Die Tatsache aber, daß der Verkehr so da ist, wie er ist, dank der Abdachung der umgebenden 
Kontinente in breitester Fläche nach eben diesem Meere zu, dank der Bevölkerungsverteilung, der Lage 
und Eigenart der verschiedenen in Austausch tretenden Produktionsstätten und Wirtschaftsgebiete — 
alle solche Tatbestände werden als gegeben hingenommen und als bekannt vorausgesetzt. Und doch 
braucht man nur an die Indischen und Pazifischen Gegenbilder zu denken, um derartige Fragen wohl 
mit ebenso großem, wenn nicht größerem Recht einer Geographie des Atlantischen Ozeans zuzuweisen, 
wie die meisten Dinge in dem Kapitel Geologische Tatsachen im Bereich dieses Meeres. 
Aber das sind Erwägungen über eine Abgrenzung des Stoffs; und diesen nachzugehen, wäre 
hier nicht der Platz. Dahin gehörte auch die Frage, warum wohl die Wellen des Atlantischen und 
warum seine Gezeiten nicht näher behandelt werden. Von jenen ist nur ein wenig bei den geologischen 
Agentien die Rede; diese kommen fast nur auf der Strömungskarte in der Darstellung der Gebiete 
mit vorwiegenden Gezeitenströmungen zur Erwähnung, 
Der erste Versuch einer Geographie des Atlantischen Ozeans ist begreiflicherweise auch in der 
Stoffbegrenzung ein Versuch; von einem anderen Verfasser wäre er hier und da sicher wohl anders 
ausgeführt worden. Hier kommt es lediglich darauf an, die Eigenart des vorliegenden Buches und 
seiner Darstellung in großen Zügen zu zeichnen. 
Aber auch wenn ein anderer Verfasser dieses und jenes mit in den Kreis seiner Aufgabe ge- 
zogen hätte, was in dem vorliegenden Werk beiseit gelassen ist, er wäre dann nur noch mehr dessen 
inne geworden, was auch Schott hat des öfteren empfinden müssen, daß die Einzelforschung, die 
doch für den Aufbau einer Ozeangeographie nach Art einer Länderkunde erst die notwendigen Bausteine 
liefern muß, noch gar sehr der Erweiterung und Vertiefung bedarf. Um so mehr ist der Versuch an- 
zuerkennen, der zeigt, was bei dem derzeitigen Stande geleistet werden konnte. Schott hat die Arbeit 
gewagt, obgleich er sich der Lücken in unserer Erkenntnis. dieses immerhin noch bestbekannten aller 
Ozeane durchaus bewußt ist. Hat doch gerade auch er wiederholt seine Stimme dahin erhoben, man 
solle durch internationale Organisation der Forschung dem großen Unbekannten, diesem »Mare in- 
zognitum«, seine Geheimnisse zu entringen versuchen, was mehr Erfolg verspräche, als die Einzel- 
untersuchungen und Einzelfahrten, die bisher allein ausgeführt worden sind, und die sich zeitlich und 
‚äumlich doch immer mehr oder weniger als Gelegenheitsarbeit darstellen. Möge die Geographie 
des Atlantischen Ozeans an ihrem Teile dazu beitragen, daß der Wunsch ihres Verfassers nach um- 
fangreicherer Forschungsarbeit im Felde erfüllt werde; möge sie auch auf anthropogeographische 
Einzelarbeiten anregend wirken, und damit einem Gebiet meereskundlicher Forschung neue Arbeitskräfte 
zuführen, das mehr als bisher von geographischen Gesichtspunkten aus bearbeitet zu werden verdient, 
Noch eins zum Schluß, Undankbar wäre es, wollte ich nicht auch der bemerkenswerten und 
in hohem Maße dankwürdigen Tatsache gedenken, daß neben wissenschaftlichen vor allem auch kauf- 
männische und Schiffahrt treibende Kreise Hamburgs durch ihre Unterstützung die Herausgabe des 
Buches ermöglicht haben; und das in einer Form, zu der man den Verfasser auch um der Sache 
willen nur beglückwünschen kann, Auf diese Weise ist eine Verbreitung des Werks und eine Be- 
nutzung seiner klaren und anschaulichen Kartenbilder auch in Lehranstalten in einem Umfang 
möglich, wie sie trotz ihres hohen Wertes die Valdiviakarten Schotts nie haben finden können. Auch 
ler Umstand, daß hier einige Karten, deren Vorgänger, Blatt hinter Blatt, sich für ein vergleichendes 
Studium nur schwer benutzen ließen, auf derselben Seite dargeboten werden, wird allgemein dankbar 
begrüßt werden, Walter Stahlberg.
	        
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