Neuere Veröffentlichungen,
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in der Länderkunde im allgemeinen als charakteristische Vertreter der Tierwelt wertet, weil sie sich
im Landschaftsbilde als eine unmittelbar auffallende Erscheinung bemerkbar machen... Dementsprechend
wird denn auch in den. Schiffstagebüchern wesentlich nur über Wale, Vögel und fliegende Fische be-
-jchtet, Beobachtungen, die von Schott mehrfach verwertet sind. Mit hesonderem Interesse z. B, ver-
folgt man auf der Karte die nach über 1000 Schiffsreisen festgestellten, mit den Jahreszeiten sich
nordwärts und südwärts verschiebenden Polargrenzen des Verbreitungsgebietes der fliegenden Fische,
Man kann daher die getroffene Auswahl unter den rein zoologischen Tatsachen des Ozeans ver-
stehen, eben aus der bezeichneten Eigenart des Buches heraus; denn gerade in der Meeresbiologie ist
zieles dem allgemeineren Verständnis nicht ganz leicht: zugänglich zu machen, und vieles ist auch
gerade hier noch mehr Frage als sicheres Ergebnis der Forschung. Trotzdem wird man es in gewisser
Weise bedauern können, Denn damit entfällt. manche Möglichkeit, biogeographische Tatbestände zu
den natürlichen Regionen des Atlantischen Wassers in Beziehungen zu setzen, was durch ein näheres
Eingehen auf die Kleinlebewelt der Pflanzen und Tiere möglich wäre und engere Abhängigkeiten er-
kennen ließe, als sie jetzt bei den wenigen Fällen scharf zu ziehender Grenzen mit besonderer Be-
friedigung festgestellt werden. Auch die bedeutsame Frage nach der Ursache des bei der Warm-
wasserregion erwähnten Unterschiedes in der Üppigkeit, mit der sich das Leben hier und in den
Gewässern höherer Breiten entwickelt, hätte zur Erörterung solcher Beziehungen zu der Wasser-
mischung und zu der auch sonst biologisch nicht minder als hydrographisch wichtigen Vertikal-
zirkulation Gelegenheit geboten. Vor allem aber ist wohl auch aus dem angegebenen Grunde eine
Behandlung der doch biogeographisch grundlegenden Eigenschaft des Ozeans als eines Lebensraumes unter-
blieben, der nicht, wie der uns geläufige Lebensraum des Landes im wesentlichen zweidimensional aus-
zedehnt ist, eben deshalb aber höchst eigenartige Lebensbedingungen aufweist. und auch besondere
Möglichkeiten der Wege für den Fortschritt seiner Besiedelung eröffnet.
Gewiß sind das vorwiegend Fragen der allgemeinen Meereskunde und es mag strittig sein, wie
weit sie in einer Geographie des Atlantischen Ozeans zu behandeln wären, ;
. Noch strittiger — Schott deutet das selbst in seinem Vorwort an — ist unzweifelhaft die
Frage: ‚wie weit anthropogeographische Fragen in so eine Ozeangeographie einzubeziehen wären, In dem
vorliegenden Werk sind eigentlich nur die Wege des transozeanischen Verkehrs berücksichtigt; sie sind
mit der bei Schott gewohnten Sicherheit und Schärfe der Schilderung ihrer physikalischen Grundlagen
dargestellt. Die Tatsache aber, daß der Verkehr so da ist, wie er ist, dank der Abdachung der umgebenden
Kontinente in breitester Fläche nach eben diesem Meere zu, dank der Bevölkerungsverteilung, der Lage
und Eigenart der verschiedenen in Austausch tretenden Produktionsstätten und Wirtschaftsgebiete —
alle solche Tatbestände werden als gegeben hingenommen und als bekannt vorausgesetzt. Und doch
braucht man nur an die Indischen und Pazifischen Gegenbilder zu denken, um derartige Fragen wohl
mit ebenso großem, wenn nicht größerem Recht einer Geographie des Atlantischen Ozeans zuzuweisen,
wie die meisten Dinge in dem Kapitel Geologische Tatsachen im Bereich dieses Meeres.
Aber das sind Erwägungen über eine Abgrenzung des Stoffs; und diesen nachzugehen, wäre
hier nicht der Platz. Dahin gehörte auch die Frage, warum wohl die Wellen des Atlantischen und
warum seine Gezeiten nicht näher behandelt werden. Von jenen ist nur ein wenig bei den geologischen
Agentien die Rede; diese kommen fast nur auf der Strömungskarte in der Darstellung der Gebiete
mit vorwiegenden Gezeitenströmungen zur Erwähnung,
Der erste Versuch einer Geographie des Atlantischen Ozeans ist begreiflicherweise auch in der
Stoffbegrenzung ein Versuch; von einem anderen Verfasser wäre er hier und da sicher wohl anders
ausgeführt worden. Hier kommt es lediglich darauf an, die Eigenart des vorliegenden Buches und
seiner Darstellung in großen Zügen zu zeichnen.
Aber auch wenn ein anderer Verfasser dieses und jenes mit in den Kreis seiner Aufgabe ge-
zogen hätte, was in dem vorliegenden Werk beiseit gelassen ist, er wäre dann nur noch mehr dessen
inne geworden, was auch Schott hat des öfteren empfinden müssen, daß die Einzelforschung, die
doch für den Aufbau einer Ozeangeographie nach Art einer Länderkunde erst die notwendigen Bausteine
liefern muß, noch gar sehr der Erweiterung und Vertiefung bedarf. Um so mehr ist der Versuch an-
zuerkennen, der zeigt, was bei dem derzeitigen Stande geleistet werden konnte. Schott hat die Arbeit
gewagt, obgleich er sich der Lücken in unserer Erkenntnis. dieses immerhin noch bestbekannten aller
Ozeane durchaus bewußt ist. Hat doch gerade auch er wiederholt seine Stimme dahin erhoben, man
solle durch internationale Organisation der Forschung dem großen Unbekannten, diesem »Mare in-
zognitum«, seine Geheimnisse zu entringen versuchen, was mehr Erfolg verspräche, als die Einzel-
untersuchungen und Einzelfahrten, die bisher allein ausgeführt worden sind, und die sich zeitlich und
‚äumlich doch immer mehr oder weniger als Gelegenheitsarbeit darstellen. Möge die Geographie
des Atlantischen Ozeans an ihrem Teile dazu beitragen, daß der Wunsch ihres Verfassers nach um-
fangreicherer Forschungsarbeit im Felde erfüllt werde; möge sie auch auf anthropogeographische
Einzelarbeiten anregend wirken, und damit einem Gebiet meereskundlicher Forschung neue Arbeitskräfte
zuführen, das mehr als bisher von geographischen Gesichtspunkten aus bearbeitet zu werden verdient,
Noch eins zum Schluß, Undankbar wäre es, wollte ich nicht auch der bemerkenswerten und
in hohem Maße dankwürdigen Tatsache gedenken, daß neben wissenschaftlichen vor allem auch kauf-
männische und Schiffahrt treibende Kreise Hamburgs durch ihre Unterstützung die Herausgabe des
Buches ermöglicht haben; und das in einer Form, zu der man den Verfasser auch um der Sache
willen nur beglückwünschen kann, Auf diese Weise ist eine Verbreitung des Werks und eine Be-
nutzung seiner klaren und anschaulichen Kartenbilder auch in Lehranstalten in einem Umfang
möglich, wie sie trotz ihres hohen Wertes die Valdiviakarten Schotts nie haben finden können. Auch
ler Umstand, daß hier einige Karten, deren Vorgänger, Blatt hinter Blatt, sich für ein vergleichendes
Studium nur schwer benutzen ließen, auf derselben Seite dargeboten werden, wird allgemein dankbar
begrüßt werden, Walter Stahlberg.