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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

134 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913, 
geleitet, innerhalb der allgemeinen Züge durch Herausarbeiten von KEinzelformen einer in der Natur 
vorausgesetzten größeren Bewegung der Meeresbodenplastik zu entsprechen. Bei Schott dagegen ist 
die ganze Zeichnung und Darstellung vor allem auf das Vereinfachende, Großzügige, auf Schaffung 
von Klarheit und Übersichtlichkeit gestimmt, auf die Herauspräparierung oder besser gesagt Heraus- 
stellung der mittelatlantischen Schwelle und der zu ihren Seiten angeordneten großen Becken und 
Mulden; und man kann gar nicht im Zweifel darüber sein, daß gerade diese Darstellung der Boden- 
verhältnisse sich ganz in den Rahmen des vorliegenden Buches einfügt. 
In allen Teilen des Werks kommt. die Absicht Schotts und seine hochentwickelte Fähigkeit, 
den Gegenstand anschaulich kartographisch zu erfassen und wiederzugeben, zu voller Geltung. Nur 
ausnahmsweise wird man eine Darstellung, wie das Schema vom allmählichen Untersinken des Golf- 
stromwassers im nördlichen Ozean, als nicht besonders gelungen empfinden oder die gewählte Darstellung 
ändern wollen — 80 erscheint mir z. B. ein Vorzeichenwechsel in dem Kartenbild über den Unterschied 
der Wasser- und Lufttemperatur tür ein meereskundliches Werk erwünscht, weil dann die Anschauung 
unmittelbarer dem Verständnis diente, und weil das auch dem tatsächlichen Verlauf der Wärmeüber- 
tragung besser entspräche, Das erfolgreiche Bestreben, dem Leser zu einem möglichst anschaulichen 
Erfassen der Dinge zu verhelfen, zeigt sich auch darin, daß Maß und Zahl als die wesentliche Grund- 
lage für die Auffassung geographischer Räume bei der ganzen Anlage des Buches hoch bewertet und 
daß sie daher ausgiebig herangezogen sind. Sehr bezeichnend gewählte Streckenabmessungen schaffen 
ein gutes Bild von den wesentlichen Zügen der Ozeangestalt; und eine Fülle neuer Flächenausmessungen, 
denen mur der Sachkundige die dazu aufgewandte Mühe ansieht, sichern erst das rechte Verständnis 
für das Gewicht der Tatsachen, denen sie gelten. Endlich geben auch die mancherlei vergleichenden 
Hinweise des Verfassers auf bekannte kontinentale Größen ein willkommenes und nützliches Gerüst 
für feste und bestimmte Raumvorstellungen ab. Nur an einer Stelle — man verzeihe diese Ab- 
schweifung — hat das Gefühl für das Maß etwas versagt: das Mottodistichon ist im Maß nicht ganz 
einwandfrei behandelt. 
Was nun die Herausarbeitung einzelner natürlicher Landschaften betrifft, um mit dem Ausdruck 
im Bilde des Vorworts zu bleiben, so werden je nach dem Gegenstande der Behandlung: Tiefen- 
verhältnisse, Wasser, Klima — der immer zunächst in allgemeiner Übersicht geschildert wird, ver- 
schiedene »Regionen« abgesondert, so daß die folgenden drei Gruppen nebeneinander stehen: 
1. Als Einzelregionen der Atlantischen Bodengestaltung: Das Weddellmeer und die Argentinischen 
Gewässer; das Gebiet von der Bouvet-Insel bis zum Walfischrücken —, das Brasilianische Becken; die 
Westafrikanische Mulde — die Westindischen Tiefen; die Tiefen vom Aquator bis New York; die Ost- 
atlantischen Inseltiefen — das Atlantische Telegraphenplateau (schade, daß der Name wieder in Kurs 
gesetzt wird!) und seine Nachbargebiete — die Tiefen des Europäischen Nordmeers — das Nord- 
polarbecken. 
2, Als natürliche Regionen des Atlantischen Wassers: Das Weddellmeer — die Region zwischen 
Kap Horn und Kap der Guten Hoffnung — die Brasilianische Region; die Südwestafrikanische Region 
— "die Äquatorialregion — der Golfstrom; die Sargassosee; die Nordwestafrikanische Region — die 
Amerikanischen Kaltwassergebiete; das Gebiet der Atlantischen Trift — das Europäische Nordmeer — 
das Nordpolarbecken. 
3. Als Klimaregionen des Atlantischen Ozeans: Die Weddellmeer-Region — die Westwind- 
region der kalten Zone — die Patagonische Region; die stürmischen Vierziger Breiten; die Südwest- 
afrikanische Region — die Region des Südostpassats — die Region des Nordostpassats; die Region 
des Südwestmonsuns — die Golfstromregion; die Marokkanische Region — die Neufundland-Region; 
die Westeuropäische Region — die Baffin-Bai-Region; die Region des Europäischen Nordmeers — das 
Nordpolarbecken, 
In jeder der drei Gruppen werden die Regionen der Reihe nach systematisch beschrieben, indem 
jeweils die allgemeinen Züge des in Rede stehenden Elements und einzelne aus dem Gebiete zu er- 
wähnende Besonderheiten geschildert werden. _ Dabei sind für die Regionen des Atlantischen Wassers 
jeweils einige geschickt gewählte, in dem Übersichtskärtehen auch eingetragene ozeanographische 
Stationen über Temperatur und Salzgehalt in den verschiedenen Tiefenschichten mitgeteilt und zu 
näherer Charakterisierung der Region verarbeitet, Bei den Schilderungen schöpft der Verfasser wieder- 
holt aus den in der Deutschen Seewarte gesammelten Erfahrungen der Schiffahrt und weiß so das 
Bild besonders lebendig zu gestalten. Das reiche Beobachtungsmaterial der Seewarte bildet jedenfalls 
auch die Grundlage für die zum Teil neue Linienführung der Karten, 
Natürlich decken sich die Regionen der einen Gruppe nicht mit denen der beiden andern, 
und die Grenzen der einen Region gehen bisweilen mitten durch die Regionen der anderen Gruppen 
nindurch. Das Klima hängt eben in keiner Weise mit den Formen des unterlagernden Meeresbodens 
zusammen, ganz anders als das auf der festen Landoberfläche ist, wo die Gestaltung der Bodenplastik 
oft wesentlich bei der Herausbildung der klimatologischen Eigenheiten eines Gebiets beteiligt ist, 
Und selbst bei der Wassermasse ist eine Beziehung zum Meeresboden unur in verschwindendem Maß 
vorhanden. Konnten doch die natürlichen Regionen des Atlantischen Wassers allein nach den Tat- 
veständen der obersten Wasserschicht gebildet werden. Sie lagern ja über einer weit weniger 
‚lifferenzierten Unterschicht von viel größerer Mächtigkeit, als sie selbst sind; der weitaus größte Teil 
der Atlantischen Wassermasse hat also an den unterschiedenen natürlichen Regionen überhaupt keinen 
Anteil. Schott scheidet dieses Tiefseegebiet bei der Aufstellung der natürlichen Regionen nicht mehr 
besonders aus, nachdem er die von ihm immer mit besonderer Liebe gepflegten Beziehungen zwischen 
Bodenplastik und Temperatur der großen Ozeantiefen bereits bei den Tiefenverhältnissen behandelt hat, 
Ähnlich berücksichtigt er für die Abgrenzung der einzelnen Bezirke der Lebewesen des Atlan- 
lantischen Ozeans auch nur die Oberflächenerscheinungen der in ihrem ganzen Dasein an das Luftmeer 
gebundenen Vögel und Säugetiere sowie einige Fische der obersten Schicht. Für diese Auswahl wird 
der Umstand maßgebend gewesen sein, daß grade diese Tiere für das Meer das abgeben, was man auch
	        
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