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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Neuere Veröffentlichungen. 
5 Yan 
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Neuere Veröffentlichungen. 
A, Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben. 
Prof. Dr. Gerhard Schott: Geographie des Atlantischen Ozeans. 80%, XII u. 
330 S. Mit 1 Titelbild, 28 Tafeln u. 90 Textfig. C. Boysen. Hamburg 1912, 
Preis brosch. 23 X, geb. 25 M. 
Als Schott 1902 die Ergebnisse seiner Arbeiten auf der »Valdivia« durch das Einbeziehen 
aller einschlägigen Kenntnisse zu einem umfassenden Bilde der Ozeanographie des Atlantischen und 
Indischen Ozeans erweitert hatte, sprach Ferdinand von Richthofen sein anerkennendes Urteil 
über die beiden stattlichen Bände ‚gelegentlich dahin aus: eine bedeutende Leistung, so ein Buch 
schreibt man nur einmal, 
An dieses Wort mußte ich denken, als ich das vorliegende Werk in die Hand bekam und 
durch die schönen Tafeln über die physikalischen Verhältnisse in der Mitte des Bandes, die sofort den 
ersten Blick auf sich lenken, lebhaft an die Blätter des Atlasses im Valdiviawerk erinnert wurde, für 
den die weitgehende Anwendung der gleichen Darstellungsweise ein besonders bezeichnender Vorzug 
war. Dieser erste Gedanke mußte aber bald der Einsicht weichen, daß es doch ein recht anderes 
Werk ist, das hier vorliegt. 
Bei näherem Vergleich unterscheiden sich schon besagte Karten, wenn nicht methodisch, so 
doch inhaltlich von ihren Vorgängern. Nicht nur, daß das kartographische Bild ein anderes ist und 
für den hier allein behandelten Atlantischen Ozean ganz allgemein viel günstigere Darstellungs- 
bedingungen bietet; nicht nur, daß im besonderen eine erhebliche Erweiterung nach Norden und die 
volle Einbeziehung des Mexikanischen Golfs möglich geworden ist: die Karten bringen auch, der weiter 
fortgeschrittenen Erforschung Rechnung tragend, viele größere Anderungen in der Linienführung, Am 
meisten fällt in die Augen, daß das Amerikanische Mittelmeer jetzt viel enger an den offenen Ozean 
angeschlossen erscheint; durch die ostwestlich quer durch den Bogen der Kleinen Antillen verlaufenden 
[sothermen der Oberfläche wie der Tiefenschichten von 100, 200, 400 und 1000 m stellen sich seine 
Wassermassen ‚als ein unabtrennbarer Teil des Gesamtozeans dar, was denn auch jetzt in der Zeichnung 
der Stromfäden auf der Strömungskarte stärker betont ist als damals, 
Bei weiterem Blättern stößt man alsbald auf eine andere stattliche Kartenreihe klimatologischen 
Inhalts, die in gleich wirksamer Ausführung und für.die Temperatur auch in gleicher Ausführlichkeit 
zegeben ist. Sie behandelt Lufttemperatur, Druck, Winde, Bewölkung und Niederschlag. Neben den 
Kartenblättern finden wir, zum Teil in geradezu vornehmer Wiedergabe, noch eine ganze Reihe höchst 
anschaulicher Kartenskizzen und Textfiguren, wie wir sie aus Arbeiten Schotts, aus Veröffentlichungen 
der Deutschen Seewarte und aus anderen wertvollen Studien des letzten Jahrzehnts ozeanographischer 
Forschung in Erinnerung haben. Ferner sind Tatsachen des Tierlebens im Ozean und des atlantischen 
Verkehrs dazugekommen, indem die Verbreitung der Vögel, Meeressäugetiere und einiger Fische sowie 
lie Erscheinungen der riffbauenden Korallen und der Sargassosee besprochen. die nautischen Eigen- 
tümlichkeiten der Segel- und Dampfschiffahrtswege eingehender erörtert und eine Karte des Welt- 
verkehrs sowie eine der atlantischen Kabellinien und Funkspruchstationen erläutert werden. Vorher 
aber gehen noch drei Kapitel: das erste gibt eine geschichtliche Übersicht über die Entschleierung und 
Festlegung der atlantischen Küsten sowie über die Bemühungen der Tiefseeforschung um eine Er- 
kenntnis der Gestalt des Ozeanbeckens und der Eigenschaften sciner Wassermassen; das zweite enthält 
Erörterungen und Berechnungen über Name, Grenzen, Gliederung und Größe des Atlantischen Ozeans, und 
das dritte bringt eine Zusammenstellung geologischer Tatsachen im Bereich dieses Meeres, 
-So sehen wir denn ein in seiner Anlage völlig neues Buch eigener Art vor uns, War das 
Valdiviawerk dem Verfasser gleichsam unter den Händen bei umschauender und vergleichender Arbeit 
aus einem Bericht über die Fahrt zu einer Darstellung des ganzen Ozeans geworden, so hat Schott 
hier von vornherein weiter gegriffen und bewußtermaßen einen ersten Versuch gemacht, ein »abgerundetes 
geographisches Bild eines Einzelozeans als einer geographischen Einheit zu entwerfen«, Er will sein 
Buch neben die Lehrbücher der allgemeinen Ozeanographie etwa so hinstellen, wie »neben der physischen 
allgemeinen Erdkunde die zusammenfassende Beschreibung von Festländern und einzelnen Festlands- 
teilen nach natürlichen Landschaften« stehen; die Geographie des Atlantischen Ozeans soll das Gegen- 
stück zu einer Landschaftsgeographie sein. 
Dieses Bestreben und zugleich der ausgesprochene, sehr anerkennenswerte Wunsch, auch. see- 
männische und weite andere Kreise für die Sache zu gewinnen, die nur gelegentlich zu Berufs-, Er- 
holungs- und Vergnügungszwecken die See befahren, bei denen also für eine im engeren Sinne fach- 
wissenschaftliche Betrachtung sicher keine Neigung zu finden sein wird — diese Umstände haben den 
Verfasser zu einer Darstellung bestimmt, bei der Fragen und Probleme, die sich an beobachtete Tat- 
sachen und ihre Deutung knüpfen, etwas zurücktreten und Kenntnisse und Auffassungen bisweilen 
stwas abgeschlossener und sicherer erscheinen, als sie sind, Das Ideal einer Länderkunde ist ja. unter 
Aufbietung aller Mittel der allgemeinen Erdkunde und unter Ausnützung aller vorhandenen Einzel- 
Forschungen den zusammenfassenden‘ und krönenden Abschluß der bis dahin geleisteten gesamten geo- 
graphischen Forschung für das betreffende Gebiet zu geben, 
Bezeichnend ist in dieser Beziehung ein Vergleich der Tiefenkarte Schotts mit der etwa 
gleichzeitig veröffentlichten Bearbeitung desselben Gegenstandes durch Groll, die nach ihrer ganzen 
Anlage in erster Linie dem suchenden und fragenden Fachgeographen dienen will, Bei Groll kommt 
neben dem Bemühen, die großen‘ Formen der Bodengestaltung darzustellen, vor allem die Sorge zum 
Ausdruck, immer auch den Grad der Sicherheit oder, man kann geradezu sagen, den Grad der Un- 
sicherheit unserer Erkenntnis hervortreten zu lassen: im übrigen ist er offenbar von dem Bestreben 
Ann. dg. Hydr. usw... 1913. Heft VIIT
	        
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