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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Baschin, O.: Beeinflussung der Temperatur des Meerwassers durch die Nachbarschaft v, Eisbergen, 417 
akkumulatoren großen Maßstabes.!) Schon v. Kalecsinsky wies darauf hin, daß 
auch im Ozean, dessen Wasser allerdings von viel geringerer Dichte ist als das- 
jenige der ungarischen Salzseen, an der Mündung von Flüssen oder von sub- 
marinen Süßwasserquellen stellenweise ein Steigen der Temperatur eintreten 
könne, das jedoch bedeutend kleiner sein muß als bei den Salzseen. Man hätte 
eigentlich erwarten dürfen, daß es der so intensiv betriebenen ozeanographischen 
Forschung der Neuzeit gelungen wäre, analoge Verhältnisse im Ozean aufzufinden, 
Allerdings ist zu berücksichtigen, daß überall dort, wo Süßwasser, sei es durch 
Einmündung von Flüssen oder durch Regenfall, eine dünne Schicht über dem 
Salzwasser des Meeres bildet, bald infolge der Verdunstung und der durch die 
Wellenbewegung begünstigten Mischung wieder eine Homogenität der Flüssigkeit 
hergestellt wird, die den »Süßwasser-Deckschicht-Effekt«, wie ich ihn nennen 
möchte, nicht zustande kommen läßt. 2 
Nun ist es aber allgemein bekannt, daß gerade in eiserfüllten Meeresteilen 
die Wellenbewegung eine außerordentlich starke Dämpfung erleidet, so daß deren 
störender Einfluß daselbst fortfällt. Auch kann das Süßwasser nicht durch die 
Verdunstung entfernt werden, da der Eisberg, so lange er existiert, eine un- 
erschöpfliche Quelle von Süßwasser darstellt. Man müßte also a priori annehmen, 
daß die oberen Schichten des Ozeanwassers, die von Eisbergschmelzwasser über- 
deckt sind, bei heiterem Wetter eine um so höhere Temperatur annehmen müssen, 
je länger diese Überdeckung gedauert hat. Da nach der übereinstimmenden An- 
sicht von Aitken, Pettersson und Barnes ein Zuströmen des Wassers nach 
dem Eisberg hin stattfindet, so wäre also in dessen Nähe, jedoch noch außerhalb 
des Bereiches seiner Ausstrahlung, die ‚höchste Temperatur der oberflächlichen 
Schicht des vom Schmelzwasser bedeckten ozeanischen Wassers zu erwarten, Es 
wäre interessant, wenn es gelingen sollte durch: sorgfältige Messungen das Vor- 
handensein des Süßwasser-Deckschicht-Effekts in der Umgebung von Eisbergen 
nachzuweisen, 
Wenn in dem Vorstehenden die wissenschaftliche Erforschung der ozeano- 
graphischen Verhältnisse, die. die Eisberge begleiten, im besonderen behandelt 
worden ist, so mag, um Mißverständnissen vorzubeugen, hierbei bemerkt werden, 
daß die Bedeutung eines Eismeldedienstes damit nicht in den Hintergrund gestellt 
werden soll. So wichtig diese wissenschaftliche Erforschung auch ist, über deren 
praktische Verwertbarkeit und Verwertung auch erst die Zukunft entscheiden 
kann, so entspricht die Organisation eines auf der Schiffahrt selbst zu be- 
gründenden Eismeldedienstes doch in erster Linie deren Bedürfnissen und wird 
auch selbst bei weitestgehenden Erfolgen der Forschung zur steten Überwachung 
der daraus gezogenen Ergebnisse unentbehrlich bleiben. 
Der Weg zwischen Kap Melville und der östlichen Einfahrt 
zur Torres-Straße. 
(Amtlich.) 
Quellen: Englisches Shb. »Australia Directory«, Vol. II.. 1907 mit Nachtrag 1910; »Sailing Directions 
and other Information for the Ports and Harbours of Queensland for 1908.« Küstenansichten von. 
Kpt. C. Madsen, D. »Solingen«. ‘Brit, Adm-Krt. Nr. 2764, Coral Sea and Great Barrier Reefs, 
Sheet II; Nr. 2922, Turtle Group to Claremont Point; Nr. 2921, Claremont Point to Cape Direction; 
Nr. 2920, Cape Direction to Cape Grenville; Nr. 2919, Cape Grenville to Cape York; Nr, 437, Albany 
Pass to Booby Island including Endeavour Strait, Normanby Sound, Prince of Wales and Dayman 
Channels; Nr. 1937, Adolphus Channel with Albany Pass; Nr. 2354, Australia, North and East Coast, 
Sheet XX, Cape Grenville to Booby Jd, Plan: Raine Island Entrance; Nr, 2422, Torres Strait, North 
East and. East Entrances with the outlying Reefs; Nr. 2375, Torres-Strait, western Channels, 
Zwischen Kap Melville und der Torres-Straße benutzen Dampfer sowohl 
vom Süden, wie vom Norden her immer das Fahrwasser innerhalb des Great 
Barrier-Riffes. Große Segelschiffe pflegen aber zunächst außerhalb des Great 
1) Alexander v. Kalecsinsky: Über die ungarischen warmen und heißen Kochsalzseen als 
natürliche Wärme-Akkumulatoren, sowie über die Herstellung von warmen Salzseen und Wärme- 
Akkumulatoren. Separatabdr. aus dem XXXI. Bande des »Földtani Közlöny«, Budapest 1901. 25 8 
Ann. d. Hydr. usw. 1912. Haft VII.
	        
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