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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Baschin, O.: Beeinflussung der Temperatur des Meerwassers durch die Nachbarschaft v, Eisbergen. 415 
Eisbergen eine Bestätigung der Pettersson’schen Ergebnisse zu erhalten, um 
dieselben für die Zwecke des Eiswarnungsdienstes verwerten zu können. Es ist 
deshalb mit Freude zu begrüßen, daß solche Messungen neuerdings von kanadischer 
Seite angestellt worden sind, Nach einem vorläufigen Versuch, den L. V. King 
im Juli 1910 auf dem kanadischen Regierungsdampfer »Stanley« ausführte,!) hat 
der Professor der Physik an der Moe’Gill University in Montreal, Howard 
T, Barnes, auf dem Regierungsdampfer »Montcalm«, sowie auf den Kriegsschiffen 
‚Royal George« und »Vietorian« im Jahre 1912 zahlreiche Beobachtungen mit 
elektrischen Widerstandsthermometern von hoher Empfindlichkeit angestellt. Aus 
ihnen ging hervor, daß ein im Abschmelzen begriffener Eisberg von einer Zone 
wärmeren Wassers umgeben wird, die oft viele Kilometer Durchmesser hat und 
ihre Maximaltemperatur, welche 2° bis 3° C höher sein kann als weiter außen, 
in der Nähe des Berges erreicht, worauf oft ein rapider Fall der Temperatur in 
unmittelbarer Nähe des Berges eintritt. Barnes nannte anfänglich dieses langsame 
Steigen und darauf folgende schnelle Sinken der Temperatur den »Eisberg-Effekt« 
und stellte fest, daß die durch automatische Registrierung erhaltene Temperatur- 
kurve dieses »Eisberg-Effekts« sehr charakteristisch und leicht von anderen 
kleineren Ausschlägen der Kurve zu unterscheiden ist.”’) Später jedoch gelangte 
er zu der Auffassung, daß nur der Anstieg der Temperatur als typischer Eisberg- 
Effekt zu betrachten und der Temperaturfall dicht am Berge der kalten Strömung 
zuzuschreiben ist, welche das Eis transportiert,®) eine Erklärung, die nicht sehr 
überzeugend ist. Im Gegensatz zu Pettersson hat Barnes kein Ausbreiten von 
Eisschmelzwasser an der Meeresoberfläche nachweisen können, und er ist daher 
der Meinung, daß von den drei vorher erwähnten Strömungen in der Nähe des 
Eises nur die beiden erstgenannten vorkommen.‘) Darin aber herrscht Über- 
einstimmung zwischen beiden Forschern, daß der Eisberg das warme Ozeanwasser 
gewissermaßen anzieht und so an seiner eigenen Zerstörung arbeitet, Das Zu- 
strömen des wärmeren Oberflächenwassers als Ersatz der nach unten sinkenden 
abgekühlten Wassermengen bietet der Erklärung keine Schwierigkeiten, Dagegen 
ist die Zunahme der Temperaturen mit der Annäherung an den Eisberg, der 
Barnes’sche »Eisberg-Effekt« nicht ohne weiteres verständlich, Barnes selbst 
gibt folgende Erklärung: Das warme Oberflächenwasser besitzt nur eine horizontale 
Bewegung gegen den Eisberg hin und nimmt daher nicht an der normalen 
vertikalen Zirkulation teil, welche die Meeresoberfläche abzukühlen strebt.”) Er 
scheint also die Temperaturzunahme gewissermaßen einer Konzentrierung warmer 
Wassermassen in der Nähe des Eisberges zuzuschreiben, wodurch der Einfluß 
der abkühlenden Faktoren verringert wird. Auffällig ist jedenfalls, daß Barnes 
mit großer Bestimmtheit das Ausbreiten leichten Eisschmelzwassers über dem 
wärmeren, aber wegen seines höheren Salzgehaltes dichteren Ozeanwassers in 
Abrede stellt. Es setzt sich damit nicht nur in Gegensatz zu Pettersson, 
sondern auch zu J. Aitken, der schon im Jahre 1873 diese Überschichtung mit 
Süßwasser experimentell nachgewiesen hatte.°) Der letztere macht daher an den 
Untersuchungen von Barnes kritische Ausstellungen, in denen er hervorhebt, 
daß nach seinen Experimenten das Schmelzwasser des Eises stets nach oben 
steigt. Seiner Meinung nach muß unbedingt eine dünne Oberflächenschicht von 
kaltem Eisschmelzwasser um den Eisberg herum vorhanden sein, die in dessen 
') H. T. Barnes: Marine Microthermograms and the Influence of Icebergs on the Temperature 
of the Sea. Nature. London 1910. Bad. 85, S. 137 bis 138. 
2) H. T. Barnes: Icebergs and their Location in Navigation, Nature. London 1912, Bd, 89, 
$S. 411 bis 414. i 
3) H. T. Barnes: Iceberg Melting. Nature. London 1913. Bd, 90, S. 671 bis 673, 
‘) H.T. Barnes: The Rise of Temperature. Associated with the Melting of Icebergs, Nature. 
London 1912. Bd. 90, S. 408 bis 410, 
5) By this. means. we should expect the sen in the immediate proximity of icebergs to be 
warmer than further away, because the sea surface current is moving inwards towards the berg, and 
does not share in the normal vertical circulation which tends to keep the sea surface temperature 
cooler. Nature. London 1912. Bd. 90, S. 409, 
5) John Aitken: The Influence of Icebergs on the Temperature of the Sea. Nature. 
London 1913. Bd. 90. S. 513 bis 515.
	        
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