Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913.
Ich selbst!) war 1870 der Überzeugung, daß die englische Seemeile =!/,
der deutschen geographischen Meile gerechnet werde und gab ihr in meinen
Tabellen zu den »Dimensionen der Erde nach Bessels Elementen im metri-
schen Maße«
1855.10963 m,
welche kleine Abweichung in der 4. Dezimale gegen die »Projection Tables« auf
einen etwas abweichenden Reduktionsfaktor der Toise auf Meter zurückzu-
führen ist.
Im Jahre 1882 wandte sich Karl Zöppritz”) prinzipiell gegen diese See-
meile als Aquatorminute, wenn er auch deren mehrfache Anwendungen zugeben
mußte, darauf hinweisend, daß die meisten seefahrenden Nationen sie in anderer
Weise definierten.
Tatsächlich scheint diese um etwa 3 m größere Seemeile seit
den 80er Jahren verlassen zu sein, wenigstens in nautischen Kreisen; in
geodätischen lebt sie noch bis in die jüngste Zeit fort, wie z. B. das Handbuch
der Vermessungskunde von W. Jordan auch in der VL, von C. Reinertz
besorgten Auflage (Bd. III, 1904 SS. 44) die Seemeile als den 60. Teil des
AÄquatorgrades definiert.
Die Seemeile als mittlere Meridianminute (— 1852 m).
(1852 m — 6076 engl. Fuß.)
1. Berechnet aus dem Meridianquadranten.
21. Wir sahen, daß die Franzosen seit Bouguers Zeiten ($ 15) zur Be-
stimmung der Lieues marines und Milles marines Teile des Meridianbogens bevor-
zugten. Er hatte die letztere definiert als den 60. Teil des mittleren Meridian-
grades. Für diesen hat sich im Laufe der Zeit der Ausdruck der mittleren
Breitenminute oder mittleren Meridianminute eingebürgert, Nicht immer
hat man sie auf die gleiche Weise berechnet. Führen wir einige Ausdrucks-
und Berechnungsweisen vor.
Das von der Hamburger Gesellschaft zur Verbreitung mathematischer
Kenntnisse zuerst 1819 herausgegebene Handbuch der Schiffahrtskunde folgt
(S. 96) der Rechnung Klügels für das Späroid, d. h. der französischen Berech-
nung von 1810. Der Erdumfang ist im Meridian gemessen = 20522825 Toisen:
1 Grad == !/,59 des mittleren Erdumfangs — 57 008 Toisen
! Minutenmeile (Seemeile, Schiffsmeile) = 9501!/; Toisen = 5700%, Fuß
Minutenmeile = 6074 engl. Fuß (107 franz. Fuß = 114 engl. Fuß)
Minutenmeile = 6464 Hamburger Fuß (47 engl. Fuß = 50 Hamb. Fuß).
Diesen Wert (6464 Hamburger Fuß) behält Rümker in den von ihm
bearbeiteten Ausgaben desselben Handbuchs (1844, 1857) bei, ohne sich über die
Herkunft des Wertes zu äußern.
Auch Ed. Bobriks Handbuch der praktischen Seefahrtskunde, 1848, definiert
die geographische Seemeile als den 60. Teil des mittleren Meridiangrades,*®) gibt
ihr aber den auffallend großen Wert von
951.75 Toisen (also = 1855.99 m)
ohne daß es möglich wäre, diese Größe auf eines der in damaliger Zeit bekannten
Erdsphäroide zurückzuführen.*) Im übrigen wird man der begrifflichen Bestim-
mung der Seemeile als »mittlere Meridianminute« oder, was ganz dasselbe ist,
als »mittlere Breitenminute« des öfteren begegnen, nur ist die Art und Weise,
wie man sie berechnet, ein wenig verschieden,
H. Wagner in Geogr. Jahrbuch Gotha III 1870.
‚ Geogr. Jahrbuch IX. Gotha 1882 8. XIV.
Bd. II Abt. 1 18485, S. 822.
») Vgl. Bobrik, Bd. III 1848, S. 288, Die angeführten Halbachsen der Erde a =3 273 650,75
Toisen, b=3 262 738.58 Toisen, übersteigen, soviel mir bekannt, alle vor 1850 berechneten Erd-
sphäroide an Größe, Es dürfte daher ein Fehler der Reduktion vorliegen, den festzustellen heute
keine Bedeutung mehr hat.