406 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913.
welcher Umfangslinie der Erde, ob dem Äquator oder der Meridianellipse, man
sie entnehmen sollte oder ob es vorzuziehen sei, dabei von dem größten Kreise
einer Kugel auszugehen, welche mit dem Erdsphäroid gewisse Haupteigenschaften
gemeinschaftlich hat. Ein Übereinkommen zwischen den verschiedenen Nationen
hat im Beginne dieser neuen Periode in keiner Weise stattgefunden und besteht
leider auch heute noch nicht. Aber selbst wenn man sich über den neuen Begriff
der nautischen Seemeile geeinigt hätte, so müßte ihr numerischer Wert selbst-
verständlich noch weiter schwanken, solange man innerhalb der Nationen von
verschiedenen Grundwerten des Erdsphäroids selbst ausgeht.
Fast alle theoretischen Werte, die man zur Definition der Minuten auf-
stellen könnte, haben zeitweise in der nautischen Literatur der Einzelvölker
gegolten und müssen uns in dieser historischen Skizze daher kurz beschäftigen.
Es ist leicht begreiflich, wenn die praktische Schiffahrtskunde kaum von diesen
feinen Unterschieden Notiz genommen hat, da es ihr auf runde Werte ankommt,
und die Differenzen, die heute noch in diesem Punkte bestehen, sich um nicht
mehr als + 1 m oder + 3 bis 4 englische Fuß bewegen,
17. An theoretischen Möglichkeiten für die Definition der Minuten-
meile bestehen, wenn a und b die Halbachsen des Sphäroids, @« die Abplattung
bezeichnen, die folgenden sieben, Da es für die Vergleiche nicht auf die äußerste
geodätische Genauigkeit ankommt, genügen im allgemeinen abgekürzte Formeln,
wie sie auch Hilgard 1881 anwandte.
A. Die Minutenmeile, bezogen auf das Sphäroid.
1. Minutenmeile = 1/4, des Äquatorgrades = 0-30”
2. Minutenmeile = !/.„ des mittleren Meridiangrades oder = z-——.. des
ea (a+D).x 90-60
Meridianquadranten = 1796.60
3. Minutenmeile == der Meridianminute auf 45° Br.
4. Minutenmeile == der einzelnen Meridianminute in Mittelbreite der See-
karten (= a Minute of Mid-latitude).
B. Die Minutenmeile, bezogen auf die Erdkugel.
5. Minutenmeile = !/.„ des Erdgrades, wenn der Kugelradius gleich dem
Mittel aus zwei Halbachsen des Sphäroids ist; R = ab,
6. Minutenmeile = !/, des Erdgrades, wenn der Kugelradius gleich dem
Mittel aus den drei Halbachsen des Sphäroids ist; R = ch,
7. Minutenmeile = !/,„ des Erdgrades, wenn der Kugelradius einer Kugel
von gleicher Oberfläche entspricht; R = x (2a +b) — Sn a. @.
8. Minutenmeile == !/,„ des Erdgrades, wenn der Kugelradius einer Kugel
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entspricht, welche mit dem Erdsphäroid gleichen Inhalt hat; R = ja?b.
Nicht alle, aber die meisten dieser Werte sind im Laufe des letzten Jahr-
hunderts gelegentlich bei Begriffsbestimmung und Größenberechnung der See-
meile zur Grundlage genommen, wie sich aus der weiteren historischen Betrachtung
ergeben wird.
18. Was dagegen die numerischen Werte betrifft, zu welchen man die
Größe der Seemeile angenommen hat, so dürften dabei noch immer fünf bis sechs
verschiedene Erdsphäroide in Betracht kommen, eine Zahl, die sich noch
etwas erhöht, wenn wir auch die Elemente derjenigen Erdsphäroide mit berück-
sichtigen, welche bei Entwurf der See- oder Küstenkarten von einzelnen hydro-
graphischen Ämtern zugrunde gelegt wurden, Mir ist eine Zusammenstellung
über diesen Punkt nicht bekannt. Deshalb bieten die nachfolgenden Mitteilungen
auch über die Frage der Seemeile hinaus einiges Interesse. Sie machen auf
absolute Vollständigkeit jedoch keinen Anspruch. Wir besprechen drei in Frank-
reich aufgestellte Berechnungen von 1800, 1810 und 1882, sodann die Besselsche