400 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913.
des römischen Fußes gehabt hätten, oder daß nicht die Kosmographen in ver-
schiedenen Ländern dem Miliare Italicum die heimischen Fuße untergelegt hätten,
Was die deutschen Meilen betrifft, so kommen wir auf deren Entwicklung
später zurück,
8, Kehren wir nach dieser Abschweifung zur romanischen Seemeile zurück,
so ergibt sich, daß die italienischen Nautiker des 15. und 16. Jahrhunderts
sich zu einer anderen Anschauung bekannten, Sie nahmen einen größeren
Wert für den Erdumfang bzw. für den Erdgrad an. Denn wir sehen,
daß unter ihnen das Verhältnis
- 1°= 70 miliaria maritima oder Miglien
zu recht bestand. Pedro de Medina spricht in seiner Arte de navegar (Sevilla
1545) nur von solchen. Diesem Wert begegnen wir auch auf manchen See-
karten und zwar bis ans Ende des 16. Jahrhunderts. Ich erinnere, um eine
nicht italienische Karte und eine solche möglichst späten Datums anzuführen,
an die Karte der Molukken, welche zu John Huighen van Linschoten’s »His
discours of voyages unto ye Easte and Weste Indies, London 1598«, gehört.)
Dort lautet die Legende zu dem dreifachen Meilenmaßstab:
Hispaniae leucae 17!/, uni gradui competentia,
Miliaria Italica 70 singulis gradibus correspondentia,
Miliaria Germanica quorum 15 uni gradui respondent.
Wir entnehmen daraus, daß man bei den Nautikern jener Zeit den Umfang
der Erde bzw. den Erdgrad nur noch um 7%, unterschätzte, denn
70 X 1480 m = 103 600 m (statt 111000 M.).
Diese romanische Seemiglie hat sich noch durch Jahrhunderte im Mittel-
meer erhalten. Als man eine richtige Vorstellung von der Größe der Erde
gewann, vergrößerte man zunächst nicht die Seemeilen, sondern nahm statt 70 deren
75 Miglien = 1°
an. In der Mitte des 18. Jahrhunderts schrieb Padre Pezenas:”) »Le carte del
Mare Mediterraneo danno 75 miglia a ogni grado,. Cosi le miglie vi sono piü
piccole che nelle altre Carte«, d. h. also kleiner als auf den Landkarten, welche
60 Miglien auf 1° rechnen. Es sind
75 X 1480 == 111000 m.
3. Die ältere Seemeile der Briten von 5000 Feet.
9. Bekanntlich bürgerte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts auf Land-
und Seekarten immer mehr die Sitte ein, den Meilenmaßstab mit einer Legende
zu versehen und dabei gleichzeitig mehrfache Meilenmaßstäbe nebeneinander zu
stellen, Aber indem diese Meilen nunmehr durchweg zum Erdgrad in Beziehung
gesetzt wurden, wie bei der soeben angeführten Legende aus der Karte Lin-
schotens von 1598, ließ sich daraus für die absolute Größe dieser Meilen nichts
entnehmen, Zugleich figurieren auf den Karten der Spanier, Franzosen, Engländer,
Niederdeutschen des 16. bis 18. Jahrhunderts fast ausschließlich die drei größeren
Meilen: die französischen Lieues-marines oder englischen Sea-leagues (20 = 1°),
die spanischen Leguas (17'/, = 1°), die deutschen Meilen (15 = 1°).
Zwar wird in der nautischen Literatur der Franzosen und Engländer
gelegentlich darauf hingewiesen, daß die Lieue-marine 3 milles-marines, die Sea-
league 3 Miles oder auch 3 Seamiles enthalte, aber gerechnet wird bei Ent-
fernungsangaben der Seebücher bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts ganz
vorzugsweise mit Lieues oder Leagues, Nur wenn es sich um ganz nahe Ent-
fernungen handelt, und bei Küstenkarten bediente man sich auch damals mehr
der Miles: Über die absolute Größe dieser Meilen erfahren wir auch aus dieser
Quelle nichts. Es ist besonders bezeichnend, daß in den Kapiteln über die Erd-
kugel, deren Einteilung in Zonen und Gradstreifen durch Parallelkreise und
1) Reproduziert in der Neuausgabe von R. Hakluyts Principal Navigations. Vol. XI.
Hakluyt Society. Extra Series. Glasgow 1904, p. 458.
2) Elementi del’Arte Nautica (Traduzione dal Francese). Livorno 1774. pvp. 72.